Viele Wechsel, gleiches Resultat

YB spielt auch im zweiten Europa-League-Spiel 1:1. Nur 1:1 beim limitierten albanischen Vertreter Skënderbeu. Im 3-4-2-1-System tun sich die Young Boys schwer, nach der Pause läuft es im gewohnten 4-4-2 viel besser.

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Fabian Ruch

Es dauert fast eine Stunde, bis YB endlich eine Torchance fein herausspielt. Michel Aebischer vergibt eine Art Elfmeter aus dem Spiel heraus, er verzieht seinen Schuss deutlich. Der flotte Angriff aber beflügelt die zuvor trägen Young Boys, nun sind sie in einer schwachen Partie die bessere Mannschaft.

Die Umstellung vom experimentellen 3-4-2-1-System auf das gewohnte 4-4-2 nach der ungenügenden ersten Halbzeit wirkt sich stabilisierend aus. Doch YB wird in der Druckphase kalt erwischt, Ali Sowe rennt nach einem Konter Grégory Wüthrich davon und erzielt in der 65. Minute das 1:0 für Aussenseiter Skënderbeu. Wie schon im ersten Europa-League-Spiel gegen Partizan Belgrad (1:1) jedoch schlägt YB nur kurze Zeit nach dem Gegentor zurück. Erneut kombinieren sich die Young Boys ansehnlich nach vorne, und es ist Roger Assalé, der den verdienten Ausgleich erzielt. In der Schlussphase ist YB gegen einen entkräftet wirkenden Kontrahenten überlegen, das Siegtor aber gelingt nicht. Das 1:1 gegen das bescheidene Skënderbeu ist ein enttäuschendes Resultat für den Leader der Super League.

Hütters Rotation

Es war eine triste Kulisse, vor der die Young Boys erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in Albanien antraten. Das Städtchen Elbasan liegt knapp 50 Kilometer von der Hauptstadt Tirana entfernt, vor allem aber mehr als zweieinhalb Autostunden von Korce, wo Skënderbeu zu Hause ist. Nur die Spielstätte in Elbasan ist in Albanien für internationale Fussballspiele zugelassen, wobei der Standard auch hier sehr tief angesetzt worden ist. Leichtathletikbahn, Regen, relativ tiefe Temperaturen und spärlich besetzte Zuschauerränge sorgten am späten Donnerstagabend für eine wenig erbauliche Ambiance.

Vor rund 3000 Besuchern präsentierte YB-Trainer Adi Hütter nicht unerwartet ein umfassendes Sichtungsprogramm seiner Belegschaft und schonte mehrere in letzter Zeit stark beanspruchte Stammkräfte. Und weil einige Titulare verletzt sind, traten die Young Boys mit einer besseren B-Mannschaft zum zweiten Gruppenspiel der Europa League ein. Der Berner Fokus in dieser Woche, das bewies die gewählte Aufstellung unmissverständlich, liegt auf dem Spitzenspiel am Sonntag zu Hause gegen den Zweiten FC St. Gallen. Um die Veränderungen zu komplettieren, wählte Hütter – ebenfalls wie vermutet – sogar noch ein anderes Spielsystem. Statt im 4-4-2 formierte der Österreicher seine Akteure in einem 3-4-2-1, wobei Miralem Sulejmani und Nicolas Ngamaleu den Stürmer Roger Assalé unterstützen sollten. Diese Idee wurde lange Zeit grosszügig ignoriert. Die Young Boys agierten fehlerhaft, umständlich, zögerlich, der unsorgfältige Umgang mit dem Ball prägte ihren Auftritt und erschwerte den Spielaufbau vorerst erheblich.

Harter Emmentaler Schädel

Und so passte sich das Niveau des Geschehens bald dem Rahmen an. Früh liess sich erkennen, dass man dieses zwar tapfere, aber limitierte Skënderbeu bezwungen muss, wenn man europäisch überwintern will. Selbst mit einer wenig überzeugenden Leistung. Und nach wenigen Minuten bot sich Sékou Sanogo die riesige Gelegenheit zur Führung für die Young Boys. Natürlich nicht nach einem gepflegten Angriff, sondern im Anschluss an einen ungefährlichen Eckball, den Skënderbeus Abwehrspieler Gledi Mici unglücklich in die Mitte zurück köpfelte. Massgenau auf Sanogo, der aus vier Metern an Torhüter Orges Shehi scheiterte. Kurze Zeit später lernte Enis Gavazaj einen echten Emmentaler Schädel kennen. Nach vergebener Chance gegen den stark reagierenden Torhüter David von Ballmoos prallten die beiden mit den Köpfen zusammen. Der Heimiswiler Von Ballmoos schüttelte sich kurz, der junge Albaner dagegen musste das Spielfeld auf der Bahre verlassen.

Lange langweiliges Spiel

Viel mehr Erzählenswertes ereignete sich vor der Pause in einer langweiligen Veranstaltung nicht mehr. Die Young Boys verteidigten nicht immer stilsicher, aber der Gegner nutzte das nicht aus. Und als sich den Gästen kurz vor Ende der ersten Halbzeit nach einem wüsten Abwehrfehler Skënderbeus endlich wieder eine Chance bot, verschoss Miralem Sulejmani kläglich. Nicht nur dieser Gelegenheit trauerte YB am Ende nach. Immerhin gelang ihnen nach der Pause eine Reaktion.

Berner Zeitung

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