Stilsicher auf WM-Kurs

Die Schweiz gewinnt auch das achte Spiel in der WM-Qualifikation. Beim 3:0 in Riga gegen ein bescheidenes Lettland löst sie ihre Pflichtaufgabe problemlos und mit einer starken Leistung. Verfolger Portugal siegt in Ungarn.

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Mitte der zweiten Halbzeit plätschert die Begegnung zwischen Lettland und der Schweiz ein bisschen dahin. Entschieden ist sie längst, die Gäste führen 3:0, und das Einzige, was sie noch interessiert, ist das Resultat Portugals in Ungarn. Der Konkurrent hat kurz nach der Pause das 1:0 geschossen, es ist ein knapper Vorsprung, und selbst wenn die Ungarn eine Rote Karte erhalten haben, kann so ein Ausgleich immer fallen. Er würde die Ausgangslage in der WM-Qualifikationsgruppe B fundamental verändern, den Schweizern würde im nächsten Auftritt zu Hause gegen Ungarn ein Sieg genügen, um die Teilnahme an der WM 2018 in Russland zu sichern.

Seferovic trifft wieder

Der Abend begann ideal für deutlich überlegene Schweizer, die Ball, Gegner, Platz im Griff hatten. Sie agierten passsicher und souverän, fanden eine ansprechende Mischung aus gepflegtem Kombinationsfussball und rasanten Angriffen. Und begegneten einer Mannschaft, die nur eines im Sinn hatte: keine Risiken einzugehen. Die Letten verteidigten enorm tief, teilweise empfingen sie die Gäste erst zehn Meter nach der Mittellinie, den eigenen Strafraum mit zehn Feldspielern abschirmend. Und doch fanden die munteren Schweizer immer wieder Lücken im vielbeinigen Abwehrverbund Lettlands. Dank ihrer Klasse und Organisation. Und sie erspielten sich ausgezeichnete Gelegenheiten.

Bereits nach fünf Minuten parierte Andris Vanins einen Schuss Blerim Dzemailis reflexstark, kurz darauf allerdings leistete sich der Goalie Zürichs einen schweren Fehlgriff. Nach einem erneut zügig vorgetragenen Angriff der Schweizer über mehrere Stationen mit den Protagonisten Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner landete der Ball in der 9. Minute bei Haris Seferovic. Und der Stürmer mit der Rückennummer 9 trifft derzeit selbst ins Tor, wenn er nicht gefährlich schiesst. Vanins jedenfalls, mit dem FCZ Tabellenführer in der Super League, liess den harmlosen Schuss durch die Hände an den Innenpfosten fallen, ehe der Ball neckisch der Linie entlangkullerte – und ganz kurz hinter ihr verschwand.

Die Highligts im Video.

Dzemailis Fehlschuss

Die frühe Führung spielte den Schweizern in die Karten, sie drängten den überforderten Gegner weiter nach hinten. Mit hohem Pressing, viel Laufaufwand und geschicktem Zweikampfverhalten hielten sie den Druck aufrecht, nach Balleroberungen oft schon an der Mittellinie schalteten die Gäste blitzschnell um. In der 14. Minute allerdings bewies Seferovic, dass er derzeit eben doch nicht selbst ins Tor trifft, wenn er nicht gefährlich schiesst. Auch seine Mitspieler kamen zu einigen ausgezeichneten Chancen, Admir Mehmedi beispielsweise oder Shaqiri, und nach rund einer halben Stunde Spielzeit holte Mehmedi einen Foulelfmeter heraus.

Nun sind Penaltyschüsse nicht unbedingt eine helvetische Spezialität, das zeigte sich am Sonntagabend auch in Riga. Als Schütze trat eher unerwartet Blerim Dzemaili an. Der Aufbauer, seit einigen Monaten in der Major League Soccer bei Montreal aktiv, knallte den Ball weit übers Tor und beinahe aus dem kleinen Stadion heraus. Es war eine Slapstickszene, die auch in Nord­amerika in Top-10-Videoshows Unterschlupf finden dürfte – und Dzemalis Bewerbungsschuss als Kicker im American Football. Die Schweizer verloren aber ihre Stilsicherheit nur kurz, und immerhin trauten sich die Letten nun auch mal über die Mittellinie, ohne Gefahr auszustrahlen.

