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Vernünftige Strategie, dilettantisches Vorgehen

Sportredaktor Fabian Ruch zur neuesten Umstrukturierung bei YB.

Und die nächste Neustrukturierung. Und wieder zur Unzeit. YB steht sich auf dem Weg zur Kontinuität mit besorgniserregender Regelmässigkeit selber im Weg. Es hat seit dem Bezug des Stade de Suisse vor elf Jahren unterschiedliche Ansätze gegeben, den Verein zum Erfolg zu führen. Eitelkeiten zerstörten 2010 die in vielen Bereichen ausgezeichnete Arbeit unter CEO Stefan Niedermaier, der vom damaligen Verwaltungsratspräsidenten Benno Oertig rausgeworfen wurde.

Es folgten die hochtrabenden Pläne in der Phase 3, die kläglich scheiterten und ständige Trainerwechsel mit teuren und billigen Coachs. YB etablierte sich als Nummer 2 des Landes hinter Basel, gab auch unter Sportchef Fredy Bickel ab 2013 viel Geld aus – und totalisierte in den letzten sechs Jahren weit über 50 Millionen Franken Verlust.

Das ist ein schmerzhafter Betrag. Selbst für Milliardäre wie Andy und Hansueli Rihs.Und wer zahlt, befiehlt. Die YB-Besitzer haben die Nase voll, Jahr für Jahr ein Millionendefizit zu decken. Und sie liebäugeln schon lange damit, Verein und Stadion zu veräussern.

Ein Klub aber, der ein überteuertes Kader unterhält und weit über seine Verhältnisse lebt, ist nicht attraktiv für mögliche Käufer. Nun haben die Brüder Rihs die Notbremse gezogen.

Das Vorgehen der Investoren hinterlässt keinen strukturierten Eindruck, sie lassen sich von Emotionen leiten, wollen mal Basel angreifen und dann wieder sparen, und sie verlassen sich auf wechselnde Einflüsterer von teilweise geringer Kompetenz. Vor einigen Monaten haben sie mit Urs Siegenthaler einen Aufpasser installiert. Zuvor war ihnen immer wieder vorgeworfen worden, im Verwaltungsrat sei überhaupt kein fussballerisches Know-how vorhanden.

Siegenthaler und Bickel verstanden sich nicht und sprachen kaum zusammen.Bickel verlor den Machtkampf, den er gar nicht gewinnen konnte. So wie Niedermaier das Gerangel mit Oertig nicht als Sieger hatte überstehen können. Und auch beim gestrigen Knall hat YB einen schlechten Eindruck hinterlassen.

Vor allem in kommunikativer Hinsicht. Der Verwaltungsrat entschied, dass niemand für eine Auskunft zu erreichen sei, es gab keine Pressekonferenz, bloss eine Medienmitteilung, in welcher der Umsturz sogar noch so dargestellt wurde, als würden Bickel und CEO Alain Kappeler frei­willig gehen.

Die Anmerkung, Bickels Nachfolger sei schon bestimmt und werde im Oktober vorgestellt, beweist, wie dilettantisch das Denken der Verantwortlichen ist. Es ist naiv, so einen wichtigen Personalentscheid in diesem geschwätzigen Business wochenlang geheim halten zu wollen.

Urs Siegenthaler, der neue Macher, wird die Position des sportlichen Leiters mit einer Person seines Vertrauens besetzen.Er vertritt manchmal ge­wöhnungsbedürftige Ansichten. Aber der Verwaltungsrat ist dem selbstbewussten Berater des deutschen Weltmeistertrainers Joachim Löw beinahe hörig. Alain Kappeler und Fredy Bickel sind die Opfer der Umwälzungen.

Bickel hat ein zwar kostspieliges, aber relativ klug zusammengestelltes Team aufgebaut und zahlreiche Talente in die erste Mannschaft integriert. Doch ihm wurde nicht zugetraut, den Sparkurs zu tragen.

Ironischerweise konnte der Sportchef bei YB nur so mächtig werden, weil im Kontrollorgan lange keine fähigen Fachleute sassen. Und so durfte Bickel im Alleingang teilweise auch diskutable Entscheidungen wie einige Vertrags­verlängerungen mit Spielern treffen.

Nun kommen – mal wieder – neue Köpfe und andere Ideen. Es wird dauern, die erneut veränderte Strategie umzusetzen. Dabei tönt der Plan klug. YB soll günstiger werden, vernünftiger, noch jünger, die sportliche Führung wird breiter abgestützt, es gibt keine dominante Figur wie Bickel mehr.

Die Zeit der Topverträge wie bei Guillaume Hoarau, Steve von Bergen oder Milan Vilotic gehört der Vergangenheit an. Es wird einen gewaltigen personellen Umbruch geben, YB wird gesundgeschrumpft. Denn auch mit doppeltem Budget wäre Gigant Basel kaum nachhaltig herauszufordern. Und in dieser schwachen Super League ist Rang 2 auch mit der Hälfte des finanziellen Aufwands zu erreichen.

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