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«Wir haben keine Zweifel»

GC-Verwaltungsrat Martin Keller gibt sich selbst nach dem 0:4 am Mittwoch bei YB betont gelassen.

5 Spiele, 2 Punkte und damit Tabellenletzter der Super League – die Grasshoppers (Michael Lang) sind nach dem 0:4 gegen die Young Boys am Boden. Foto: Freshfocus
5 Spiele, 2 Punkte und damit Tabellenletzter der Super League – die Grasshoppers (Michael Lang) sind nach dem 0:4 gegen die Young Boys am Boden. Foto: Freshfocus

GC, Tabellenletzter – wie liest sich das für Sie?

Die Saison ist noch lang. Natürlich, die psychologische Belastung einer solchen Situation ist nicht zu unterschätzen. Wir müssen einfach ruhig weiterarbeiten. Und wir werden sicher wieder einmal ­einen Lauf haben.

Aber wie ist das Befinden nach einer solchen Niederlage wie in Bern?

Durchzogen. Wir hätten uns sicher ­einen erfolgreicheren Saisonstart gewünscht. Darum sehen wir mit Spannung, wie wir uns entwickeln.

Und wie beunruhigt sind Sie?

Ich könnte auf die Floskel zurück­greifen: noch nicht. Ein gewisser Druck von ­aussen wird aufgebaut, das ist auch ­normal. Wir müssen unaufgeregt analysieren, woran es liegt: Haben wir das Team, die Individuen, den Trainer, um aus dieser Situation herauszufinden?

Die Antwort heisst?

Auf lange Sicht gesehen haben wir keine Zweifel. Wir haben auch nicht viel Glück gehabt in den ersten fünf Spielen. Wir haben teilweise gezeigt, was wir können. Wenn wir alles gezeigt hätten, würde sich die Rangliste anders lesen.

Dass Sie sich so ruhig geben: Ist das nur gespielt? Oder basiert das auf tiefer Überzeugung?

Das zweite. Wir haben viel umgebaut, von hinten bis vorne, das Gefüge greift noch nicht, die Resultate fehlen. Und wenn man mit breiter Brust auf den Platz gehen kann, ist es einfacher, das Potenzial abzurufen, als nach marginalen Erfolgserlebnissen. Aber an der Qualität der Spieler zweifelt bei uns niemand. Grundsatzdiskussion haben wir keine, und solche werden in absehbarer Zeit auch nicht nötig sein.

Kommt in diesem Start eben auch wieder einmal das Problem zum Ausdruck, dass GC für Transfers kein Geld hat und darum auf Billiglösungen angewiesen ist?

Das ist latent ein Thema. Dass wir jetzt Gashi verkaufen mussten, spricht Bände. Wir können nicht langfristig planen. Wir müssen aggressiv sein. Wir müssen ökonomische Lösungen finden.

Das heisst?

Wir müssen Risikotransfers machen und hoffen, den Spieler mit Gewinn verkaufen zu können, siehe Vilotic. (Er kam ablösefrei und wechselte im Winter für 3 Millionen Franken zu YB.) Das liegt in der Natur des Clubs, wir müssen ein Ausbildungsverein sein, Nachwuchs­talente herausbringen und mit ihnen Geld verdienen, das haben wir in den letzten zehn Jahren auch getan, als wir durchschnittlich 3 Millionen aus ihren Verkäufen eingenommen haben. Einen Gashi hätten wir wohl sehr gerne gehalten, aber wir können uns sein Gehalt nicht mehr leisten. Darum dürfen wir uns die Ablöse für ihn erst recht nicht entgehen lassen.

Hat diese Situation auch so etwas wie einen Reiz?

Die Spreu trennt sich vom Weizen, die Mannen trennen sich von den Buben. Wenn es nicht mehr so gut läuft wie uns in den vergangenen zwei Jahren, zeigt sich, wer durchkommt, wer rauskommt, wer Persönlichkeit hat, zeigt sich der Charakter der Mannschaft. Nichts schärft den Geist und den Körper mehr als eine kleine Krise.

Und die Antwort heisst?

Eine solche Situation ist eine Herausforderung, aber Reiz? Das ist ein zu starkes Wort.

Wie nehmen Sie Trainer Michael Skibbe wahr?

Er ist sehr souverän. Punkt. Sehr analytisch, mit ganz kühlem Kopf, sehr professionell. Wir haben bewusst darauf gesetzt, als wir kürzlich den Vertrag mit ihm zum zweiten Mal verlängert haben

Also ist er keiner, der im Ärger mit Tassen oder Flaschen um sich wirft?

Überhaupt nicht.

Was muss denn alles passieren, damit Sie unruhig werden?

Jetzt haben wir einmal Aarau und Brügge vor uns. Ich wüsste nicht, wanns bei uns unruhig wird. Die Resultate kommen.

Ja? So überzeugt?

Sonst wären wir alle nicht hier.

Und wenn sie ausbleiben?

Dann fragen wir uns: Stimmt die Qualität der Arbeit? Der Weg ist im Moment wichtiger als das Resultat. Ob wir in ­Aarau einen oder drei Punkte machen, ist da nicht die Frage.

Von Ihrer Ansprache an die Mannschaft zu Saisonbeginn sind vor allem zwei Worte hängen geblieben: «Warum nicht?»

. . . genau, ja . . .

. . . warum nicht Meister werden, warum nicht in die Champions League? Würden Sie das wieder so sagen?

Das ist als Ansporn gemeint, um es explizit zu sagen. Wir sollen und müssen doch träumen dürfen. Die Qualität ist da. Auf dem Papier wäre ein deutlich besserer Saisonstart möglich. Aber eben, die Qualität greift noch nicht. Nur wissen wir auch, wo wir hingehören.

Wohin?

Unter die ersten vier. Ein Platz im Europacup ist unser erklärtes Ziel. Und es gibt keinen Grund, daran etwas zu korrigieren.

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