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Die Vorzeige-Schweizer Mbabu und Sow

Kevin Mbabu und Djibril Sow sind die wertvollsten YB-Spieler, sie werden den Club dereinst für eine hohe Ablösesumme verlassen. Seit wenigen Tagen sind die Überflieger Nationalspieler.

YB-Rechtsverteidiger Kevin Mbabu (links) ist auf bestem Weg, im Nationalteam Stammkraft zu werden. Aber auch Djibril Sow muss sich in Petkovics Team gewiss nicht verstecken.
YB-Rechtsverteidiger Kevin Mbabu (links) ist auf bestem Weg, im Nationalteam Stammkraft zu werden. Aber auch Djibril Sow muss sich in Petkovics Team gewiss nicht verstecken.
Keystone

Zuerst kamen die Italiener, später gab es Spanier, Portugiesen, Türken, dann Spieler aus dem früheren Jugoslawien, zuletzt viele mit kosovarischen Wurzeln. Migranten und Nachkommen von Migranten prägen das Schweizer Nationalteam seit Jahrzehnten, erwähnt seien Ciriaco Sforza und Kubilay Türkyilmaz, Valon Behrami und Xherdan Shaqiri, um nur vier von mittlerweile weit über hundert zu nennen.

Und bald wird die Nationalmannschaft stark geprägt sein von Fussballern afrikanischer Herkunft. Was in den U-Auswahlen seit längerer Zeit festgestellt wird, betrifft nun auch das A-Team. Es gibt Goalie Yvon Mvogo, Abwehrchef Manuel Akanji, Mittelfeldpuncher Denis Zakaria, Stürmer Breel Embolo, denen man teilweise schon heute und ganz bestimmt in naher Zukunft tragende Rollen zutraut.

Der grosse Stolz

So gesehen sind Kevin Mbabu, der Vater Franzose und die Mutter Kongolesin, und Djibril Sow, dessen Papa aus dem Senegal stammt, weitere Beispiele für den Doppelbürgertrend. Die beiden YB-Fussballer debütierten am Samstag in der Nations League beim 6:0 gegen Island in St. Gallen – Mbabu spielte durch, Sow wurde in der 78. Minute eingewechselt.

Ein Traum sei in Erfüllung gegangen, sagt Mbabu am Donnerstag im Stade de Suisse nach seinem ersten Training mit den Young Boys seit der Rückkehr vom Nationalteam. Er sei sehr stolz gewesen, das Schweizer Trikot tragen zu dürfen. «Früher schaute ich die Länderspiele immer am TV, nun war ich unten auf dem Rasen dabei. Das war ein grosser Tag für mich», sagt der 23-Jährige.

Auch Sow strahlt, als er von seinem ersten Länderspiel erzählt, von der guten Stimmung in der Auswahl und den Gesprächen mit Nationalcoach Vladimir Petkovic. «Das war sehr schön», sagt er, «wir wurden sensationell aufgenommen.» Sow war bereits im Sommer 2017 in einem Schweizer Trainingslager dabei, im Rahmen einer Talentschau.

Sein Aufstieg ist dennoch bemerkenswert, seit er vor 14 Monaten im Prinzip von Gladbachs zweitem Team zu YB wechselte. Und weil der langjährige Teamleader Behrami kürzlich zurücktrat, sind Sows Perspektiven gar nicht so schlecht. «Der Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld ist so hoch wie wohl auf keiner anderen Position», sagt Sow, «die anderen spielen alle im Ausland.»

Zakaria und Granit Xhaka dürften vorerst gesetzt sein hinter dem neuen Regisseur Shaqiri, doch vor Remo Freuler und Edimilson Fernandes muss sich Sow gewiss nicht verstecken. «Beide spielen in der Serie A, da ist der Rhythmus schon höher als bei uns in der Super League», meint Sow bescheiden.

Sows frühes Bekenntnis zu YB

Mit seiner Passsicherheit, Spielstärke und strategischer Brillanz dürfte Sow in den nächsten Jahren zum Stamm der Auswahl gehören. Der 21-Jährige hatte sich im Sommer frühzeitig entschieden, trotz vielen reizvollen Offerten noch eine Saison bei YB zu bestreiten.

«Ich bin jung, habe erst ein Jahr durchgespielt», sagt er. Natürlich hätten ihn die Namen der grossen Vereine sowie die Verdienstmöglichkeiten beeindruckt. «Doch ich entschied mich für diesen Weg. Und den ziehe ich durch.»

Einen Schritt weiter als Sow ist Kevin Mbabu. Zumindest im Nationalteam. Ihn verbindet einiges mit Sow, etwa das grosse Interesse ausländischer Vereine, der auf­geschobene Transfer ins Ausland, die Faszination für die Premier League, in der beide irgendwann spielen möchten.

Und im Schweizer Team ist der dynamische Flügelläufer zeitnah als Stammkraft vorstellbar, der alternde Captain Stephan Lichtsteiner ist ärgster Konkurrent, Mbabu erwähnt auch Michael Lang und Silvan Widmer. «Es gibt einige starke Rechtsverteidiger.» Er wolle so weitermachen wie zuletzt, dann komme vieles von selber.

Mbabu und Sow sind als Teenager mit 17 respektive 18 ins Ausland gewechselt, ohne in der Super League Spuren hinterlassen zu haben – Mbabu spielte bei Servette 24 Minuten, Sow beim FCZ gar nie. Der eine setzte sich bei Newcastle nicht durch, der andere scheiterte in Gladbach. Den Durchbruch haben sie verspätet, aber umso wuchtiger realisiert.

«Ein Wechsel im Januar ergibt für mich keinen Sinn.»

Djibril Sow

Und in der Champions League werden sie im Herbst weiter am bereits beeindruckend hohen Marktwert und Status feilen, in 12 Monaten jedenfalls dürften beide in Topligen engagiert sein. Bei Mbabu ist ein Transfer schon in der Winterpause möglich, er ist zu gut und zu gross für die Super League geworden, Sow dagegen will die Saison bei den Young Boys beenden. «Ein Wechsel im Januar ergibt für mich keinen Sinn», sagt er, «ich möchte die gesamte Vorbereitung mit einem neuen Club bestreiten.»

Der nächste Höhepunkt

Es gibt nicht wenige Beobachter, die Mbabu und Sow zutrauen, irgendwann bei einem Verein der Kategorie Manchester United unter Vertrag zu stehen. Das ist Mbabus Lieblingsclub seit dem Bubenalter – und der YB-Gegner am Mittwoch zum Start der Sternenliga.

Nervös werden die Jungnationalspieler nicht sein, aber Respekt haben sie schon. Sow freut sich besonders auf das Duell mit Frankreichs Weltmeister Paul Pogba. Und Mbabu sagt schmunzelnd: «Ich weiss, was auf mich wartet, mein erstes Premier-League-Spiel war gegen Eden Hazard.» Mit knapp 20 meldete er damals den Chelsea-Superstar ab.

Über Umwege hat sich der Genfer etabliert – und steht wie der Zürcher Sow vor aufregenden Zeiten. Bei YB. Und im Schweizer Nationalteam.

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