Wer wird Schweizer Fussballmeister?

Am Samstag beginnt die Saison 2015/16 – es gibt zwei Hauptanwärter auf den Titel und zwei Experten-Meinungen dazu.

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YB

Basel. Basel. Basel. Basel. Basel. Basel. Sechsmal in Serie Basel, sechsmal Meisterfeier, die gleichen Bilder, die nur deshalb zu unterscheiden waren, weil darauf ab und zu ein anderer Trainer zu sehen war. Das Basler Ritual auf dem Barfüsserplatz langweilte die Restschweiz.

Und diese Saison? Schon wieder Basel, einfach aus lauter Gewohnheit?

Ein wenig Spannung bekäme der Liga gut. Zum Glück sind da nun die Young Boys, die darum besorgt sein wollen. Wir wollen einen Titel, verkünden sie jetzt, wir wollen uns nicht mehr verstecken, sondern die Meisterschaft oder den Cup gewinnen. Das heisst nun zwar noch nicht, dass in Basel allein deshalb das Knieschlottern einsetzt. «Basel hat immer eine stabile Mannschaft, Basel hat Erfahrung, und Basel hat zweimal mehr Geld als wir», sagt auch Steve von Bergen, der Captain der Young Boys. Aber immerhin sind sie nun in Bern entschlossen genug, die Herausforderung anzunehmen.

Ausgerechnet sie also, die seit 1986 auf eine Meisterschaft und seit 1987 auf einen Cupsieg warten, die in den letzten Jahren mehr als einmal versagten, als sie nahe an einer Trophäe dran waren. Ausgerechnet sie reklamieren nun die Siegermentalität für sich, die Basel schon seit der Ära Gross auszeichnet.

Das Drängen der Spieler

Eine grosse Tat ist das allein noch nicht. Schliesslich haben sie den Milliardär Rihs im Rücken und ein Budget, das ausserhalb von Basel unübertroffen ist. Die neue Zuversicht steht jedoch für einen Mentalitätswandel, den sie in Bern nicht zuletzt dank Sportchef Fredy Bickel hinbekommen haben. Sie haben von hinten bis vorne Spieler in der Mannschaft, die nicht schnell ins Zittern kommen sollten, nur weil die Ansprüche gestiegen sind; sie haben sie von Mvogo, Vilotic, von Bergen und Benito über Sanogo, Steffen, Gerndt, Sulejmani bis zu Hoarau.

Wichtig ist, zu wissen, dass das Ziel nicht von den Chefs diktiert worden ist. Es ist vielmehr die Mannschaft gewesen, die zu mehr Ehrgeiz gedrängt hat. Angeführt von ihrem Captain, ist auch ihr eines bewusst geworden: dass sich nach Platz?2 der letzten Saison und mit diesem Kader Rang 3 als Vorgabe nicht gut machen würde. In Bern sind alle gefordert, aber keiner ist es mehr als Uli Forte. Eine Krise wie im letzten Herbst würde der Trainer diesmal kaum mehr über­stehen. So ist das eben, wenn es offi­ziell einen Titel geben soll.

FCB

Manchmal braucht es wenig, um die Fantasie anzuregen. Ein miserabler Auftritt des FCB im Cupfinal gegen Sion, zwei gefeierte Zuzüge bei der Konkurrenz in Bern – und schon wirken die Basler wie ein wankender Riese auf tönernen Füssen, der nur darauf wartet, gestürzt zu werden. Haben die Basler nicht eine ganze Achse verloren mit den Fabians Schär und Frei sowie dem Überbasler Marco Streller? Müssen sie nicht zunächst die auf Züritüütsch formulierten Ideen ihres neuen Trainers Urs Fischer verinnerlichen?

Ja, das alles müssen sie. Aber wer daraus Basler Schwäche folgert, vergisst: Der FCB war zuletzt stets auch der Meister des Umbruchs. Trainer sind gekommen und gegangen, Teamstützen sind gewachsen und verkauft worden. Alteingesessene wurden mit mehr oder weniger Getöse pensioniert. Das alles hat Rot-Blau nicht daran gehindert, sechsmal in Serie Meister zu werden. Und es wird Basel auch nicht am siebten Streich hindern.

Das Wissen der Basler

Der FCB weiss, wie er Lücken schliessen muss. Er holt bestandene Nationalspieler, die für eine gewisse Qualität bürgen. Er vertraut darauf, dass der eigene Nachwuchs wachsen wird. So wie mit Breel Embolo der aufregendste Teenager der Liga den Platz von Streller übernehmen soll. Und weil er stets Chancen auf die Champions League bietet, kann er immer wieder namhafte Rückkehrer bei sich begrüssen. So wie nun Zdravko Kuzmanovic. Der 27-Jährige kommt nach über 200 Spielen in der Serie A und der Bundesliga als Königstransfer nach Basel zurück.

Wer die Sittener aufgrund ihrer Parforceleistung im Cupfinal als Basler Herausforderer sieht, sollte nicht vergessen: Während die Walliser in ihr Spiel des Jahres gingen, hatten auf Basler Seite Trainer Paulo Sousa und die drei Abgänge Schär, Frei und Streller ihre Koffer mental bereits gepackt. Und wo hat Sion die letzte Saison beendet? Genau, auf Rang 7. Da scheint der Aufstieg zum Titelkandidaten gar steil.

Und wer die Young Boys als Transfersieger betitelt, der rechne schnell zusammen, wie viele Spiele auf höchster Ebene die Neuzugänge Miralem Sulejmani und Loris Benito in der letzten Saison bei Benfica Lissabon zusammengerechnet bestritten haben. Es sind 14.

Die Lücke zwischen dem FCB und der Konkurrenz könnte etwas kleiner geworden sein. Geschlossen ist sie noch nicht.n.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.07.2015, 08:01 Uhr

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