Was Fredy Bickel vor dem Terror rettete

Der YB-Sportchef besuchte Paris und schildert, wie er den Freitag der Anschläge erlebt hat.

Ein nachdenklicher Fredy Bickel.

Ein nachdenklicher Fredy Bickel.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

YB-Sportchef Fredy Bickel ist seit jeher ein grosser Anhänger der verstorbenen französischen Sängerin Edith Piaf. «Ich besuche ihr Grab in Paris jedes Jahr. Und weil sie am 19. Dezember hundert Jahre alt geworden wäre, wollte ich ihre Grabstätte noch vor ihrem runden Geburtstag wiedersehen», sagt Bickel. Er habe diesen Termin genutzt, weil YB wegen der Länderspielpause am Wochenende spielfrei gewesen sei.

«Ich bin schon am Donnerstag im Zug nach Paris gefahren und hatte fest eingeplant, das Nachtessen am Freitagabend im Pariser Viertel Oberkampf, jener bekannten Ausgehmeile, wo sich insbesondere viele Einheimische treffen, zu geniessen», sagt Bickel. Und in jener Nacht sei dort dann der Terror ausgebrochen. «Ich bin einfach nur dankbar, dass ich kurzfristig meinen Plan geändert habe», sagt Bickel. Er sei an diesem besagten Freitag den ganzen Tag zu Fuss in Paris unterwegs gewesen, habe das Wetter, die Stadt genossen und Sehenswürdigkeiten angeschaut.

«Im Restaurant kam plötzlich Aufregung auf»

«Als ich um 18 Uhr ins Hotel zurückkam, war ich so müde und schlaff, dass ich mich zuerst aufs Bett legte und dort prompt auch eingeschlafen bin», schildert Bickel. Um 20 Uhr sei er wieder aufgewacht, aufgestanden und habe sich parat für den Ausgang gemacht. «Als ich bei der Réception des Hotels stand, habe ich mich dann spontan dazu entschieden, doch besser ein Pariser Bistro in Fussnähe des Hotels aufzusuchen.» Der Réceptionist habe ihm dann ein französisches Restaurant zwischen Madelaine und Opera empfohlen, drei oder vier Metrostationen vom Oberkampf entfernt.

«Als ich beim Aperitif sass und anschliessend das Essen serviert wurde, surrte plötzlich mein auf lautlos geschaltetes Handy permanent in meiner Hosentasche. Ich wollte zuerst gar nicht reagieren. Als jedoch im Restaurant plötzlich Aufregung aufkam, alle am Handy herumdrückten, sah auch ich, dass sich Duzende von Bekannten meldeten, die sich grosse Sorgen um mich machten.»

«Da wurde mir bewusst, welches Glück ich gehabt hatte»

Zurück im Hotel, hat sich Bickel dann über die Terroranschläge im Internet und am Fernseher informiert. «Im Hotel zwischen Madelaine und Place de la Concorde habe ich auf dem Balkon mitbekommen, wie die Strassen leer und nur noch Polizeisirenen und Armeefahrzeuge zu hören waren. Da wurde mir bewusst, welch grosses Glück ich gehabt hatte.»

Bickel blieb dann noch bis am Sonntag in Paris. «Diese pulsierende Stadt war am Samstag in einem Zustand, den ich wohl nie vergessen werde. Metros und U-Bahn-Stationen waren leer, die grossen Geschäfte geschlossen, die Champs-Élysées kaum zugänglich. Eine gespenstische Stimmung herrschte auch bei der Sacré-Cœur und auch der Friedhof Père-Lachaise war für Besucher nicht zugänglich. Aber ich liebe diese Stadt und werde sie nächstens wieder besuchen.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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