Und wieder leere Hände

Thun verliert in Luzern nach zwei Fehlern von Goalie Djordje Nikolic mit 1:2. Erneut wäre gegen einen keineswegs unwiderstehlichen Gegner mehr dringelegen.

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Für die einen war es ein bitteres Ende, für die meisten anderen eines mit Zittern, und für Marc Schneider kam beides zusammen. Bis zum Schlusspfiff hielt es der Thuner Trainer ganz vorne an seiner Coachingzone aus, bei eisiger Kälte, im bissigen Wind.

Bis zum Schluss durfte seine Mannschaft beim Auftritt am Sonntag in Luzern hoffen, diesem keineswegs unwiderstehlichen Gegner doch noch einen Punkt ab­zuringen. Der Wind und Wetter trotzende Schneider war am Sonntag der Kopf eines sich aufbäumenden Abstiegskandidaten – und als solchen muss man den FC Thun spätestens nach der 13. Saisonniederlage an diesem Sonntag bezeichnen.

«Wir haben vor allem punkte­mässig ein Problem», drückte es Schneider aus und tönte damit den nicht völlig verunglückten Auftritt seiner Mannschaft an.

Nun, völlig frei von Unvermögen war diese Leistung indes auch nicht. Da war der katastrophale Beginn, «eine Startphase, die wir einfach komplett verschliefen», so Schneider. Das Nickerchen bei frostigen Minusgraden hinterliess bei den Oberländern erstaunlicherweise keine blauen Lippen – dafür aber wachten sie mit einem Rückstand auf.

Schneiders Rotationszwang

Noch im Heimspiel gegen Basel vor zwei Wochen hatte man Djordje Nikolic als Glücksgriff gepriesen; der Serbe kam im Winter aus dem Nachwuchs des Meisters als Leihgabe zu Thun und hatte gegen seinen Besitzer einige starke Paraden gezeigt.

Vergessen schienen die Probleme auf der Thuner Torhüterposition, weit weg die Patzer, mit denen Francesco Ruberto in der Vorrunde ein paar Mal negativ auf­gefallen war.

Und dann kam die siebte Spielminute am Sonntag in Luzern, Nikolic trat einen Abstoss, der nicht nur zu kurz geriet, sondern auch direkt bei Pascal Schürpf landete. Der Luzerner Stürmer lancierte Ruben Vargas, und dessen Schuss liess Nikolic abprallen, direkt vor die Füsse von Schürpf. Schon stand es 0:1.

Konstanz scheint für die Thuner in diesen Wochen ja nicht nur resultatmässig schwer zu erreichen. Anhaltendes Verletzungspech zwingt Trainer Schneider, fast in jedem Spiel eine veränderte Elf aufs Feld zu schicken.

Moreno Costanzo, in der Rückrunde bislang eine Teamstütze, hatte sich vor Wochenfrist im Derby gegen YB ebenso verletzt wie Marvin Spielmann, und so schickte Schneider in Luzern Nelson Ferreira und Nicolas Hunziker aufs Feld – den routinierten Ferreira (er bestritt am Sonntag seine 400. Partie in der Super League) zum ersten Mal überhaupt in diesem Jahr.

Dass dem Selbstvertrauen in diesem wackligen Gefüge individuelle Fehler kaum zuträglich sind, versteht sich von selbst. Fürs Erste aber schien Thun aus dem Startschlaf erwacht. Ein dezidiertes Nachsetzen Ferreiras, ein frecher Schlenzer von Sven Joss, und der Ausgleich war Tatsache. Nun nahmen die Oberländer Fahrt auf, wieder setzte Ferreira nach, flankte, in der Mitte aber offenbarte Nicolas Hunziker, warum er seit August vergangenen Jahres auf einen Treffer wartet.

Der Basler setzte seinen Kopfball völlig frei stehend an den Aussenpfosten. Und zu allem Überfluss patzte hinten Nikolic Minuten später zum zweiten Mal. Sandro Laupers Kopfball geriet zu kurz, Hekuran Kryezius Flachschuss dafür tückisch – und wieder prallte der Ball von Nikolic direkt zu Schürpf.

«Er hat uns zuvor schon den Kopf gerettet.»Thun-Trainer Marc Schneider

«Das war eine einmalige Sache, da bin ich überzeugt», sagte Schneider und nahm seinen Goalie in Schutz: «Er hat uns zuvor schon den Kopf gerettet.» Zumal Nikolics Vorderleute in der Folge genügend Möglichkeiten hatten, die Fehler des Torwarts auszubügeln. Zwei davon hatte wiederum Hunziker, zweimal zögerte er zu lange. Und als bei den Schüssen von Chris Kablan und Nuno da Silva vieles passte, war FCL-Keeper Jonas Omlin zur Stelle.

Am Spielstand änderte sich nichts mehr. Vier Punkte beträgt der Vorsprung der Oberländer noch auf den Tabellenletzten Sion. Ein bitteres Ende ist zwar noch weit weg. Aber die leeren Hände, mit welchen die Thuner zuletzt oft dastanden, gilt es zeitnah zu füllen.

Berner Zeitung

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