Und im April feiern die Young Boys

YB biegt auf die Meisterwochen ein, irgendwann im April wird die Titelverteidigung gefeiert. Das Heimspiel am Sonntag gegen den FC St. Gallen ist ausverkauft.

Haben bei YB mehr zu jubeln als zuletzt im Nationalteam: Kevin Mbabu, Djibril Sow, Loris Benito und Christian Fassnacht (von links nach rechts).

Haben bei YB mehr zu jubeln als zuletzt im Nationalteam: Kevin Mbabu, Djibril Sow, Loris Benito und Christian Fassnacht (von links nach rechts).

(Bild: Claudio de Capitani (Freshfocus))

Fabian Ruch

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Sieben Zuschauer verfolgen am Donnerstagmorgen im Stade de Suisse das YB-Training. Die Sonne scheint zwar satt, aber im Schatten der Tribüne ist es zugig. Unten auf dem Kunstrasen schwitzen die Fussballer, die Einheit ist intensiv, die Konzentration hoch. Nicht dabei ist Kevin Mbabu, weil er am Dienstagabend das ganze Spiel mit der Schweiz beim 3:3 gegen Dänemark bestritten hat und sich deshalb in den Katakomben sportlich betätigt. «So eine Länderspielpause ist für einen Vereinstrainer nie schön, weil man lieber mit allen Spielern trainiert», sagt YB-Coach Gerardo Seoane. «Aber es ist auch ein tolles Zeichen für einen Club, wenn so viele Akteure bei ihren Auswahlen sind.»

Neun Fussballer der Young Boys waren diesmal international unterwegs, vier allein mit der Schweizer A-Mannschaft, erst am Freitag waren alle Nationalspieler wieder in Bern. «Für uns war die Pause nicht schlecht», sagt Seoane, «weil wir ein paar Dinge ausprobieren konnten und verletzt gewesene Spieler wieder voll belastbar sind.» Beim 3:3 im Test gegen Aarau vor einer Woche erzielte Torjäger Guillaume Hoarau einen Treffer, auch der sehr lange ausgefallene Jordan Lotomba wurde eingesetzt. Die vor ein paar Wochen heikle Personalsituation hat sich deutlich entspannt. Mit Ausnahme von Miralem Sulejmani, der bis Ende Saison fehlt, sowie des gesperrten Jean-Pierre Nsame stehen Seoane für das Heimspiel am Sonntag gegen St. Gallen alle Kräfte zur Verfügung.

Bitteres Erlebnis in Basel

Die Schweizer YB-Nationalspieler mussten in den letzten Tagen die bittere Schlussphase gegen Dänemark verarbeiten mit drei Gegentoren innerhalb von neun Minuten. «Das darf uns niemals passieren», sagt Mbabu, «wir haben uns nicht clever angestellt.» Auch er spricht wie Goalie Yann Sommer und andere Nationalspieler davon, dass man es in der schwierigen Schlussphase verpasst habe, auch mal ein Foul zu nehmen oder kurz liegen zu bleiben. Es ist eine ehrliche Aussage, die für Kritik aus dem Lager der Moralprediger sorgte. Aber so läuft das nun mal im Fussball.

Für die Akteure der Young Boys war es ohnehin kein besonders gelungener Abend im Basler St.-Jakob-Park. Rechtsverteidiger Kevin Mbabu und Linksverteidiger Loris Benito, der für den angeschlagenen Ricardo Rodriguez eingewechselt worden war, überzeugten gegen Dänemark nicht restlos, Mittelfeldspieler Djibril Sow kam gar erst knapp zehn Minuten vor Schluss für Granit Xhaka ins Spiel – als die Schweiz noch 3:0 führte. «Das sind bittere Erlebnisse und Lernprozesse für alle Nationalspieler», sagt Seoane. «Das Schweizer Team ist halt mit vielen jungen Fussballern besetzt. Manchmal braucht es Rückschläge, man muss daraus die richtigen Schlüsse ziehen.» Auch die Young Boys hatten in der Champions League im Herbst Lehrgeld bezahlt, ehe sie sich Partie für Partie steigerten – und am Ende zum Abschluss des für sie fantastischen 2018 gar das grosse Juventus 2:1 bezwangen.

