Vergewaltigungsvorwurf: Ronaldo spricht von «Fake News»

Zu einer drohenden Klage in den USA hat sich Fussballstar Cristiano Ronaldo nur indirekt geäussert. Sein Club beschäftigt sich derweil mit einer ganz anderen schockierenden Nachricht.

Auf dem Platz läuft es ihm gut: Ronaldo am Samstag beim 3:1-Sieg gegen Neapel.

Auf dem Platz läuft es ihm gut: Ronaldo am Samstag beim 3:1-Sieg gegen Neapel.

(Bild: Keystone)

Seit Jahren ist der SSC Neapel der hartnäckigste Verfolger des ewigen Meisters Juventus in der italienischen Serie A, auch am Samstag war die Begegnung Juve-Napoli in Turin wieder mal ein Spitzenduell. Über den klaren 3:1-Sieg und den daraus resultierenden Sechs-Punkte-Vorsprung hätte sich der Tabellenführer Juve eigentlich rückhaltlos freuen müssen. Auch Cristiano Ronaldo, der in dieser Partie gegen seinen verehrten Ex-Übungsleiter Carlo Ancelotti (bei Real Madrid) endlich beweisen konnte, dass er auch in Italien weiter zu den Besten der Welt gehört. Keines der drei Juve-Tore erzielte CR7 selbst, aber er ermöglichte sie alle. Beim dritten Treffer wäre sein Kopfball wohl auch ins Netz gegangen, wenn Leonardo Bonucci nicht noch schnell mit der Fussspitze nachgeholfen hätte. Und Ronaldos Pässe für den Doppel-Torschützen Mario Mandzukic waren von einsamer Präzision.

Aber der Portugiese leistete noch mehr: Die gesamte Spielgestaltung ging von ihm aus, er motiviert, treibt, ja er schultert die Juve. So blieb Napolis Führungstreffer (Dries Mertens, 10.) pure Illusion, die spätestens mit dem Platzverweis von Mario Rui (59.) zerplatzte. Vor seiner Bank versteinerte Ancelotti zu einem Monument massloser Enttäuschung. Es muss ihm in diesem Moment endgültig aufgegangen sein, dass nicht er, der trophäenbehängte Rückkehrer, die Nummer eins in der Serie A ist. Sondern der neue Ronaldo-Dompteur Massimiliano Allegri.

Ein ganz anderer Donnerschlag

Eitel Sonnenschein also bei Juve? Die jüngsten dunklen Wolken über dem Superstar CR7 werden von Klub und Spieler jedenfalls einstweilen ignoriert. Kein Wort hatten sie übrig zu den Berichten des «Spiegel» über eine Zivilklage in den USA, wo eine Frau angibt, von Ronaldo vor Jahren vergewaltigt worden zu sein. Nur in allgemeiner Form sprach Ronaldo in einem Instagram-Video darüber, dass Prominenz immer auch «Fake News» heraufbeschwöre. Die italienischen Medien halten sich ebenfalls sehr zurück, ohnehin von einem ganz anderen Donnerschlag erschüttert.

Ronaldo in dem Instagram-Videostream (Video: Youtube)

Kurz nach dem Schlusspfiff gab Juventus-Geschäftsführer Giuseppe Marotta bekannt, dass er Ende Oktober aufhört. Aufhören muss. Denn der Klub, mit dem Moratta in acht Jahren 14 Trophäen geholt hat, darunter sieben Meisterschaften und vier Pokale in Serie, verlängert den Vertrag des 61-Jährigen nicht mehr. «Bei Juventus läuft gerade ein umfassendes Erneuerungsprogramm», erklärte Marotta. «Und unsere Wege trennen sich jetzt.»

Erschütterung über abrupten Abschied

Ein Blitz aus heiterem Himmel. Juventus hat Marotta einen beeindruckenden Wiederaufbau zu verdanken. Nach dem Manipulationsskandal und dem Zwangsabstieg in die zweite Liga 2006 kam der Manager 2010 von Sampdoria Genua. Gemeinsam mit Präsident Andrea Agnelli, der im selben Jahr die Klubführung übernahm, machte Marotta den Turiner Traditionsverein international konkurrenzfähig. Ganz nebenbei trug der Norditaliener auch zum Imagewechsel der Juve bei: Der stets ruhig-distanzierte und freundliche Marotta liess den berüchtigten Amtsvorgänger Luciano Moggi, dessen zwielichtiges, präpotentes Gebaren den Klub in seine schwerste Krise gestürzt hatte, schnell verblassen. Umso grösser ist die Erschütterung über seinen offenbar nicht freiwilligen Abschied.

Am Freitag vor dem Spitzenspiel seien in der Geschäftsstelle «die Fetzen geflogen», berichtet «La Repubblica», lässt aber offen, zwischen wem. Die «Gazzetta dello Sport» weiss von Gerüchten, nach denen das Verhältnis zu Agnelli immer «angespannter» geworden sei, tatsächlich trennte am Samstag ein Gang Präsident und Geschäftsführer auf der Tribüne des Juve-Stadions. Nebeneinander wollten die beiden da wohl schon nicht mehr sitzen. Marotta hatte seinerzeit kein Geheimnis daraus gemacht, dass er von der Operation Ronaldo nicht wirklich überzeugt war. Agnelli wollte den Superstar unbedingt – auch wenn sein 30-Millionen-Gehalt den Juve-Standard weit übertrifft. Präsentieren liess Agnelli CR7 von Sportdirektor Fabio Paratici, 46, der nun als Nachfolger von Marotta gehandelt wird. Vizepräsident Pavel Nedved soll mehr Befugnisse erhalten, angeblich bemüht man sich auch um Zinedine Zidane.

Die Azzurri sind neuerdings eher lästig

Marottas Juve war ein gut funktionierendes Kollektiv mit sehr prominenten Spielern wie Gianluigi Buffon und Andrea Pirlo, die allerdings in Italien verwurzelt waren. Neuerdings stellt Juventus nicht mehr das Rückgrat der Squadra Azzurra – der neue Nationaltrainer Roberto Mancini schickte kürzlich sogar ein Team ohne einen einzigen Juve-Spieler auf den Platz. Agnellis neue Juve sucht den grossen Auftritt auf der internationalen Bühne, dabei sind die Azzurri eher lästig. Selbst ein Spitzenmatch gegen Napoli wird zur Routineveranstaltung im heimatlichen Hof, während der Präsident Pläne hegt, das eine oder andere Ligaspiel doch mal in den USA auszutragen. Italien wird dem international erzogenen Fiat-Erben schon zu eng, während man beim SSC Neapel noch dem ersten Meistertitel seit 30 Jahren nachrennt. Ronaldo wurde in Turin für die Champions League engagiert, Ancelotti in Neapel für die Italien-Meisterschaft. Das ist der Unterschied.

Redaktion Tamedia

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