«Wir waren das klar bessere Team»

Die YB-Spieler geben sich nach der Niederlage in Basel selbstbewusst.

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Fabian Ruch

Wer nach der sehr bitteren 0:1-Niederlage der Young Boys in Basel dachte, auf niedergeschlagene YB-Spieler zu treffen, irrte gewaltig. Als erster taucht Leonardo Bertone bei den Journalisten auf, mit breiter Brust und eindeutigen Botschaften. «Wir waren das klar bessere Team», sagt er. Und: «Basel hat ja kaum eine Chance gehabt.» Oder: «Klar liegen wir nun 12 Punkte hinter dem FCB, aber die Saison dauert noch lange.»

Bertone redet so, wie YB zuvor agierte: selbstbewusst und energisch. Loris Benito spricht ebenfalls von einer «sehr starken Leistung» und erwähnt wie Bertone die «mangelhafte Chancenauswertung» als Grund für die Niederlage. «Wer so viele Möglichkeiten hat wie wir, muss mindestens ein Tor erzielen.» Auch Captain Milan Vilotic trauert den vergebenen Gelegenheiten nach: «Wir waren stark. So ein Spiel darf man in Basel nicht verlieren.» Yvon Mvogo meint, es sei ein toller Auftritt der Young Boys gewesen, und wenn man mit null Punkten nach Bern heimreisen müsse, sei das schon hart.

Wüthrichs Platzverweis

Florent Hadergjonaj schliesslich ist es ein Anliegen, neben der klaren Überlegenheit noch auf etwas Erstaunliches hinzuweisen: «Wir waren auch in Unterzahl das bessere Team und erspielten uns Chancen.» Die Gelb-Rote Karte gegen Gregory Wüthrich sei viel zu streng gewesen, sagt Hadergjonaj, denn Wüthrich habe ja den Ball spielen wollen. Auch Bertone findet den Platzverweis nicht gerechtfertigt, «weil es eine Szene war, wie sie im Strafraum oft vorkommt». Wüthrich selber spricht von einem «harten Entscheid», der Ball sei spielbar gewesen. «Breel Embolo hat mich von hinten gestossen, ich wollte den Ball ins Tor spedieren und stiess unglücklich mit dem Goalie zusammen.»

Mal wieder hadern die Young Boys in Basel also mit Schiedsrichterentscheidungen. Sie nehmen die erneute Benachteiligung zur Kenntnis, reagieren aber nicht polemisch darauf. «Es war einfach so, dass im Zweifelsfall strenger gegen uns gepfiffen wurde», findet Bertone. Er und seine Mitspieler stiegen zuweilen ebenfalls rustikal ein, die Zweikämpfe wurden grenzwertig geführt, wobei die Grenze im Vergleich zum Super-League-Standard bei Duellen zwischen FCB und YB ohnehin nach oben gesetzt ist. Im Vergleich zum harmlosen, langsamen Spiel Vaduz-YB (1:1) acht Tage zuvor war das am Sonntag fast eine andere Sportart.

Steffen im Fokus

Einer, der sich in emotionaler Atmosphäre normalerweise pudelwohl fühlt, ist Renato Steffen. Nach zögerlicher erster Halbzeit drehte der Flügelstürmer auf, er war an einigen starken YB-Aktionen beteiligt. In den Tagen vor der Partie war Steffen im medialen Fokus gestanden, weil er einerseits auf Taulant Xhaka traf, der im Hinspiel in Bern nach einer Tätlichkeit gegen Steffen die Rote Karte erhalten hatte – und weil er andererseits ein Kandidat beim FC Basel als Nachfolger des überragenden Embolo ist. Steffen, sonst ein freundlicher, interessanter Gesprächspartner, verzichtet am Sonntag darauf, ein Statement abzugeben. Er wurde von den FCB-Fans ständig ausgepfiffen und teilweise übel beschimpft, blieb in äusserst feindseliger Ambiance aber ruhig.

Berner Zeitung

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