Die Meisterrechnungen

Alle drei gegen Dänemark eingesetzten Akteure der Young Boys dürften im Sommer ins Ausland wechseln. Und auch Christian Fassnacht, der vierte Berner Nationalspieler, liebäugelt ja mit einem Transfer in eine Topliga. «Im Training mit den anderen Schweizer Spielern, die in grossen Ligen sind, sieht man, wie schnell sie handeln und umschalten», sagt Fassnacht. «Das ist schon sehr beeindruckend.»

Vorerst aber sind all die umworbenen YB-Aufsteiger noch in Bern engagiert. Sie stehen vor erneuten Jubelwochen, irgendwann im April werden sie den Meistertitel feiern können. Auch die Zuschauer verspüren Frühlingsgefühle, am Sonntag wird das Stade de Suisse zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem Auftritt gegen Basel im Herbst (7:1) mit 31 120 Besuchern ausverkauft sein, bereits Mitte Woche waren fast alle Tickets verkauft. Es ist Kids Day mit vergünstigtem Eintritt für Jugendliche, YB begeistert Jung und Alt, die Dominanz in der Liga ist total, 21 Punkte beträgt der Vorsprung 11 Runden vor Saisonende. Fans und Medien spekulieren längst, wann die Young Boys die Titelverteidigung sicherstellen können. Eine erste Rechnung ist einfach gemacht: Wenn sie in dieser Woche an den drei Spieltagen vier Punkte mehr als Basel holen, sind sie schon am Sonntagabend, 7. April, erneut Schweizer Meister. Völlig unrealistisch ist das nicht: YB spielt gegen St. Gallen, beim FC Luzern (bei dem es vor ein paar Wochen im Cup-Viertelfinal ein 0:4 absetzte) sowie gegen Thun, der FCB bestreitet zwei schwierige Auswärtsspiele (in Luzern und beim FCZ) und empfängt Lugano.

Es gibt viele Optionen und Daten in der gelb-schwarzen Meisterplanung. Zu Hause wäre es gewiss schöner als auswärts, auf dem Rasen spontan zu feiern attraktiver als vor dem TV. Später im April wären auch zwei YB-Meisterpartys mit historischem Bezug möglich. Am Ostermontag in Neuenburg gegen Xamax. Wie 1986. Und am 28. April zu Hause gegen Lugano. Wie genau ein Jahr zuvor bei jenem legendären 2:1 gegen Luzern, als Gerardo Seoane den FCL betreute.

Nummer 1 bei Zuschauern?

Der YB-Coach beteiligt sich nicht an den Rechenspielen. Seoane sagt, ruhig und sachlich wie er ist: «Das bringt nichts, dann verlieren wir nur den Fokus.» Spiel für Spiel nehmen: So lautet das YB-Motto selbst jetzt, wenn die Langeweile an der Tabellenspitze jeglichen Spannungsfaktor aus dem Titelrennen genommen hat. «Wir können es ja vorerst sowieso nur bedingt selber beeinflussen», sagt Seoane noch.

Die Young Boys wollen unter allen Umständen den Eindruck vermeiden, den Titel als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Und ein paar Rekorde bezüglich Punkte und Tore, Vorsprünge und Meistertermine jagt YB nebenbei ja auch noch. Selbst in der Disziplin Zuschauerschnitt dürfte der FCB (25'240) bald überholt sein – mit zwei ausverkauften Heimspielen gegen St. Gallen und Thun könnten die Young Boys (24'423) bereits die Nummer 1 sein.


So könnte YB spielen: Von Ballmoos; Mbabu, von Bergen, Camara (Lauper), Benito; Fassnacht, Sow, Lauper (Aebischer), Ngamaleu; Assalé, Hoarau. – Ohne Nsame (gesperrt) und Sulejmani (verletzt).

Berner Zeitung

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