Von Eseln, Kindermädchen und nackten Tatsachen

Der Titelkampf in der Super League mag bereits entschieden sein. Mit einem Augenzwinkern zeigen wir in 10 Episoden zu den 10 Klubs auf, weshalb die Rückrunde trotzdem spannend und schlagzeilenträchtig verlaufen wird.

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Dominic Wuillemin
Reto Kirchhofer@rek_81

Die Basler werden Meister – und Xhaka und Steffen Wohnpartner. Breel Embolo schiesst Tor um Tor, steigert seinen Marktwert Million für Million, Basel eilt von Sieg zu Sieg – und feiert bereits nach Ostern seinen siebten Meistertitel in Folge. Da sorgt – neben den Gerüchten um Embolo – die stetig wachsende Freundschaft zwischen Taulant Xhaka und Renato Steffen für Unterhaltung. «Wir verstehen uns blind», sagt Xhaka bei einer Homestory in der «Schweizer Illustrierten» über seinen Wohnpartner Steffen. Dieser fügt an: «Vergisst Tauli den Kühlschrank zu schliessen, bin ich zur Stelle. Wir ergänzen uns perfekt.» Zum vorläufigen Höhepunkt der Freundschaft kommt es an der EM in Frankreich. Aus Gewohnheit lanciert Xhaka im Spiel der Albaner gegen die Schweiz mit einem Rückpass Buddy Steffen, der den 2:1-Siegtreffer erzielt.

Aus Frust über die missglückte Rückrunde kaufen sich die GC-Fans «Kim Källström». Yoric Ravet spielt in Bern, Shani Tarashaj ist mit den Gedanken bei Everton. Und Munas Dabbur sowie Caio beschäftigt vorab, wer ihr nächster Arbeitgeber wird. Die wunderbare Offensive gehört der Vergangenheit an, GC stürzt in der Rückrunde ab. Nachhaltig in Erinnerung bleibt die Saison dank Ikea. Das schwedische Möbelhaus benennt ein Sofa nach dem überragenden schwedischen GC-Spieler Kim Källstrom. Stabil und sachdienlich, aber auch elegant und erhaben wird die Couch zum Ren­ner – wie einst Ravet, Tarashaj und Co.

Die Young Boys werden Zweiter, Guillaume Hoarau singt am Eurovision Song Contest. Basel wird mit 25 Punkten Vorsprung Meister. Die Young Boys sichern sich Platz 2 und dürfen in den Sommerferien (aber nur bis zur Auslosung) von der Champions League träumen. Rückkehrer Guillaume Hoarau erzielt in der Rückrunde 15 Tore (14 davon per Kopf). Für die Heim-Europameisterschaft wird der Stürmer unverständlicherweise nicht nominiert. Der Hobbymusiker und Bob-Marley-Verehrer trumpft dafür an einem anderen Grossanlass auf: Mitte Mai singt er für die Schweiz am Eurovision Song Contest. Er erreicht tatsächlich den Final. Von den Franzosen gibts 12 Punkte.

St. Gallen spielt nächste Saison europäisch – bekommt aber ein Transferverbot auferlegt. Angeführt vom 19-jährigen Gianluca Gaudino zeigt der FC St. Gallen eine überragende Rückrunde und qualifiziert sich für die Europa League. Die Ostschweizer entscheiden sich daraufhin, den eingeschlagenen Weg mit letzter Konsequenz zu verfolgen. Sie verpflichten nur noch Minderjährige, mit den eingesparten Lohnkosten werden Spielzimmer und Kindermädchen finanziert. Das ruft die Fifa auf den Plan, die nach Barcelona, Real und Atletico Madrid auch den FC St. Gallen mit einem Transferverbot belegt.

Sion holt den 14. Cuptitel – und Albertino statt Robinho. Die Meisterschaft? Egal. Im Wallis zählt einzig der 14. Cupsieg im 14. Cupfinal. Für Christian Constantin ist der Erfolg ein kleiner Trost, gelang es ihm doch erneut nicht, einen früheren Weltstar ins Tourbillon zu locken. Immerhin: Nach den Absagen von Ronaldinho und Robinho stellt CC noch vor Saisonende einen Albertino vor: Alberto «Albertino» Bigon löst Didier Tholot als Trainer ab. Es handelt sich um einen Rekord: Trainervernichter CC hat einige Übungsleiter dreimal beschäftigt, nun findet der 68 Jahre alte Bigon zum vierten Mal den Weg ins Wallis. «Man sieht sich immer viermal im Leben», sagt Constantin.

