Sehnsucht nach den Sternen

Nimmt YB ab Mittwoch die Hürde Dinamo Zagreb, steht es erstmals überhaupt in der Champions League. Vier YB-Akteure mit Einsätzen in der Königsklasse erklären die Faszination des Wettbewerbs.

Der Superstar als erster Gratulant: Zlatan Ibrahimovic bejubelt 2012 Guillaume Hoarau für dessen Tor in der Königsklasse.

Der Superstar als erster Gratulant: Zlatan Ibrahimovic bejubelt 2012 Guillaume Hoarau für dessen Tor in der Königsklasse. Bild: Getty Images

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Guillaume Hoarau steht im Strafraum des Stade de Suisse, den Ball in der Hand, die Kameralinse im Blick. Ein kleines Mikrofon ist an seinem Kragen angesteckt.

Es ist Montagmittag, das Training der Young Boys ist soeben zu Ende gegangen. Für den Bezahlsender Teleclub, der auf diese Saison hin den Grossteil der Schweizer Rechte an der Königsklasse erworben hat, soll der französische YB-Stürmer seinen grossen Moment in der Champions League nacherzählen.

Mit Parc des Princes beginnt Hoarau also, dem Ort des Geschehens, dem Stadion von Paris Saint-Germain, seinem damaligen Arbeitgeber. Im November 2012 wurde Hoarau im vierten Gruppenspiel gegen Dinamo Zagreb, den Gegner im diesjährigen Playoff, eingewechselt. «Monsieur Zlatan Ibrahimovic erhält den Ball und setzt sich auf der rechten Seite durch», fährt er in seiner unverkennbaren Art des Entertainers fort, als bräuchte es einen Namenszusatz, um die Grösse seines einstigen Teamkollegen hervorzuheben. Und beschreibt dann den Treffer zum 4:0.

Im Kleid der Königsklasse

Bald sechs Jahre ist das nun her, doch wer Hoaraus Erläuterungen lauscht und sich das Tor auf Youtube ansieht, ist verblüfft, wie ­detailgetreu der 34-Jährige den Moment zu beschreiben vermag. Seinen jungen Teamkollegen Léo Seydoux, der nach dem Training noch lange Flanken und Schüsse geübt hat und nun als Zlatan-Double herhalten muss, beordert er im Strafraum genau an jene Stelle, von wo aus Ibrahimovic in Paris vorbereitet hatte.

Der Treffer war weder schön noch entscheidend. Aber Hoarau hat ihn nicht vergessen.

Ein möglicher Grund dafür, warum dieses eine Tor einem Mann wie Hoarau, der in seiner Karriere bald zweihundert Treffer erzielt hat, geblieben ist, wird am Montag beim YB-Training deutlich. Die Akteure spielen sich die neuen Champions-League-Bälle zu, die Adidas für den Wettbewerb entwickelt hat und die den Playoff-Teilnehmern von der Uefa gratis überlassen werden.

Derweil überdecken Mitarbeiter die Werbeflächen mit dem Sternenbanner der Königklasse, das Material wurde eigens für das Hinspiel aus einem Zen­trallager in Holland in Lastwagen hergekarrt. Im Konzert der ­Grossen wird nichts dem Zufall überlassen, kein Aufwand gescheut. Obwohl ja erst das Casting steigt. So als wolle man den Clubs und ihren Spielern vor ­Augen führen, was für sie auf dem Spiel steht.

Die Champions League ist der Clubwettbewerb mit den besten Mannschaften, den besten Spielern, und sie ist dementsprechend auch bestens vermarktet – 5-Stern-Hymne inklusive. Inhalt und Rahmen haben sie zum Sehnsuchtswettbewerb eines jeden Fussballers gemacht – vergleichbar nur mit der Weltmeisterschaft.

Sulejmanis Augen glänzen

An Motivation wird es den YB-Akteuren also nicht fehlen, und sollte einer einen Zusatzansporn benötigen, braucht er nur die in der Champions League erprobten Teamkollegen zu fragen.

Loris Benito etwa bezeichnet die Königsklasse als «Nonplusultra». Der 26-jährige linke YB-Verteidiger ist neben Hoarau und Miralem Sulejmani einer von drei Spielern im YB-Kader, die in der Königsklasse zum Einsatz gekommen sind. 2014 bestritt er mit Benfica Lissabon gegen Bayer Leverkusen seine einzige Partie.

Es war Dezember und das letzte Spiel der Gruppenphase, Benfica bereits ausgeschieden, das grosse Estádio da Luz nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. Und doch ordnet Benito das Erlebnis in der Rangliste seiner Karrierehöhepunkte gleich hinter dem Titel­gewinn mit YB ein. Sulejmani formuliert es so: «Jedes Kind, das Fussball spielt, träumt von der Teilnahme an der Champions League.»

Der Serbe, mit 16 Einsätzen in der Sternenliga der höchstdekorierte Akteur der Young Boys, weiss noch genau, wie er zu Hause in Batajnica, knapp zwanzig Kilometer von Belgrad entfernt, mit seinem Vater die Partien am Fernsehen verfolgte. Arsenal war seine Lieblingsequipe, «das Highbury, Thierry Henry», sagt der 29-jährige Flügel. Seine Augen glänzen. Und Benito erinnert sich, wie er jeweils länger wach bleiben durfte, wenn die Champions League ins Wohnzimmer daheim in Aarau übertragen wurde.

Zwei Partien fehlen den Young Boys noch zum Eintritt in die Königsklasse. Noch gilt es die Hürde Dinamo Zagreb zu nehmen. Wird es gelingen, werden bald nicht nur Hoarau, Benito und Sulejmani ihren Champions-League-Moment zu erzählen haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.08.2018, 10:41 Uhr

Playoff-Hinspiele

Am Dienstag spielen


  • Roter Stern Belgrad - Salzburg (21:00)

  • BATE Borissow (BLR) - PSV Eindhoven (21:00)

  • Benfica Lissabon - PAOK Saloniki (21:00)



Am Mittwoch spielen

  • YB - Dinamo Zagreb (21:00)

  • Ajax Amsterdam - Dynamo Kiew (21:00)

  • Videoton (HUN) - AEK Athen (21:00)


Rückspiele am 28./29. August

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