YB – Die Chancenvernichter

YB vergibt in Vaduz viele gute Chancen und büsst beim 0:0 erneut zwei Punkte ein. Damit liegt der FC Basel nach acht Runden schon elf Zähler vor den Young Boys.

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Fabian Ruch

YB kann Unentschieden. Vielleicht ist das die interessanteste Nachricht des Mittwochabends aus Sicht der Young Boys. Nach vier Siegen und drei Niederlagen in dieser Super-League-Saison reicht es ihnen in Vaduz nur zu einer Nullnummer, die trotz viel Leerlauf und Mittelmass mindestens einen Treffer verdient hätte. Weil die Gäste aber beste Gelegenheiten vergeben, kommen sie in der Tabelle nicht vom Fleck.

Rochat-Chance als Sinnbild

Dabei ist es Mitte der zweiten Halbzeit, wie zum Auftakt der Begegnung, eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis YB ein Tor erzielt. Die Young Boys sind deutlich überlegen, sie erspielen sich ausgezeichnete Chancen, beispielsweise jene von Alain Rochat, der nach einem raffinierten Freistoss Yoric Ravets aus wenigen Metern nicht reüssiert.

Rochat hätte den Ball annehmen oder in die Mitte zu zwei freistehenden Kollegen passen oder einfach das Tor treffen können. Doch auch er scheitert. «Ich bin nicht zufrieden mit dem Resultat», sagt YB-Trainer Adi Hütter. «Wir waren viel zu wenig effizient im Abschluss.»

«Wir waren viel zu wenig effizient im Abschluss.»Trainer Adi Hütter

Immerhin zeigen die Young Boys in Vaduz auch in den Zweikämpfen Durchsetzungsvermögen. Bei einem Kopfzusammenprall zwischen Steve von Bergen und Moreno Costanzo nach rund 70 Minuten erweist sich – wenig überraschend – der robuste von Bergen als härter.

Auch der frühere YB-Regisseur Costanzo kann nach Pflege mit schickem Turban weiterspielen. Costanzo ist als Techniker wie ein Fremdkörper in einem Team, das nach der 0:5-Niederlage am Wochenende in Lausanne Wert legt auf Kampf, Sicherheit, Defensive. Und weil die Young Boys bei der Chancenverwertung sündigen, wird der beherzte Auftritt des Aussenseiters mit einem Punkt belohnt.

Der starke Start

Dabei begann die Partie für YB verheissungsvoll. Die Gäste legten los, als ob sie all die Querelen in der Vereinsführung mit einem spielerischen Feuerwerk verdrängen wollten. Der agile Ravet gefiel, er fädelte manchen Angriff ein, die Young Boys drängten den Gegner tief in dessen Hälfte.

Miralem Sulejmani kam zweimal zum Abschluss, Ravets harte Schüsse wurden mehrmals geblockt, Rochat, Yuya Kubo und Michael Frey verpassten das 0:1. Auch Denis Zakaria durfte zweimal aus 20 Metern schiessen, seine Versuche gerieten viel zu hoch.

Der Startelan der Berner verebbte irgendwann Mitte der ersten Halbzeit, sie passten sich bald den Vaduzern an. Nun schlichen sich Abspielfehler und Abstimmungsprobleme ein, es war mittlerweile ein recht unansehnliches Gewürge in trister Ambiance vor grosszügig gezählten 3832 Zuschauern in Liechtenstein.

Nur etwa 200 YB-Fans hatten die Reise ins Ausland am Mittwoch antreten können. Sie protestierten noch ein bisschen gegen die peinlichen Vorgänge der letzten Tage («Spektaku ufem Rase statt Zirkus ir Teppichetage»), aber das Tagesgeschäft steht nach turbulenter Woche wieder im Vordergrund.

Und in Vaduz mussten die Young Boys zur Pause gar froh sein, nicht in Rückstand zu liegen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit rettete ihr Goalie Yvon Mvogo mit einer tollen Parade nach einem platzierten Hocheckschuss Diego Ciccones das Nullzunull.

Die Berner dagegen zielten auch nach dem Seitenwechsel ungenau. In der zweiten Hälfte waren keine zwei Minuten gespielt, als Sulejmani stark freigespielt wurde – und aus sechs Metern rund 20 Meter zu hoch schoss.

Es war, zumindest das, eine Leistung, die ihm zuerst mal einer nachmachen muss. Erneut nur rund 100 Sekunden später tauchte Sulejmani sogar frei vor Vaduz-Keeper Benjamin Siegrist auf, doch der Ersatz des gesperrten Peter Jehle parierte.

Nur ein Wechsel bei YB

Ein 0:1 hätte die extrem vorsichtigen Gastgeber aus ihrem Réduit gelockt. So aber mühten sich die Young Boys bis am Ende fruchtlos ab, das erlösende Tor zu erzielen. YB-Trainer Hütter wechselte nur einmal, weil angesichts der langen Verletztenlisten ausser Thorsten Schick bloss Nachwuchsspieler auf der Bank sassen.

«Wir haben derzeit nicht die Optionen, die ich mir wünsche», sagt Hütter, «im Sturm vermissen wir Guillaume Hoarau und Alexander Gerndt sehr.»

Immerhin liegen die Young Boys nach acht Runden weiter auf Rang 2, nun schon elf Punkte hinter Basel. Der FCB siegte am Mittwoch nach 0:1-Rückstand 2:1 in Lausanne. Dank des Siegtores in der 93. Minute.

Berner Zeitung

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