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Schöner Lohn für eine biedere Darbietung

Die Young Boys gewinnen in St. Gallen 2:0, obwohl sie über weite Strecken harmlos agierten. Derweil die Berner reich beschenkt wurden, steckt der FC St. Gallen tief in der Krise.

Im Fokus: St. Gallens Trainer Joe Zinnbauer überraschte mit seiner Startaufstellung.
Im Fokus: St. Gallens Trainer Joe Zinnbauer überraschte mit seiner Startaufstellung.
Keystone
Prominent besetzte Ersatzbank: Die St. Galler Tranquillo Barnetta (links) und Goalie Daniel Lopar mussten auf der Bank Platz nehmen.
Prominent besetzte Ersatzbank: Die St. Galler Tranquillo Barnetta (links) und Goalie Daniel Lopar mussten auf der Bank Platz nehmen.
Keystone
Goldenes Händchen: Die Joker von YB-Cheftrainer Adi Hütter stachen.
Goldenes Händchen: Die Joker von YB-Cheftrainer Adi Hütter stachen.
Keystone
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Wer nach St. Gallen fährt, fährt in den Winter. Obwohl die Frühlingssonne prächtig scheint, sind die Hügel rund um die Stadt noch immer weiss gepudert – kein Wunder, sind am Freitag doch 30 Zentimeter Schnee gefallen. Der unerwartete Wintereinbruch passt ganz gut zur Gemütslage im fussballbegeisterten St. Gallen.

Am Sonntag kassierte der FCSG gegen die Young Boys die fünfte Niederlage in Serie. Weil Vaduz und Thun gewonnen haben, befinden sich die St. Galler sechs Runden vor Saisonende plötzlich in Abstiegsgefahr. Und so schicken die Zuschauer im Kybunpark das Heimteam nach dem 0:2 mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Garderobe, im Fanblock wird ein Transparent hochgehalten: «Es isch Zyt zum Go!»

Gerichtet ist die Botschaft unmissverständlich an Joe Zinnbauer, den St. Galler Cheftrainer. Wie bereits in der Vorsaison ist das Team unter ihm in der Rückrunde völlig aus der Spur geraten, weshalb der Deutsche nun im Kreuzfeuer der Kritik steht. «Das ist nicht angenehm, aber es ist normal, dass eine solche Reaktion kommt», hält er trocken fest.

In einer weitaus besseren Situation befindet sich Adi Hütter. «Es war für uns nach den zwei Niederlagen zuletzt nicht einfach, wir waren etwas verunsichert», sagt er. Doch im nächsten Augenblick lächelt der YB-Trainer, er hat an diesem Nachmittag vieles richtig gemacht.

Gespräch mit Wirkung

Die Schlüsselszene in dieser Partie spielte sich in der 60. Minute ab. Der bereits verwarnte Toko stieg gegen Sékou Sanogo hart in einen Zweikampf, wurde danach folgerichtig des Feldes verwiesen. Weil YB aber trotz Überzahl kaum Chancen kreierte, reagierte Hütter und brachte Alexander Gerndt für den wirkungslosen Roger Assalé und Thorsten Schick für den blassen Miralem Sulejmani.

Es lief die 85. Minute, als Jan Lecjaks mit einem langen Ball das Geschehen auf die rechte Seite verlagerte, Schick in die Mitte flankte und Gerndt zum 1:0 traf. Die Joker haben gestochen. Und die beiden setzten noch einen drauf: In der Nachspielzeit legte wieder Schick für Gerndt auf – 2:0. «Nach dem Ausschluss haben wir das Heft in die Hand genommen», sagt Hütter.

«Enorm gefreut» habe sich der Trainer über die beiden Tore von Gerndt. Er sei über die Leistungen des Stürmers gegen GC und Lugano nicht glücklich gewesen, «und er selber war das auch nicht, weshalb wir miteinander gesprochen haben».

Die drei Punkte sind für die Young Boys ein schöner Lohn. Denn vorab in der ersten Halbzeit hatte St. Gallen ganz klar mehr vom Spiel gehabt. Alban Ajeti, der auffälligste Akteur im grün-weissen Ensemble, stellte die YB-Abwehr mehrfach vor Probleme.

Doch der Stürmer traf in der 7. Minute nur die Latte und sah kurz danach einen weiteren Schuss von Yvon Mvogo pariert. Wobei Ajeti in dieser Szene Grösse bewies, nach einem Gerangel mit dem teilweise überforderten Kasim Nuhu im Strafraum nicht zu Boden ging, sondern den Abschluss suchte.

Und YB? Nun, die Berner hatten zwar zu Beginn durch Assalé und den starken Kevin Mbabu zwei gute Gelegenheiten gehabt, tauchten danach aber ab. «Die erste Halbzeit ging klar an St. Gallen, sie haben uns unter Druck gesetzt», meint Mvogo. Was der Keeper nicht sagte: Ohne seine Interventionen hätten die Gäste kaum drei Punkte aus der Ostschweiz entführt.

«Perfektes Wochenende»

So aber ist aus Berner Optik alles aufgegangen. Weil Thun den ­­FC Sion bezwang, beträgt der ­Vorsprung der Young Boys auf die drittplatzierten Walliser nun elf Zähler. «Schön, dass wir im ­Kanton zueinanderhalten», meint Hütter lächelnd und spricht von einem «perfekten Wochenende». Punkten die ­Berner nächsten Sonntag in ­Sitten, ist ihnen die Qualifikation für die Champions League kaum mehr zu nehmen.

Ungleich anders präsentiert sich die Situation für den FC St. Gallen. Er trifft in den nächsten zwei Wochen auf Lausanne und Vaduz – es handelt sich um die direkten Gegner im Abstiegskampf. Für den Traditionsverein steht sehr viel auf dem Spiel. Oder anders gesagt: Zinnbauer ist – sollte er dannzumal noch Trainer sein – sehr gefordert.

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