So, als wäre noch gar nichts im Trockenen

YB spielt beim 4:0 in Sion wieder wie vor dem Titelgewinn. Die Walliser bekunden auch Pech – und stehen im Abstiegskampf.

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Warum ist YB-Goalie David von Ballmoos ganz entzückt von diesem Spiel? Wie kommt es, dass der Berner Trainer Gerardo Seoane auch von einer «solidarischen Abwehrarbeit» spricht? Und warum meldet Abwehrkämpfer Kevin Mbabu nach einem 4:0 in Sion: «Es gab ja einiges zu tun.»? Nun, der Reihe nach.

Es hätte für YB ein geruhsamer Frühsommertag werden können, diese Ehrenrunde Nummer vier nach dem Titelgewinn auf dem Sofa Mitte April. Doch weil die Temperaturen an diesem Wochenende sensationellerweise in den Keller fielen und beim FC Sion wie gewohnt Feuer im Dach ist, wurde das sonntägliche Spiel zum launigen Schlagabtausch bei spätwinterlichen Bedingungen.

10'000 Zuschauer waren gekommen, für die Sittener geht es in diesen letzten Runden vor Schluss noch um viel, zu eng sind die Verhältnisse im Schneckenrennen vor dem Strich zur Barrage. Der Club feiert in diesen Wochen sein 110-Jahr-Jubiläum, vor der Partie gegen YB wurde an alte Legenden erinnert, und wie sehr man einen auf der Tribüne ob der Ehrung strahlenden Ancien wie Christophe Bonvin vermisst, zeigte dann der Start im Spiel.

Sions Pech, YBs Coolness

Sion war zwar bemüht, offensiv einigermassen kreativ, aber defensiv katastrophal sortiert. Und die Young Boys? Nachdem man die Auftritte zuletzt mit strengem Blick auch in der Kategorie «Meisterblues» hatte verbuchen können, spielten sie dieses Mal, als gelte es, den Titel erst noch sicherzustellen. «Die letzten Partien waren nicht unsere Art», sagte von Ballmoos später. «Jetzt haben wir wieder gezeigt, wie wir die Sache für gewöhnlich angehen.»

Und zwar so: mit Tempo, Chancen und Toren. Minute 7, eine sehenswerte Kombination über Michel Aebischer und Christian Fassnacht, ein skorerhafter Auftritt von Jean-Pierre Nsame, und schon stand es 1:0. So ging es weiter, eine Direktabnahme von Guillaume Hoarau klärte Sion-Goalie Kevin Fickentscher, genauso wie einen Kopfball von Fassnacht. 0:3 hätte es nach einer Viertelstunde stehen können, 2:4 vielleicht zur Pause. Denn Sion bot gegen vorne einiges, profitierte von nicht ganz so konsequentem Berner Abwehrverhalten, beklagte bei einem Lattenkopfball Bastien Tomas auch Pech. Und ansonsten hiess die Endstation: David von Ballmoos.

Hin und her ging es in dieser besten Phase des Spiels. Sions Pajtim Kasami versuchte es mit tückischem Dropkick, dann zog Aebischer im Strafraum an, legte auf für Fassnacht, YB führte 2:0.

Gerardo Seoane hatte sich nach Experimenten mit drei zentralen Mittelfeldspielern zuletzt gegen Lugano mal wieder für die klassische Variante im 4-4-2-System entschieden. Benito und Mbabu zeigten auf den defensiven Aussenpositionen, warum sie in den letzten Jahren «so grosse Spieler geworden sind», wie Seonae sagte. Mbabu wechselt nach Wolfsburg, auch bei Benito stehen die Zeichen auf Abschied.

Mit einem anderen dürfte sich Sportchef Spycher in diesen Wochen zusammensetzen und über einen neuen Vertrag beraten: Thorsten Schicks Kontrakt läuft im Juni aus. Für die Young Boys war er in der Rückrunde mehr als ein Ergänzungsspieler – im Tourbillon gelang dem fleissigen Vorbereiter sein erstes Saisontor. Wie er Morgado auf der rechten Seite ausspielte und per Schlenzer zum 3:0 traf, war nicht nur schick, sondern bezaubernd.

Erstaunlich war, dass auch der dritte YB-Treffer den Wallisern nicht sämtlichen Wind aus den Segeln nahm. Von Ballmoos lenkte gegen Djitte an den Pfosten, Hoarau klärte den Nachschuss gar auf der Linie. Eine der zahlreichen Kontermöglichkeiten nutzte der Franzose dann in der Nachspielzeit zum 4:0.

Sion steht vor unruhigen Tagen. Nach dem Spiel beklagte sich Präsident Christian Constantin beim «Blick» über Trainer Murat Yakins fehlende Nähe zum Team. Für einen wie CC mehr als Grund genug für einen Trainerwechsel.

YB hat derweil rechtzeitig vor dem Prestige-Duell gegen Basel wieder an Schwung zugelegt. In der Rückrundentabelle ist der von den Bernern gnadenlos abgehängte FCB nur einen Punkt weg. Basel hat 2019 noch nie verloren, zuletzt im Dezember gegen YB – beim Spiel am Sonntag im Stade de Suisse begegnen sich die beiden auf Augenhöhe.

Also schloss der entzückte von Ballmoos ab: «So macht es einfach Spass.» Und so lobte der zufriedene Seoane: «Meine Spieler haben eine grossartige Einstellung.» Und der geforderte Arbeiter Mbabu meinte: «Das Spiel gegen Basel ist gerade unsere grösste Motivation.»

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