FC Lugano erkämpft sich Platz drei

Lugano sichert sich den Startplatz in der Europa League, Zürich und St. Gallen verpassen das internationale Geschäft denkbar knapp.

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Lugano qualifiziert sich mit Hängen und Würgen direkt für die Europa League. Joker Petar Brlek sichert den Tessinern gegen die Grasshoppers mit seinem späten Treffer zum 3:3 den entscheidenden Punkt. Fast wäre der inferiore Absteiger GC im Tessin doch noch zum ersten Sieg seit dem 25. November letzten Jahres gekommen. Die Zürcher lagen gegen das anfangs dominante, aber zusehends verkrampfte Lugano bis zur 86. Minute mit 3:2 vorne, ehe Brlek das Heimteam kurz nach seiner Einwechslung mit einem satten Distanzschuss erlöste. Dank günstiger Umstände - Luzern verlor bei YB 0:4, St. Gallen spielte gegen den FC Zürich 1:1 und Thun gewann in Sitten «nur» 1:0 - reichte der Punkt, um sich den 3. Platz zurückzuerobern.

Wie 2017 spielt Lugano nächste Saison in der Gruppenphase der Europa League. Auch damals hatte eine starke Rückrunde zum Sprung vom 8. auf den 3. Platz verholfen. Prämien von vier Millionen Franken sind der Mannschaft von Fabio Celestini damit gewiss.

Vor der letzten Runde hatte Lugano als Tabellenvierter dank dem Abschlussgegner GC die besten Karten für den wertvollen 3. Schlussrang gehalten. In dem von vielen Fehlern geprägten Spiel gegen den abgeschlagenen Absteiger manövrierten sich die Tessiner dann in eine prekäre Lage. Sie gaben zweimal eine Führung preis, für die Armando Sadiku und Mattia Bottani mit ihren Treffern gesorgt hatten, verpassten das 3:1 auf haarsträubende Weise (Bottani dribbelte sich alleine vor Heinz Lindner ins Aus) und gerieten durch zwei Gegentore zwischen der 62. und der 70. Minute ins Hintertreffen. GCs Djibril Diani half dem Heimteam bei dessen verzweifelten Bemühungen schliesslich mit einer Gelb-Roten Karte mit. In Überzahl erlöste Brlek Lugano keine zwei Minuten nach seiner Einwechslung mit dem Lucky Punch.

Bitterer Saisonabschluss

St. Gallen hat am Schluss der Saison gleich viele Punkte wie der Dritte Lugano. Aber St. Gallen wird Sechster und damit nicht europäisch. Das 1:1 beim FCZ ist für die Ostschweizer ärgerlich. Der FC St. Gallen hätte eine Saison mit viel Auf und Ab auf prächtige Weise und mit der direkten Qualifikation für die Europa League beenden können. Wegen einer deutlich schwächeren zweiten Hälfte mussten die Ostschweizer dem FC Zürich jedoch ein Unentschieden zugestehen. Kurz vor der Nachspielzeit vergab Majeed Ashimeru aus bester Position eine riesige Chance, indem er den Ball knapp am Pfosten vorbeizog.

Die Zürcher enttäuschten ihrerseits nicht und waren nach dem Ausgleichstor von Salim Khelifi kurz nach der Pause die meiste Zeit näher am Sieg als die St. Galler. Die Mannschaft von Ludovic Magnin trug mit einer Reihe guter Angriffe viel zum recht hohen Unterhaltungswert der Partie bei.

Khelifi trifft für den FCZ (Quelle: SRF).

Zum ansehnlichen Match passte auch das schöne St. Galler Führungstor nach 16 Minuten. Der Genfer U21-Spieler Jérémy Guillemenot, einziger nomineller Stürmer der Ostschweizer, nahm eine Kreuzflanke des Abschied nehmenden Tranquillo Barnetta auf, zog in der Manier von Arjen Robben in die Mitte und traf mit einem Schlenzer via den entfernten Pfosten.

Guillemenot bringt St. Gallen in Führung (Quelle: SRF).

Erwähnt man Majeed Ashimerus Matchball kurz vor Schluss, muss man auch die riesige Chance von Marco Schönbächler ebenfalls in den letzten Minuten erwähnen. Sein Versuch wurde von einem St. Galler knapp neben den Pfosten gelenkt.

