Weg!

BZ-Sportredaktor Philipp Rindlisbacher äussert sich zum Fall Constantin.

Mit Macht, Geld und einem Ego grösser als das Matterhorn ist alles möglich – und alles erlaubt. Nach diesem Prinzip lebt Christian Constantin. Er hält es für legitim, trotz Transferverbot Transfers zu tätigen, gegen die Fifa zu klagen und diese zum Narren zu halten.

Er gefällt sich in der Rolle des Revoluzzers, wenn er sich nach dem Zwangsabstieg zurück in die Liga streitet, die halbe Schweiz nervt, weil er den Spielbetrieb auf den Kopf stellt. Er brüstet sich damit, Schiedsrichter und Offizielle zu beschimpfen, ihnen Befangenheit vorzuwerfen, mit Spielabbrüchen zu drohen. Constantin hat sich den Ruf des un­belehrbaren Querulanten erarbeitet – er ist ein Störenfried mit langem Sündenregister. Die Ligaverantwortlichen haben ihn mit ihrer lange Zeit unverständlich passiven Haltung gar noch in seinem Verhalten bestärkt.

Nun aber ist das Mass voll – ohne Wenn und Aber! Mit der Attacke gegen Rolf Fringer hat Constantin eine Grenze überschritten. Er schlug nicht im Affekt, sondern mehrmals vorsätzlich auf den TV-Experten ein. Was Fringer zuletzt über Sion und dessen Präsidenten gesagt hat, spielt in dieser Angelegenheit keine Rolle. Constantin hat für einen der grössten Skandale im Schweizer Sport gesorgt; er gehört aus dem Verkehr gezogen, nicht kurz-, sondern langfristig. Die Disziplinarkommission der Swiss Football League besitzt die Möglichkeit, ihn von sämtlichen Fussballämtern (aber nicht als Alleinaktionär des FC Sion) zu entbinden – und muss diese nutzen.

Seine Vorbildfunktion hat der Walliser mit Füssen und Fäusten getreten. Zudem ist er Wiederholungstäter, attackierte einst einen Schiedsrichter tätlich. Dass er am Donnerstag seine Verfehlung in einer Stellungnahme glorifizierte, sollte sich zwingend aufs Strafmass auswirken. Die Sperre allein reicht nicht, Constantin, einer der reichsten Schweizer, muss auch gebüsst werden. Am besten einkommensabhängig.

Dass Constantin gegen Fringer Strafanzeige eingereicht hat wegen Rufschädigung und Verleumdung, ist der Gipfel in dieser Causa. Die Zeiten, in denen sein Gebaren verharmlost und als willkommene Unterhaltung im biederen Geschäft bagatellisiert wurde, müssen definitiv vorbei sein. Constantin braucht mehr als einen Denkzettel, damit er begreift, dass mit Selbstjustiz nicht alles so zu regeln ist, wie es dem Monsieur gerade passt.

p.rindlisbacher@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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