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Siegen – auch an trüben Tagen

YB hat die Pflicht erfüllt, die nächste Cuprunde erreicht und dem regionalen Zweitligisten Collombey-Muraz das Spiel des Jahres beschert.

Nass und neblig, aber keineswegs nur trüb: Collombey-Muraz, Tabellenführer der Unterwalliser 2.Liga, feierte gegen YB ein Fussballfest.
Nass und neblig, aber keineswegs nur trüb: Collombey-Muraz, Tabellenführer der Unterwalliser 2.Liga, feierte gegen YB ein Fussballfest.
Keystone

An einem schönen Tag sähe vieles anders aus. Zum Beispiel die Unterlage in Muraz, Grossgemeinde Collombey, die sich am Samstag in der zweiten Cuphauptrunde präsentiert, wie sich eine Spielfläche in der Schweizer Fussballprovinz an solchen Tagen zu präsentieren pflegt: schwierig, seifig, holprig. Denn es ist nass an diesem Tag im Unterwallis, trüb, Temperaturen unweit des Gefrierpunkts, eine Witterung, die dem herbstlichen Oktober schon fast enteilt ist und dem winterlicheren November sicher besser angestanden wäre. Eben, an einem schönen Tag sähe vieles anders aus, so wäre im Rhonetal durchaus Aussicht vorhanden. Zum Beispiel die Dents du Midi, eine markante Gebirgskette im nahen Val d’Illiez, wo sich im Winter Tausende Wintersportler in die Quere kommen. Doch es ist neblig, und Zähne zeigen so einzig die tapferen Spieler der US Collombey-Muraz aus der regionalen 2.Liga, die gegen die als haushohe Favoriten angereisten Young Boys immerhin zwei Tore schiessen und die drei Spielklassen Niveauunterschied zumindest teilweise etwas kaschieren können.

Etliche Stammspieler bei YB

Vorbildlich auch, wie die lokale Fussballgemeinde die Stimmung vom Wetter nicht trüben lässt und das 40-Jahre-Vereinsjubiläum zusammen mit dem Spiel des Jahres gebührend feiert. Das obligatorische Hoffen auf die Sensation scheint früh beendet, weil Nef (16.) und Bienvenu (17.) YB mit zwei Kopfbällen in Führung bringen. Doch als Abwehrturm Sébastien Meystre nach einem Freistoss den Anschlusstreffer erzielt, sind (fast) alle Zuschauer begeistert. Zur Pause, Regazzoni hat in der 34.Minute auf 3:1 erhöht, erwärmen sich viele am reichhaltigen Verpflegungsangebot, und eifrig werden auf den Festbänken die Szenen der vergangenen und die Chancen für die kommende Halbzeit besprochen.

Kurz nach Wiederbeginn, das Witterungsprogramm hat zur Abwechslung von Niesel- zu Sprühregen gewechselt, zerstört Bienvenu mit seinem zweiten Tor zum 4:1 die Coachingbemühungen der 1850 potenziellen Trainer im Stade des Perraires. David Vernaz, offizieller Collombey-Übungsleiter, hat zwar einige Wechsel vorgenommen, die Klasse von YB scheint aber doch die Oberhand gewonnen zu haben. Erstaunlich viele Stammspieler kommen bei den Bernern zum Einsatz: Nef, Costanzo, Doubai und Affolter stehen in der Startformation – Mayuka und Degen werden noch eingewechselt. Der Captain der wackeren Unterwalliser, ein Mann mit dem wohlklingenden Namen Steeve Tschumper, lässt die Leute mit dem 2:4 noch einmal jubeln und träumen, doch Costanzo stellt mit einem verwandelten Foulpenalty zum 5:2 den alten Abstand und die Hierarchie zumindest halbwegs wieder her.

«Das ist für mich Fussball»

Mario Raimondi, als Linksverteidiger über 90 Minuten im Einsatz, gibt später zu, dass «man es besser hätte machen können», doch das Ziel habe man erreicht. Die schwierigen Bedingungen halten für ihn nicht als Ausrede her: «Das ist für mich Fussball und Schweizer Cup.» YB hat gegen Collombey fünf Tore erzielt, aber eben auch zwei erhalten, doch letztlich die Pflicht auf dem tückischen Terrain erfüllt. Es gilt schlicht, zu siegen – auch an trüben Tagen. Aber schon am Donnerstag in der Europa League wartet mit Odense ein ganz anderer Gegner.

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