Luzern verpasst direkten Startplatz

Auch dem FC Luzern entgleitet der 3. Platz am letzten Spieltag der Super League. Die Zentralschweizer verlieren bei den Young Boys 0:4. YBs Captain Steve von Bergen erlebt einen märchenhaften Abschied. Beim Meister, der sich vor der Partie vom abtretenden Captain Steve von Bergen sowie von Kevin Mbabu, Loris Benito, Thorsten Schick und dem bereits im Winter weitergezogenen und in Bern weilenden Sékou Sanogo verabschiedete, erhielt die dank vier Siegen aus den vorangegangenen sechs Spielen auf den 3. Platz vorgerückte Mannschaft von Thomas Häberli wie erwartet keine Geschenke. YBs Trainer Gerardo Seoane nominierte bis auf eine Ausnahme - Nicolas Moumi Ngamaleu wich für Schick - seine beste Elf, die mit der Pokalübergabe vor Augen auch im Stile des dominanten Meisters auftrat, der sie ist. Die Berner liessen hinten so gut wie nichts zu und spielten den Gegner vorne wiederholt schwindlig.

Weil sich Lugano gegen GC einen Punkt erzitterte und Thun in Sitten gewann, rutschte Luzern noch auf den 5. Platz ab. Die Zentralschweizer müssen damit nächste Saison drei Qualifkationsrunden überstehen, wollen sie erstmals in der Gruppenphase der Europa League spielen.

Auf der anderen Seite flossen zum Abschluss einer rekordreichen Saison Freudentränen. Als Torschütze zum 4:0 erlebte Steve von Bergen einen fast schon kitschigen Abschied. Der Captain traf in der 75. Minute nach einem Freistoss von Christian Fassnacht zum ersten Mal für YB und zum erst zweiten Mal in seiner Karriere.

Den Führungstreffer vor 31'120 Zuschauern im Stade de Suisse hatte Guillaume Hoarau in der 27. Minute nach einem Freistoss von Ulisses Garcia mit einem Kopfball aus knapp elf Metern erzielt. Es war der 24. Saisontreffer - der neunte per Kopf - des Franzosen, der sich mit 35 Jahren erstmals zum Torschützenkönig der Super League kürte. Ausserdem trugen sich Christian Fassnacht und Nicolas Moumi Ngamaleu unter die Torschützen ein. Dazu hämmerte Jean-Pierre Nsame den Ball beim Stand von 1:0 an die Latte.

Thun holt sich Platz vier

Der FC Thun, viel stärker aufgetreten als meistens in der letzten Zeit, tut beim ambitionslosen FC Sion alles, um noch Dritter zu werden. Es reicht trotz eines 1:0-Sieges nicht. Aus einer schwachen Position verbesserten sich die Berner Oberländer mit einer guten Leistung in den 4. Schlussrang, dank dem sie die Qualifikation zur Europa League werden bestreiten können.

Drei Tage nachdem er mit einem 3:0-Sieg bei den Grasshoppers alle Abstiegsgefahr gebannt hat, enttäuschte der FC Sion auf der ganzen Linie. Die Berner Oberländer nutzten dies, um als knappe, aber hochverdiente Sieger vom Platz zu gehen. In der ersten Halbzeit reichte es ihnen trotz klarer Überlegenheit nur zu einem Lattenschuss von Moreno Costanzo, aber Verteidiger Chris Kablan, kein Torschütze vom Dienst, holte das Versäumte mit dem 1:0 nach gut einer Stunde nach.

Die Sittener hatten bis fast zuletzt keine nennenswerte Chance und hätten dennoch beinahe einen Punkt geholt. Thuns Goalie Guillaume Faivre musste den Abschlussversuch des eingewechselten Moussa Djitté nach 88 Minuten eine erstklassige Parade zeigen, um den Sieg zu retten.

Basel siegt locker

Der FC Basel beschliesst die Meisterschaft mit einem hoch verdienten 4:1-Heimsieg gegen den Barrage-Teilnehmer Neuchâtel Xamax, der aus guten Gründen mit einer ersatzgeschwächten Equipe antrat. Die gut 21'000 Zuschauer bekamen einen Match mit eigenartigen Voraussetzungen präsentiert. Die Xamaxiens schonten im Hinblick auf die Barrage sechs an sich einsatzfähige Spieler - zumeist solche, die für das Barrage-Hinspiel gegen Aarau oder Lausanne-Sport gesperrt gewesen wären.

Die Massnahme von Trainer Stéphane Henchoz war verständlich. Aber mit dem Rumpfkader war gegen Basel nicht viel auszurichten. Die Basler waren klar überlegen und hätten aufgrund der Chancenanteile in der Pause wesentlich deutlicher führen müssen als durch das das sechste Saisontor von Samuele Campo, der nach 26 Minuten mit einem geschlenzten Freistoss via Latte traf.

