Sportchef Streller kämpft beim FCB ums Überleben

Raphael Wicky muss gehen, die Probleme beim FC Basel bleiben. Die neue Führung hat den Ausnahme-Club entzaubert.

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In jedem anderen Moment hätte man die Aussagen vielleicht als die typisch überschwängliche Art abgetan, die Marco Streller immer schon ausgemacht hat. Aber nach einer missratenen Vorsaison und dem Abgang von drei Leistungsträgern im Sommer machte es schon hellhörig, wie sehr der Sportchef des FC Basel die Transfers lobte, die er selbst getätigt hatte.

«Wir halten dieses Kader für gut genug. Definitiv.» So sagte das Streller ein paar Tage vor dem Saisonstart. Irgendwie wirkte das so, als ob er präventiv schon einmal die Schuld an einem möglichen Scheitern weiterreichen würde an seinen Trainer Raphael Wicky.

Und jetzt, nur sechs Tage nach dem Saisonstart, nach zwei 1:2-Niederlagen gegen St. Gallen und PAOK Saloniki hat Streller die Schuldfrage aus seiner Sicht endgültig geklärt. Er wirft Wicky unter den Bus. Er entlässt den Trainer, der den Club vor einem Jahr vom als langweilig und berechenbar geltenden Fussball eines Urs Fischer erlösen sollte.

Für so einen Trainerwechsel gibt es die Sommerpause

Natürlich gibt es Gründe für Wickys Entlassung. Sein auf Umschaltspiel gepolter Fussball funktionierte eigentlich nur auf internationaler Ebene. Die Spiele gegen St. Gallen und Saloniki waren defensiv wirr und offensiv ineffizient.

Aber das sind keine neuen Erkenntnisse. Wer nach nur zwei Niederlagen den Trainer entlässt, der war schon nicht mehr von ihm überzeugt, als er mit ihm in die neue Saison gestiegen ist. Und wer nicht von seinem Trainer überzeugt ist, sollte die Sommerpause nutzen, um einen neuen Mann die Saisonvorbereitung gestalten zu lassen.

Die zu späte Entlassung des Übungsleiters: Es ist eine weitere Fehleinschätzung der 2017 angetretenen Führung. Irgendwie wirkt es, als ob die neuen Leute in den Führungsgremien jeden möglichen Fehler im Fussballbusiness einmal selbst begehen müssten, um daraus zu lernen.

Merkwürdigkeiten in der Kader-Zusammenstellung

Die Trainerentlassung ist Strellers Art, um sein eigenes Überleben zu kämpfen. Schliesslich ist er es, der die Verantwortung trägt für die Zusammenstellung des Kaders. Und dieses weist nicht nur die (auch Verletzungen) geschuldete Merkwürdigkeit auf, dass in einem Spiel, in dem es wie in Saloniki um Millionen geht, plötzlich ein 20-jähriger Innenverteidiger sein Profidebüt als Rechtsverteidiger geben muss.

Wickys erzwungener Abgang ist aber auch ein Zeichen dafür, dass Besitzer Bernhard Burgener die von ihm verordnete Vereinspolitik nicht als Grund für die schwachen Leistungen sieht. Er verlangt, dass die zweite Garde der FCB-Spieler vornehmlich aus Nachwuchs-Kräften besteht. Das soll einerseits die Durchlässigkeit aus dem eigenen Nachwuchs erhöhen. Andererseits macht es das Kader auch günstiger im Unterhalt. Aber es sorgt auch dafür, dass sich Verletzungen schneller auf dem Feld und damit auch bei der Leistung der Mannschaft bemerkbar machen.

In zwei Saisons hat die neue Basler Führung nicht nur den Nimbus der Unschlagbarkeit auf Schweizer Boden verspielt. Sie hat ihn auch wieder zu einem Club werden lassen, der seinen Trainer in einer Panik-Reaktion vor einem wichtigen internationalen Spiel interimistisch durch einen alten Helden wie Alex Frei und einen alten Recken wie Marco Schällibaum ersetzt. Vor allem aber haben Burgener und Streller den Serienmeister innerhalb eines Jahres wieder zu einem recht normaler Schweizer Verein gemacht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.07.2018, 16:46 Uhr

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