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FC Thun: Endlich fliesst das Adrenalin wieder

Der FC Thun hat den FC Sion beim Debüt von Interimscoach Mauro Lustrinelli trotz mehr als einer Stunde in Unterzahl teilweise dominiert. Der 2:1-Heimsieg der Walliser war äusserst schmeichelhaft.

Lagebesprechung nach dem frühen Platzverweis:?Marc Schneider (rechts) bespricht sich mit Mauro Lustrinelli. Sportchef Andres Gerber beobachtet das Trainerduo im Hintergrund.
Lagebesprechung nach dem frühen Platzverweis:?Marc Schneider (rechts) bespricht sich mit Mauro Lustrinelli. Sportchef Andres Gerber beobachtet das Trainerduo im Hintergrund.
Keystone
Die Thuner Mannschaft kam gegen Sion nicht an: Nicolas Bürgy und Thomas Reinmann versuchen Moussa Konate den Ball streitig zu machen.
Die Thuner Mannschaft kam gegen Sion nicht an: Nicolas Bürgy und Thomas Reinmann versuchen Moussa Konate den Ball streitig zu machen.
Keystone
Carlitos nimmt dem Thuner Spieler Mickael Facchinetti den Ball ab.
Carlitos nimmt dem Thuner Spieler Mickael Facchinetti den Ball ab.
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Dieses kribbelige Gefühl, wenn das Adrenalin vor wichtigen Ereignissen durch den Körper pumpt und die Sinne schärft. Es ist unbezahlbar und kann süchtig machen. Der ehemalige, 12-fache Nationalstürmer Mauro Lustrinelli kennt den Kick und die Nervosität, die entstehen, wenn das Stresshormon schon Stunden vor einem Match durch den Organismus schiesst.

«Heute habe ich das Adrenalin endlich wieder gespürt», sagt der Tessiner. Glanz spiegelt in seinen Augen, und er lächelt, als er seine Stimmung erklärt, die ihn am Samstag vor dem Auswärtsspiel seines FC Thun in Sion umgeben hat. Der 41-Jährige ist zurück in der Super League. An der Seitenlinie. Als temporärer Coach bis zum Ende der Saison. Adrett sieht er aus. In engen Jeans, einem weissem Hemd unter dem grauen Pullover und schicken Turnschuhen steht er bei Anpfiff in seiner Coachingzone.

Er strahlt – trotz Adrenalin in den Adern – Ruhe aus. Nach 48 Sekunden gibt er ein erstes Handzeichen, nach 2 Minuten deutet er Stürmer Dejan Sorgic einen möglichen Laufweg an. Nach 4 Minuten setzt er sich erstmals auf die Bank, bespricht sich kurz mit Assistent Marc Schneider, der den FCT ab nächster Saison als Chef coachen wird. 15 Sekunden später steht Lustrinelli wieder, kommuniziert mit den Spielern, beklatscht gute Aktionen, treibt an.

Er wirkt engagiert, aber souverän und überhaupt nicht hektisch. Das strahlt auf seine Equipe aus. Thun spielt viel besser als der individuell so stark besetzte FC Sion. Das Kollektiv stimmt, die ersten Chancen gehören den Oberländern, die früh stören, viele Bälle erobern, wie das Heimteam auftreten und nach 18 Minuten schon vier Eckbälle auf dem Konto haben. «Die Leistung war toll, nicht nur zu Beginn des Spiels», sagt Lustrinelli.

Hedigers Platzverweis

Nach 26 Minuten dann der Rückschlag und die erste harte Probe für den Neo-Coach. Captain Dennis Hediger wird nach dessen zweiter Verwarnung des Feldes verwiesen. Lustrinelli bespricht sich im Verbund mit Schneider und Sportchef Andres Gerber. Drei Thuner Legenden, ein Plan: so weiterspielen wie bisher. «Wir wollten unsere Identität wahren und veränderten deshalb nichts», sagt Lustrinelli nach dem Spiel. Ein gutes Vorhaben.

Wo viele Trainer einen der beiden Stürmer für einen zusätzlichen Mittelfeldspieler opfern würden, halten die Oberländer an ihrem Konzept fest. Sie bleiben giftig, pressen, verdichten die Mitte, haben vor der Pause aber auch Glück, als Sion nach dem Platzverweis Morgenluft wittert und zu seinen ersten Chancen kommt. «In der Pause sortierten wir uns neu, wir wollten trotz Unterzahl aktiv bleiben und Druck machen», erklärt Lustrinelli.

Rapp verschiesst Elfmeter

Es klappt vorzüglich, es wirkt eher, als würde Sion in Unterzahl agieren. Thun dominiert die Walliser, spielt frech, mutig und bekommt als Lohn nach einem Eckball einen Handelfmeter zugesprochen (55.). Doch Simone Rapp scheitert am überragenden Sion-Goalie Anton Mitrjuschkin, im Gegenzug tanzt Sions Brasilianer Carlitos drei Thuner aus, markiert das 1:0 wie aus dem Nichts.

Lustrinelli bleibt stoisch, zeigt mit den Händen an: Weiter gehts. Christian Fassnacht und Sorgic scheitern in der Folge nur knapp. Und Thun powert weiter, auch dann, als Chadrac Akolo einen weiteren Konter zum 2:0 für die Walliser veredelt und für die vermeintliche Entscheidung sorgt (67.).

Doch Rapp erzielt den schnellen Anschlusstreffer (69.), vergibt kurz darauf sogar den Ausgleich. Am Schluss beordert Lustrinelli auch noch Thun-Goalie Guillaume Faivre in den Walliser Strafraum, Sion gibt den schmeichelhaften Sieg aber nicht mehr aus den Händen. Bitter sei diese Niederlage, konstatiert Lustrinelli nach dem Spiel.

Aber verbittert ist er nicht, dafür hat seine Equipe zu gut gespielt. «Das gibt viel Sicherheit für die nächsten Spiele. Wir sind auf dem richtigen Weg», sagt er. Lustrinelli scheint sich schon auf den nächsten Match zu freuen. Und die Stunden davor, wenn das Adrenalin durch ihn strömt. Er hat dieses Gefühl vermisst.

MatchtelegrammSion - Thun 2:1 (0:0) 8400 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 54. Carlitos (Akolo) 1:0. 67. Akolo (Follonier) 2:0. 69. Rapp (Freistoss Facchinetti) 2:1.

Sion: Mitrjuschkin; Lüchinger, Zverotic, Taravel, Pa Modou; Karlen, Salatic, Ndoye (89. Adão); Akolo, Carlitos (64. Follonier); Konaté (82. Da Costa).

Thun: Faivre; Glarner (87. Dzonlagic), Bürgy, Reinmann, Facchinetti; Tosetti (77. Peyretti), Hediger, Lauper, Fassnacht; Sorgic (71. Geissmann), Rapp.

Bemerkungen: Sion ohne Bia, Mveng und Ziegler, Thun ohne Bigler, Ferreira, Zino (alle verletzt), Schirinzi, Spielmann (beide krank), Bürki und Sutter (beide gesperrt). 26. Gelb-Rote Karte gegen Hediger (Foul). 37. Lattenschuss von Akolo. 53. Mitrjuschkin wehrt Handspenalty von Rapp ab. 70. Tor von Konaté aberkannt (Offside). Verwarnungen: 12. Hediger. 41. Salatic. 50. Glarner (im nächsten Spiel gesperrt). 84. Bürgy. 92. Reinmann. 93. Karlen (alle wegen Fouls).

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