Für die Mannschaft von Trainer Marcel Koller ging es um nichts mehr, es sei denn um die Aufbesserung der Zahlenbilanzen. So holten die Basler aus den 18 Spielen der Rückrunde 12 Siege bei nur einer Niederlage (1:3 in Bern). Und in der gesamten Rückrunde haben sie gegenüber YB nur einen Punkt eingebüsst. Die weiteren 19 Punkte Rückstand hatten die sich im Herbst eingehandelt. Den verdienten Lohn im Spiel selber fuhren die Basler in der zweiten Halbzeit mit drei weiteren Toren doch noch ein.

Telegramme:

Lugano - Grasshoppers 3:3 (1:1) 4819 Zuschauer. - SR Klossner.–

Tore: 39. Sadiku (Lavanchy) 1:0. 44. Zesiger (Mallé) 1:1. 47. Bottani (Maric) 2:1. 62. Ngoy 2:2. 70. Djuricin 2:3. 86. Brlek (Bottani) 3:3.

Lugano: Baumann; Daprelà, Maric, Sulmoni; Lavanchy, Vecsei (74. Covilo), Sabbatini (84. Brlek), Crnigoj (74. Mihajlovic); Bottani, Sadiku, Gerndt.

Grasshoppers: Lindner; Cabral, Zesiger, Diani, Asllani; Basic; Ngoy (74. Goelzer), Mallé (91. Mergim Bajrami), Nedim Bajrami; Rustemoski (52. Taipi), Djuricin.

Zürich - St. Gallen 1:1 (0:1) 12'013 Zuschauer. - SR San.

Tore: 16. Guillemenot (Barnetta) 0:1. 50. Khelifi (Charabadse) 1:1.

Zürich:Brecher; Omeragic (74. Untersee), Nef (90. Pa Modou), Bangura, Charabadse; Domgjoni (80. Kololli), Sohm; Khelifi, Marchesano, Schönbächler; Odey.

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Nuhu, Vilotic, Wittwer; Quintilla (88. Itten); Sierro, Barnetta, Ashimeru, Quintilla, Sierro; Barnetta, Kutesa, Guillemenot (71. Rapp), Kutesa.

Young Boys - Luzern 4:0 (1:0) 31'120 Zuschauer. - SR Bieri.

Tore: 27. Hoarau (Freistoss Garcia) 1:0. 49. Fassnacht (Schick) 2:0. 72. Ngamaleu (Fassnacht) 3:0. 75. Von Bergen (Freistoss Schick) 4:0.

Young Boys: Von Ballmoos; Mbabu (80. Lotomba), Von Bergen (88. Assalé), Benito, Garcia; Schick, Lauper (70. Ngamaleu), Sow, Fassnacht; Hoarau, Nsame.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Custodio, Sidler; Ndenge, Voca; Vargas, Schulz, Schürpf (86. Schneuwly); Eleke (64. Demhasaj).

Sion - Thun 0:1(0:0) 8500 Zuschauer. - SR Jaccottet.

Tor: 62. Kablan (Sorgic) 0:1.

Sion:Fayulu; Maçeiras, Bamert, Ndoye, Lenjani; Zock (72. Aguilar), Song; Itaitinga, Toma, Carlitos (55. Fortune); Kasami (62. Djitté).

Thun: Faivre; Glarner, Gelmi, Stillhart, Kablan; Fatkic; Spielmann (74. Da Silva), Costanzo, Bigler, Ferreira (61. Salanovic); Sorgic.

Basel - Neuchâtel Xamax 4:1 (1:0) 21'275 Zuschauer. - SR Schnyder.

Tore: 26. Campo (Freistoss) 1:0. 56. Campo (Van Wolfswinkel) 2:0. 78. Riveros (Campo) 3:0. 89. Ademi 3:1. 90. Von Moos (Van Wolfswinkel) 4:1.

Basel: Hansen (81. Signori); Xhaka, Cömert, Kaiser, Riveros; Frei (79. Suchy); Zhegrova, Zuffi, Campo, Okafor (74. Von Moos); Van Wolfswinkel.

Neuchâtel Xamax:Minder; Pickel, Huyghebaert, Di Nardo, Santana, Kamber (79. Qela); Nuzzolo (58. Ademi), Veloso, Corbaz, Tréand (58. Ramizi); Karlen.

sda

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