YB: Bereit für die Wachablösung

Erstmals seit neun Jahren treffen YB und Basel heute wieder im Cup aufein­ander. 2009 siegten die Young Boys im Halbfinal.

<b>Die letzte YB-Cupfinalqualifikation:</b> 2009 setzten sich die Young Boys im Halbfinal in Bern gegen den FC Basel im Elfmeterschiessen durch – nachdem Goalie Marco Wölfli drei Penaltys pariert hatte.

Die letzte YB-Cupfinalqualifikation: 2009 setzten sich die Young Boys im Halbfinal in Bern gegen den FC Basel im Elfmeterschiessen durch – nachdem Goalie Marco Wölfli drei Penaltys pariert hatte.

(Bild: Thomas Hodel)

Fabian Ruch

Der Cuphalbfinal zwischen YB und Basel im Stade de Suisse findet Mitte April bei milden Temperaturen statt, natürlich ist das Stade de Suisse ausverkauft. Die Young Boys setzen sich im Pokal erstmals nach über dreissig Jahren gegen den FCB durch und gewinnen nach torlosen 120 Spielminuten im Penaltyschiessen 3:2.

Goalie Marco Wölfli pariert drei Elfmeter und führt sein Team in den Final – wo es gegen Cupangstgegner Sion in Bern mal wieder eine bittere Niederlage absetzt: 2:3 nach 2:0-Führung.

Das ist lange her. Die Basler Fehlschützen 2009 hiessen Benjamin Huggel, David Abraham und Jürgen Gjasula, der heutige FCB-Sportchef Marco Streller schoss keinen Penalty. Bis zur aktuellen Saison überstand YB im Cup nie mehr den Viertelfinal – und blamierte sich mehrmals.

Hunger und Lust

Vor neun Jahren befanden sich die Young Boys unter Trainer Vladimir Petkovic auf Augenhöhe mit dem FCB. Basels Clubchef Bernhard Heusler gab zu, in gewissen Punkten neidvoll auf den Rivalen aus Bern zu blicken.

2010 verlor YB wie zwei Jahre zuvor eine Finalissima gegen den FCB, es war der erste von bis heute acht Basler Meistertiteln in Serie. Die Young Boys dagegen schlitterten in mehreren Phasen ins Chaos, haben sich aber immerhin längst wieder als Nummer 2 des Landes etabliert. Und planen in dieser Saison den Sturz des Primus.

Elf Punkte beträgt ihr Vorsprung in der Super League bei einem Spiel mehr. Und wer mit den YB-Protagonisten spricht, erkennt den Glauben und die Überzeugung im Verein, bereit zu sein für den Coup.

«Wir sind sehr selbstbewusst», sagt Verteidiger Loris Benito. «Und wir gewinnen nun auch Spiele gegen kleinere Teams wie am Samstag gegen Sion, die wir vor einem Jahr nicht gewonnen hätten.» Sein Captain Steve von Bergen fragt: «Warum sollten wir Angst vor dem FCB haben? Dann müssten wir ja gar nicht aus der Kabine kommen.»

Der riesige Hunger auf Erfolg ist spürbar bei YB wie die grenzenlose Lust, Geschichte zu schreiben. «Wir alle wissen, wie lange man hier auf einen Titel wartet», sagt Miralem Sulejmani. 1986 feierten die Young Boys die letzte Meisterschaft, 1987 den letzten Cupsieg. Und nun bietet sich ihnen die goldene Chance, das schier ewige Warten gleich in beiden Wettbewerben zu beenden.

Spychers grosse Leistung

Natürlich ist es kein Zufall, gelingt es YB genau in dieser Saison, den FCB ernsthaft herauszufordern. Die Basler sind möglicherweise ein bisschen satt geworden, der wiederholte umfassende Personalumbruch im letzten Sommer, diesmal sogar auf allerhöchster Ebene, hat den Verein ein wenig destabilisiert – und vielleicht blicken die Entscheidungsträger in Basel erstmals seit 2009 auch wieder leicht neidvoll Richtung Stade de Suisse.

Dort herrscht seit der Installierung von Christoph Spycher als Sportchef vor eineinhalb Jahren Ruhe, Trainer Adi Hütter führt das Team erfolgreich, das Kader ist gespickt mit mehreren Gross­talenten, die Spielweise attraktiv. Nur die Zuschauerzahlen in Bern korrespondieren überhaupt nicht mit den Leistungen von YB. Was zumindest zuletzt aber auch an der bissigen Kälte lag.

Und auch im Januar war die Transferpolitik der Young Boys geschickter als jene des FCB. Während Basels Sportchef Marco Streller in erster Linie ehemalige FCB-Grössen mit wenig Spielpraxis zurückholte und mit Manuel Akanji den besten Verteidiger nach Dortmund verkaufen musste, gelang es Spycher, sämtliche umworbenen Akteure zum Bleiben zu bewegen. Es war wohl seine grösste Leistung als Sportchef. Die Aussichten auf historische Taten sind in Bern für Fussballer wie Trainer verlockend.

Im Sommer werden die grössten Talente der Young Boys ins Ausland wechseln. Und auch Trainer Hütter wird seine Karriere nicht bei YB beenden. Am Tag des Cuphalbfinals heute gegen ­Titelverteidiger Basel ist der drohende Ausverkauf aber weit weg. Der FCB kriselt nach der Winterpause, YB bietet sich die Gelegenheit, den Titelhamsterer zu stoppen – zumindest in dieser Saison.

Wobei heute ein 0:0 nach 120 Minuten bei gefühlten Temperaturen von unter minus 20 Grad kaum das erstrebenswerte Szenario im bei weitem nicht ausverkauften Stade de Suisse sein dürfte. Andererseits: Elfmeterheld Marco Wölfli ist immer noch dabei – oder besser: wieder dabei. Und im Final in Bern würde ganz sicher nicht der FC Sion warten.

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