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Statist hier, Hauptdarsteller da

Der frühere YB-Spieler Loris Benito hat sich in Bordeaux bestens eingefunden. Der 27-Jährige glaubt, dies werde seine Karten im Schweizer Nationalteam verbessern.

Rasch den Tritt gefasst: Nur zweimal kam Linksverteidiger Loris Benito bei Bordeaux (hier gegen Montpellier) nicht zum Einsatz. Da war er verletzt. Foto: Nicolas Luttiau (Freshfocus)
Rasch den Tritt gefasst: Nur zweimal kam Linksverteidiger Loris Benito bei Bordeaux (hier gegen Montpellier) nicht zum Einsatz. Da war er verletzt. Foto: Nicolas Luttiau (Freshfocus)

Als sich die Schweizer vor einer Woche in Lausanne auf die Partien in Dänemark und gegen Irland vorbereiten, sagt Loris Benito, er glaube, dass sich sein Standing im Nationalteam durch den Wechsel nach Bordeaux verbessert habe. Aber, schränkte der 27-Jährige sogleich ein, als ob er geahnt hätte, dass ihm trotz der schwierigen Lage von Ricardo Rodriguez bei Milan nur die Ersatzrolle bleiben wird: Er plane seine Karriere unabhängig vom Nationalteam. «Hauptpriorität hat immer der Verein.»

Sein Verein ist seit diesem Sommer der Football Club Girondins. Benito liess sich Zeit mit der Wahl, nachdem er schon im Winter angekündigt hatte, seinen Vertrag bei den Young Boys nicht verlängern zu wollen. Früh zeichnete sich ein Transfer nach Bordeaux ab, dann schien Newcastle plötzlich eine Option, dann wiederum wurde Parma als künftiger Arbeitgeber gehandelt.

Der Trainer warnte

Auf den ersten Blick erstaunte Benitos Wahl. Weil Bordeaux in Frankreich in der mittleren Tabellenregion angesiedelt werden kann, nicht europäisch vertreten ist. Und von den Topligen die Ligue 1 die geringste Attraktivität ausstrahlt. Doch betrachtet man seinen Weg, der ihn schon einmal ins Ausland geführt hatte, dann ergibt der Schritt an die französische Atlantikküste Sinn.

Beim portugiesischen Premiumclub Benfica Lissabon war er im grossen Kader untergegangen, in der Saison 2014/2015 nur zu sechs Einsätzen gekommen. Nun suchte er Solidität statt Spektakel, gewichtete Planungssicherheit höher als Potenzialitäten.

Das bot Bordeaux. Vorab, weil der Verein von Paolo Sousa gecoacht wird, einem Trainer mit Vergangenheit beim FC Basel, über den sich Benito ausführliche Beurteilungen einzuholen vermochte. Jetzt redet der Aargauer von einer ergiebigen Zusammenarbeit. Dem Verhältnis mit dem Portugiesen ist gewiss nicht abträglich, dass er sich mit ihm in dessen Muttersprache unterhalten kann. Benito sagt, Sousa sei ein sehr fordernder Trainer, ein akribischer Arbeiter. «Er macht die Spieler besser.»

Sousa kann auch sperrig sein, kompliziert, verschlossen. In Basel hätte er am liebsten verhindert, dass die Spieler für Einzelinterviews zur Verfügung stehen. Und in Bordeaux soll er sein Team eindringlich davor gewarnt haben, die Nähe zu Journalisten zu suchen. Weil Kritik ohnehin geübt werde. Nach drei Monaten in Bordeaux gibt es von Medienseite aber Lob. Nicolas Le Gardien, Journalist bei der Lokalzeitung «Sud Ouest», sagt, Benito habe sich rasch eingefügt, sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Ja er sei schon ein Leader.

Die Gegner überraschten

Beim Einfinden half, dass Sousa – seit März im Amt – das Kader im Sommer erstmals gemäss seinen Ansprüchen modulieren konnte. Von den zwölf meisteingesetzten Spielern besteht die Hälfte aus Zugängen. Zugute kommt Benito auch seine Flexibilität. Er hat links schon in einer Dreier-, Vierer- oder Fünferkette gespielt.

Nur zweimal wurde er nicht eingesetzt – da hatte ihn eine kleine Verletzung im Oberschenkel gebremst. Er sei sehr zufrieden, sagt Benito. «Ich hatte bei meinem Transfer ein Ziel: dass ich gleich oft spiele wie zuvor bei YB», sagt Benito. «Das ist mir gelungen.» Die Partien seines vormaligen Clubs verfolgt er wann immer möglich, mit den früheren Teamkollegen – allen voran Christian Fassnacht – tauscht er sich oft aus.

Nach 9 Partien liegt Bordeaux auf Rang 4. Von der Ambiance in den Stadien zeigt sich Benito positiv überrascht. Partien wie gegen Paris Saint-Germain und Lyon hätten Champions-League-Charakter. Die grösste Umstellung sei, dass er nun oft auf schnelle und flinke Gegenspieler treffe. «Und sie sind taktisch nicht unbedingt gut geschult. Aber das macht sie nur unberechenbarer, weil die üblichen Bewegungsmuster nicht existieren.»

Diese Erfahrungen bringen ihn weiter. Aber verbessern sie auch seine Karten im Nationalteam? Im November steht erneut ein Zusammenzug an. Es wird der nächste Gradmesser.

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