Über Zagreb in die Königsklasse

Der YB-Gegner im Champions-League-Playoff Ende August ist wie erwartet Dinamo Zagreb. Der kroatische Meister hat im Sommer mehrere Leistungsträger verloren.

Treffsicher: Zagrebs Stürmer Mario Gavranovic.<p class='credit'>(Bild: Jerko Grubisic (Imago))</p>

Treffsicher: Zagrebs Stürmer Mario Gavranovic.

(Bild: Jerko Grubisic (Imago))

Fabian Ruch

YB trifft im Playoff zur Champions League auf Dinamo Zagreb (22. August in Bern, 28. August in Zagreb). Der kroatische Meister siegte am Dienstag im Rückspiel der 3. Qualifikationsrunde zur Königsklasse zu Hause gegen Astana dank eines Tores von Mario Gavranovic 1:0. Bereits das Hinspiel in Kasachstan hatte Zagreb eine Woche vorher 2:0 gewonnen.

Damit bleibt den Young Boys ein rund siebenstündiger Flug nach Astana erspart, allerdings wartet mit Zagreb ein stärkerer Gegner. YB will am nächsten Mittwoch im Hinspiel vorlegen, sechs Tage später könnte der Schweizer Meister in Kroatien den vielleicht grössten Erfolg der Vereinsgeschichte realisieren. «Wir benö­tigen zwei Topleistungen», sagt Sportchef Christoph Spycher.

Und Gerardo Seoane meint: «Selbstverständlich haben wir im Trainer- und Scoutingteam bereits mit den Vorbereitungen auf die Champions-League-Playoff-Spiele begonnen. Und nun kennen wir den Gegner.» Aber der Trainer betont auch: «Für die Mannschaft wird Dinamo Zagreb erst ab Sonntag ein Thema sein. Bis dahin konzentrieren wir uns einzig auf unsere Aufgabe im Cupspiel am Samstag in Biel.»

4 Spieler für 36 Millionen weg

Man darf die Young Boys im Playoff gegen Zagreb als Favoriten bezeichnen. Sie besitzen die besseren Einzelspieler, sind eingespielter, haben mit Ausnahme von Innenverteidiger Kasim Nuhu (zu Hoffenheim) keinen Leistungsträger verloren – und mit einem Traumstart (4 Spiele, 12 Punkte, 11:2 Tore) die eigene Stärke erneut eindrücklich unter Beweis gestellt. Sie sind selbstbewusst, stilsicher, souverän – und stehen vor einer Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen dürfen.

Auch Dinamo Zagreb ist in einer Ausbildungsliga engagiert. Und hat in diesem Sommer einen gewaltigen personellen Aderlass erlitten. Das grosse Verteidigertalent Filip Benkovic wechselte vor wenigen Tagen für rund 18 Millionen Franken zu Leicester City in die Premier League. Der 21-Jährige ist auch bei Inter Mailand, Manchester United, Borussia Dortmund und weiteren europäischen Grössen im Gespräch gewesen.

Zudem verliessen mit Linksverteidiger Borna Sosa (20, für 7 Millionen zu Stuttgart) und Spielmacher Ante Coric (21, für 7 Millionen zur AS Roma) zwei weitere Jungstars das Team. Und auch der auffällige 30-jährige Flügel El Arbi Hillel Soudani aus Algerien spielt nicht mehr bei Zagreb, er ging für rund 4 Millionen Franken zu Nottingham in Englands zweithöchste Liga.

Olmo, das grosse Talent

Aber im Kader des YB-Gegners stehen immer noch einige interessante Akteure. In erster Linie der Spanier Dani Olmo, 20 Jahre jung und beim FC Barcelona ausgebildet. Bereits mit 17 wechselte Olmo zu Zagreb, er ist ein flinker, technisch starker, dribbelfreudiger Akteur, in Astana vor einer Woche steuerte er ein Tor und einen Assist zum 2:0-Sieg bei.

In sehr guter Verfassung präsentiert sich auch der torgefährliche Schweizer Nationalstürmer Gavranovic. Zu Hause tritt Dinamo meistens wie YB im 4-4-2-System an – ist die Ausrichtung defensiver, agiert die Equipe im 4-2-3-1. Die Stimmung im Maksimir-Stadion von Zagreb kann enorm heissblütig sein, die gewaltbereite Fanszene bereitet dem Verein jedoch regelmässig Sorgen.

Dinamo Zagreb ist ein Traditionsclub, wurde viermal jugoslawischer Champion und seit 1983 gleich 18-mal kroatischer Meister. Zwischen 2006 und 2016 sogar elfmal in Serie. Die bekanntesten Fussballer aus der herausragenden Talentschmiede sind Luka Modric, Mateo Kovacic, Zvonimir Boban, Robert Prosinecki und Davor Suker.

Seit 2009 nahm Zagreb viermal an der Europa League teil, viermal erreichte der Verein auch bereits die Champions League: 1998, 2011, 2012 und 2015. Bei den letzten drei Teilnahmen wurde Zagreb jeweils abgeschlagen Gruppenletzter – mit insgesamt nur vier Punkten aus 18 Partien.

Berner Zeitung

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