Luzern stürzt ab – und hat einen neuen Esel im Umzug. Neuerliche Unruhen sorgen in Luzern für den sportlichen Absturz: von Rang 4 auf 8. Assistent Roland Vrabec muss gehen, weil ihn Ex-Sportchef Rolf Fringer als künftigen Chef installieren wollte. Trainer Markus Babbel wird noch mächtiger und holt als Sportchef seinen WM-Kumpan von 1998: Christian Ziege. Der Deutsche kommt von Mallorcas Drittligisten Atletic Balears und muss als Erstes bei Bernhard Alpstaeg antanzen. Der polternde Hauptinvestor kritisiert bei den FCL-Sportchefs gerne mal die Frisur (Heinz Hermann weiss Bescheid). Am Millimeterschnitt des Neuen kann Alpstaeg nichts aussetzen. So wird Ziege zum nächsten Esel im FCL-Umzug.

Thun bleibt oben – der Captain präsentiert sich oben ohne. Thun-Coach Jeff Saibene bekommt keine grauen Haare. Die Oberländer schaffen den Ligaerhalt locker. Statt sportlicher gibt es wirtschaftliche Sorgen. Der Captain hat die rettende Idee: Dennis Hediger, Modellathlet mit lauter Muskeln, aber lediglich fünf Prozent Körperfettanteil, lässt die Hüllen fallen. Der Asket posiert für diverse Magazine, erhält dafür hohe Gagen. Er spendet diese dem Klub, welcher danach die Lizenz erhält. Hedigers Bedingung: Im Verein gilt fortan ein Rauch-, Alkohol-, Schokolade-, Pizza-, Hamburger- und Gummibärchenverbot.

Lugano rettet sich – dank einer Kooperation mit den Eishockeyanern. Im Tessin vertiefen der FC und der HC Lugano ihre Zusammenarbeit, einmal wöchentlich wird gemeinsam trainiert. Mit Erfolg: Der FC Lugano erzielt am zweitletzten Spieltag in Vaduz in der Nachspielzeit das 1:0, weil er den Torthüter gegen einen Feldspieler eintauscht, der daraufhin das entscheidende Tor erzielt. Im Sommer übernimmt Trainer Zdenek Zeman auch den HC Lugano. Unter dem Tschechen, der bedingungslos offensiv spielen lässt, dominieren die Brunners und Mårtenssons und die Bianconeri läuten eine neue Ära des «Grande Lugano» ein.

FCZ: Ligaerhalt dank Haudegen Hyypiä – und ein Witz mit Folgen. Der kriselnde FCZ sichert sich den Ligaerhalt – dank Abwehrchef Sami Hyypiä. Der Trainer muss in der entscheidenden Phase in die Hosen, weil die Zürcher nicht mehr 11 Spieler aufs Feld bringen. Der Plan, die vielen Winterabgänge durch Nachwuchsspieler zu kompensieren, missrät, weil die Jungen einen vom Präsidenten Ancillo Canepa in der NZZ erzählten Witz für bare Münze nehmen: «Ein Nachwuchsspieler kommt zu mir ins Büro und fragt: ‹Wie viel verdiene ich, wenn ich in die erste Mannschaft komme?› Ich nenne das Anfangssalär und sage: ‹Später wird es dann mehr geben.› – ‹Aha, dann komme ich später wieder.›»

Vaduz steigt ab – aber erneuert den Eintrag im Guinness Buch der Rekorde. Vaduz kämpft auch in der Rückrunde leidenschaftlich um jedes Pünktchen, was die Fans honorieren: 3500 Zuschauer besuchen durchschnittlich die Heimspiele, die Grasshoppers erblassen vor Neid. Sogar der Fürst sitzt in der vorletzten Runde im Rheinpark, doch die Ländle-Kicker verlieren gegen Lugano 0:1 und steigen ab. Trösten können sie sich mit dem liechtensteinischen Cupsieg, im Final wird Drittligist Schaan 11:1 bezwungen. Es ist Trophäe Nummer 44, was Weltrekord bedeutet. Der Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde muss erneuert werden.

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