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Verdienen die US-Fussballerinnen wirklich mehr als die Männer?

Ein offener Brief des Fussballverbands zeigt, wie viel er den Weltmeisterinnen bezahlt. Nur: die Rechnung hat einen Haken.

fas/dpa
Wollte schlichten: Carlos Cordeiro. Der US-Verbandspräsident veröffentlichte einen Brief.
Wollte schlichten: Carlos Cordeiro. Der US-Verbandspräsident veröffentlichte einen Brief.
Twitter/Carlos Cordeiro
Doch in Cordeiros Berechnung sollen auch Löhne aus der nationalen Liga mit inbegriffen sein.
Doch in Cordeiros Berechnung sollen auch Löhne aus der nationalen Liga mit inbegriffen sein.
Keystone
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Der US-Fussballverband hat nach eigenen Angaben dem Nationalteam der Frauen in den vergangenen Jahren mehr Geld bezahlt als den männlichen Kollegen. Verbandspräsident Carlos Cordeiro hat in einem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Brief mitgeteilt, dass die Frauen zwischen 2010 und 2018 insgesamt 34,1 Millionen Dollar an Gehalt und Spielboni erhalten haben, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Den Männern wurden in diesem Zeitraum lediglich 26,4 Millionen Dollar bezahlt. In den Leistungen sind keine Gelder enthalten, die nur Frauen – zum Beispiel für die Gesundheitsversorgung – bekommen.

28 Nationalspielerinnen hatten im März eine Bundesklage auf «institutionalisierte geschlechtsspezifische Diskriminierung» eingereicht und eine ungerechte Entschädigung im Vergleich zu den Männern moniert. Beide Seiten hatten sich daraufhin aussergerichtlich auf eine Beilegung der Klage geeinigt.

«Können uns noch verbessern»

Auch wenn die erfolgreicheren Frauen, die an der WM in Frankreich zum vierten Mal den Titel geholt haben, in den letzten acht Jahren laut dem Verband mehr verdienten, so seien die Männer beim Umsatz erfolgreicher, heisst es seitens des Verbands. Während die Frauen zwischen 2009 und 2019 mit 238 ausgetragenen Spielen 101,3 Millionen Dollar generierten, kamen bei den Männern im selben Zeitraum 185,7 Millionen Dollar in 191 Spielen zusammen. Dennoch schreibt Cordeiro weiter: «Aber natürlich können wir uns wie alle anderen auch noch verbessern.»

Alles gut also? Mitnichten. Denn es dauerte nicht lange, bis sich eine Sprecherin des Frauenteams meldete. In einer Mitteilung schrieb Molly Levinson: «Der US-Verband hat mehrfach zugegeben, dass die Frauen nicht gleichwertig bezahlt werden. Und dass er nicht findet, die Frauen sollten gleich viel verdienen.» In den im offenen Brief veröffentlichten Zahlen seien die Löhne aus der US-Frauenliga einfach miteinbezogen, «um die Summe künstlich aufzublasen», erklärt Levinson.

Eine Falle?

Sie taxierte Cordeiros Mitteilung als «traurigen Versuch, die überwältigende Flut der Unterstützung zu unterdrücken, die das Frauen-Nationalteam von Fans, Sponsoren und Kongressabgeordneten erhalten hat». Oder kurz: «Eine Falle.»

So oder so: Cordeiros Schlichtungsversuch ist krachend gescheitert. Und der Rechtsstreit dürfte in die nächste Runde gehen.

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