Wölfli gehört schon wieder die Heldenrolle

YB verhindert in Biel das Aus im Cup in der fünften Nachspielminute – daran hat auch der eigene Goalie einen grossen Anteil.

In der 95. Minute köpft YB-Goalie Marco Wölfli im gegnerischen Strafraum einen Eckball Richtung Tor und leitet damit den Ausgleich ein.
Florian Raz@razinger

Es ist die Szene dieser ersten Runde im Schweizer Cup. Nur ein paar Sekunden noch dauert die Partie in Biel. Die Gastgeber, drei Ligen tiefer spielend als die angereisten Young Boys, führen nach einem Seitfallzieher Mike Natalis seit der 87. Minute mit 2:1. Ein letzter Eckball trennt Meister YB vom Aus.

Und während die Bieler reklamieren, weil sie einen Abstoss wollen, eilt er nach vorne: Marco Wölfli, der YB-Goalie, der eigentlich nur noch die Nummer 2 ist in seinem Club. Und der sich trotzdem auf seine alten Tage zum Mann für die ganz speziellen Momente entwickelt. Erst dieser unvergessliche Auftritt im entscheidenden Spiel zum Meistertitel in der Vorsaison, mit gehaltenem Elfmeter, Lametta und Tränen.

Jetzt also diese 95. Minute in Biel. Der Ball fliegt zur Mitte, Wölfli, natürlich Wölfli, steigt hoch, kommt zum Kopfball und – nein, trifft nicht zum 2:2. Aber er bringt die Bieler so sehr in Bedrängnis, dass der Ball schliesslich via Moumi Ngamaleu, die Latte und Ulissess Garcias Fussspitze im Tor landet. 2:2, die Berner haben ihren Hals noch einmal aus der Schlinge gezogen.

Die Bieler, die 95 Minuten lang nicht nur verteidigt, sondern mutig stets den Weg nach vorne gesucht haben, können dem neutralen Beobachter schon da leid tun. Aber es kommt noch bitterer für die Erstligisten. Bis in die 120. Minute halten ihre Kräfte noch. Wieder sind es bloss noch ein paar Sekunden, die sie wenigstens vom Elfmeterschiessen trennen. Doch dann ist Guillaume Hoarau einfach zu gross, zu schnell, zu kopfballstark. 3:2 für YB nach 119 Minuten und 39 Sekunden. Kurz darauf ist fertig.

«Meine Kopfbälle sind nicht der Wahnsinn»: Marco Wölfli hat nach dem Schlusspfiff wieder gut lachen. Video: Martin Bürki

Ein paar Bieler können ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, während die Fans aus der Hauptstadt feiern, als ob sie bereits den nächsten Titel feiern dürften. Ganz so begeistert kann Gerardo Seoane nicht sein. Der YB-Trainer will mit Blick auf das Qualifikationsspiel zur Champions League am Mittwoch gegen Dinamo Zagreb fünf Stammspieler schonen. Und muss schliesslich unter Druck doch noch Miralem Sulejmani, Guillaume Hoarau und Djibril Sow bringen.

Sechs Tore für den FC Zürich, ein Verteidiger für Basel

Auf den anderen Plätzen setzen sich die Clubs aus der Super League ohne Probleme durch. Am leichtesten spielt sich der ohne Stürmer Michael Frey antretende FC Zürich in die nächste Runde. Der Titelverteidiger nützt bei seinem 6:0 gegen den FC Concordia aus der 2. Liga die Fehler der Basler Amateure gnadenlos aus.

Weniger effizient tritt der FC Basel bei Montlingen aus der 2. Liga auf. Vor der Partie sei diskutiert worden, «ob wir unter zehn Gegentoren bleiben», sagt Goalie Dominic Hehle nach Spielschluss. Nach dem 0:3 dürfen die Rheintaler wie kleine Sieger feiern.

Unterdessen hat Basel einen neuen Innenverteidiger gefunden. Er holt leihweise von Dynamo Kiew den 29-jährigen Peruaner Carlos Zambrano. Er soll den auf unbestimmte Zeit ausfallenden Marek Suchy ersetzen.

SonntagsZeitung

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