Doppelschlag nach der Pause

Nach der Pause übernahmen die Gäste sofort wieder das Kommando und drückten aufs Tempo. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das zweite Tor fallen würde – und bald hatte Dzemaili seinen Fehlschuss halbwegs repariert. Nach erneut flotter, direkter Kombination über Johan Djorou und Seferovic entschied sich Dzemaili im Duell mit Vanins für einen kecken Hüftschwung. Der lettische Goalie war ausgespielt, das Tor verlassen und kaum zu verfehlen.

Es war die erste Hälfte des Schweizer Doppelschlags, der die einseitige Begegnung bald entschied. Denn kurz darauf holte Mehmedi wieder einen Penalty heraus, den nicht Dzemaili, sondern Ricardo Rodríguez mit einem Flachschuss verwertete. Nun verwandelte sich die Partie in ein Trainingsspielchen unter Wettkampfbedingungen. Am spannendsten aus Schweizer Sicht blieb das Resultat der Portugiesen. Doch die frohe Kunde des ungarischen Ausgleichs in Budapest traf nicht ein.

Lettland - Schweiz 0:3 (0:1) Skonto-Stadion, Riga. - 7587 Zuschauer. - SR Gözübüyük (NED). Tore: 9. Seferovic (Lichtsteiner) 0:1. 55. Dzemaili (Seferovic) 0:2. 58. Rodriguez (Foulpenalty/Mehmedi) 0:3. Lettland: Vanins; Kolesovs, Gorkss, Dubra; Solovjovs, Indrans (61. Kluskins), Vardanjans (78. Kazacoks), Maksimenko; Laizans; Sabala, Rakels (68. Ikaunieks). Schweiz: Sommer; Lichtsteiner (80. Lang), Schär, Djourou, Rodriguez; Behrami, Xhaka (77. Zakaria); Shaqiri, Dzemaili, Mehmedi; Seferovic (76. Derdiyok). Bemerkungen: Lettland ohne Freimanis (gesperrt), Schweiz ohne Embolo (rekonvaleszent), Drmic (verletzt). 31. Dzemaili schiesst Foulpenalty über die Latte. 80. Pfostenschuss von Dzemaili. Verwarnungen: 37. Indrans, 43. Maksimenko, 56. Dubra, 57. Solovjovs, 69. Vardanjans (alle Foul).

Ungarn - Portugal 0:1 (0:0) Budapest. - 20'000 Zuschauer. - SR Makkelie (NED). Tor: 49. André Silva (Ronaldo) 0:1. Ungarn: Gulacsi; Fiola, Guzmics, Kadar, Korhut; Lovrencsics (78. Varga), Patkai, Elek (67. Pinter), Dzsudzsak; Priskin, Eppel (61. Böde). Portugal: Rui Patricio; Cédric, Bruno Alves, Pepe, Coentrão (28. Eliseu); Gelson Martins (63. Bernardo Silva), Danilo, João Mario, Moutinho; Ronaldo, André Silva (86. Quaresma). Bemerkungen: Ungarn ohne Bese (gesperrt), Szalai und Kleinheisler (beide verletzt). Rote Karte: 30. Priskin (Foul/im Spiel gegen die Schweiz gesperrt). Verwarnungen: 20. Patkai (Foul), 45. Elek (Foul), 82. Dzsudzsak (Schwalbe/im Spiel gegen die Schweiz gesperrt), 89. Fiola (unsportliches Verhalten/im Spiel gegen die Schweiz gesperrt), 89. Ronaldo (unsportliches Verhalten).

Berner Zeitung

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