Totalabsturz in Luzern

YB verliert den Cup-Viertelfinal beim FC Luzern gleich 0:4. Nach der Pause fällt der schwache Meister völlig auseinander.

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Fabian Ruch

Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, hätte Djibril Sow seine Grosschance nach 30 Sekunden genutzt. Der YB-Mittelfeldspieler war wohl überrascht, dass er nach einem Pass Roger Assalés alleine vor dem Tor auftauchte.

Sow schoss Luzerns Torhüter David Zibung an und verpasste die frühe Führung für den Favoriten. In Sachen Effizienz sind die Young Boys in diesen Wochen alles andere als meisterlich unterwegs, an diesem Abend sollte sich das brutal rächen.

Der FCL, prächtig eingestellt von Coach Thomas Häberli, agierte aggressiv und zielstrebig, er operierte schnörkellos und mit vielen langen Zuspielen auf den robusten Angreifer Blessing Eleke.

So ein Angriff führte bald zum 1:0, über Eleke und Idriz Voca landete der Ball nach fünf Minuten bei Luzerns Topskorer Pascal Schürpf, welcher der erstmals indisponierten YB-Abwehr davonlief - und Goalie David von Ballmoos mit seinem Schuss zwischen den Beinen erwischte.

Pascal Schürpf erzielt das 1:0 für Luzern. Quelle: SRF

Kein Aufbäumen

Das rasche 1:0 beflügelte den Gastgeber. Es lief von Anfang an ideal für ihn, selbst wenn Luzern nach einem Foulspiel Kevin Mbabus an Eleke in der 9. Minute einen Elfmeter hätte erhalten sollen. Der FCL hielt in einer unterhaltsamen ersten Halbzeit stark dagegen und erspielte sich wie die Young Boys einige Gelegenheiten.

Aber bereits vor der Pause war zu spüren, dass YB in diesem Cup-Viertelfinal nicht die gewohnte Stilsicherheit ausstrahlt, viele Fehlpässe und Unkonzentriertheiten prägten das Spiel des Meisters.

Nach der Pause schliesslich stürzten die Young Boys total ab. Sie taten das in einer Art und Weise, wie man es nicht für möglich gehalten hätte, sie waren: leichtgewichtig, überfordert, ideenlos. Beim 2:0, erneut durch Schürpf, nach etwas mehr als einer Stunde, liessen sie sich viel zu einfach ausspielen, danach war ihr Widerstand bereits gebrochen.

Pascal Schürpf schiesst das 2:0. Quelle: SRF

Und die Luzerner spielten sich in einen Rausch. Der frühere YB-Akteur Christian Schneuwly verwandelte einen Freistoss von der Seite zum 3:0, Youngster Ruben Vargas traf nach einem abgewehrten Eckball mit einem herrlichen Schuss aus rund 20 Metern in den Torwinkel zum 4:0.

Christian Schneuwly verwandelt einen Freistoss zum 3:0. Quelle: SRF

Es hätte für die völlig verunsicherten Gäste sogar noch schlimmer kommen können, am Ende aber stand ihre höchste Niederlage seit August 2017 (0:4 gegen Thun). Zu Ende ging auch die fabelhafte Serie von 62 Pflichtspielen in der Schweiz mit mindestens einem erzielten YB-Treffer.

Youngster Ruben Vargas trifft mit einem herrlichen Schuss in den Torwinkel: 4:0 Quelle: SRF

Immerhin bleibt diese bemerkenswerte Statistik in der Super League bestehen, dort stehen die Young Boys bei 54 Begegnungen nacheinander mit eigenem Tor. Und vor der Titelverteidigung. In den letzten 13 Runden geht es für sie darum, den Vorsprung von 19 Punkten zu verteidigen.

Routiniers fehlten

Auch in der Liga hatte sich der Dominator in den letzten Wochen schwer getan, etwa zuletzt bei den Last-Minute-Siegen in Lugano und gegen Sion (jeweils 1:0). Völlig überraschend ist der Rückschlag in Luzern deshalb nicht, eine derartige Demontage jedoch war nicht zu erwarten gewesen.

Die jungen Akteure hielten dem Druck nicht stand, die Leader der im letzten Jahr meistens so souveränen, stabilen Mannschaft fehlten an allen Ecken und Enden. In der Verteidigung der gesperrte Captain Steve von Bergen. Im Mittelfeld Vorkämpfer Sékou Sanogo, der YB im Winter verlassen hatte.

Und im Sturm der nach wie vor angeschlagene Torjäger Guillaume Hoarau. Der wie Hoarau verletzungsanfällige Miralem Sulejmani steht zudem erneut wochenlang nicht zur Verfügung, mit seiner Technik und Klasse hätte der Serbe nicht nur bei den vielen Standardsituationen für Gefahr sorgen können.

«Es wäre zu einfach, wenn man unsere Niederlage mit den abwesenden Spielern erklären würde», sagt Trainer Gerardo Seoane. «Wir haben heute verdient verloren, weil wir nicht gut genug waren.»

Sportchef Christoph Spycher wiederum findet, es seien genügend erfahrene Fussballer bei den Young Boys auf dem Rasen gestanden. «Diese Niederlage tut extrem weh, weil wir uns im Cup sehr viel vorgenommen hatten», sagt Spycher.

Protest der Luzerner Fans

Seit 32 Jahren warten die Young Boys auf einen Triumph im Schweizer Cup, am Mittwochabend erlitten sie eine weitere bittere Niederlage. Die Luzerner dagegen feierten das Ende der Fasnacht mit einem fussballerischen Urknall.

Der Viertelfinal war übrigens wegen der Luzerner Fasnacht um eine Woche auf verschoben worden - und begann mit ein paar Minuten Verspätung.

Die FCL-Anhänger protestierten gegen die frühe Anspielzeit (18 Uhr), die vom Europäischen Fussballverband (Uefa) vorgeschrieben wird, weil alle Pflichtspiele in Europa zu Beginn der Champions-League-Partien beendet sein müssen.

Rund 30 Fans hatten deshalb vor Spielbeginn den Rasen gestürmt und ein Tor in Ketten gelegt. Es war jenes, in dem Schürpf kurz darauf das 1:0 erzielte - und den unerwarteten Untergang von YB einleitete.

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