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Rotierend Richtung Rekord

YB-Trainer Adi Hütter räumt der ganzen Breite seines Meisterkaders Einsatzminuten ein. Beim 1:0 in Sion rotiert er auf sieben Positionen – und behält mögliche Liga-Bestmarken dennoch im Blickfeld.

Viele Berner in Sitten: Nicht nur die YB- Spieler freuen sich über den einzigen Treffer.
Viele Berner in Sitten: Nicht nur die YB- Spieler freuen sich über den einzigen Treffer.
Keystone

Für den neuen Meister YB haben in der Super League die Festwochen begonnen. Und ein wenig ist es ja wie ein einziger, dreiwöchiger Spalier, den die Young Boys bis zur letzten Partie am 19. Mai in Zürich gegen GC durchlaufen dürfen: auf dem Flughafen bei ihrer Rückkehr vom Partytrip nach Barcelona, bald am Sonntag bei der Pokalübergabe nach dem Spiel gegen Lugano, später dann am Pfingstsonntag beim grossen Meisterumzug durch die Stadt – und zuletzt am Samstag in Sion, als der Walliser Präsident Christian Constantin eine Flasche edlen Champagner und ein Blumenbouquet offerierte.

YB feiert und lässt sich feiern – und die Siegesserie reisst nicht ab. Der knappe 1:0-Erfolg beim akut abstiegsbedrohten Sion war der 12. Sieg in diesem Jahr, der 24. in der ganzen Saison. Umso bemerkenswerter war der Erfolg im Wallis, weil Trainer Adi Hütter wie angekündigt kräftig rotiert hatte, um allen Angehörigen seines Meisterkaders Respekt zu zollen. Sieben Wechsel gab es im Vergleich zum 2:1 gegen Luzern, dem noch immer allgegenwärtigen letzten Schritt zum Titel vor einer Woche im Stade de Suisse.

45 Tore auf der Bank

Die ausgiebige Rochade schaffte Raum für Rückkehrer und Ergänzungsspieler. Vor allem aber trat YB zum ersten Mal seit September letzten Jahres und dem ­Europa-League-Spiel bei Skënderbeu in der Abwehr wieder mit einer Dreierkette auf. «Das brauchte auf dem Platz ein wenig Angewöhnungszeit», gab Hütter zu.

Die Änderungen zielten auch darauf ab, gewissen Meisterexponenten vor dem Cupfinal Ende Mai auch das eine oder andere geruhsamere Wochenende zu verschaffen. So also war die Bank von YB am Samstag in Sion wohl eine der besten überhaupt je in der Super League. 45 Ligatore waren da versammelt – eines mehr, als Sion in dieser Saison erzielt hat.

Dass die Young Boys also auch am Samstag siegten, ist bemerkenswert. Wegen der Rotationen, der Umstellung, des vielleicht noch nicht ganz überwundenen Meisterrauschs. Und nicht einmal ein eigenes Tor benötigten die Berner diesmal. Den Match entschied Jan Bamert mit seiner slapstickartigen Einlage, als er nach dem Laufduell mit Jean-Pierre Nsame schliesslich seinen eigenen Goalie überlistete. Kein Tor von YB? Zuletzt war das am 2. November vorgekommen, wiederum in der Europa League, zu Hause gegen Dynamo Kiew. Und in dieser Meisterschaft hatte es das zuvor nur einmal gegeben: in der fünften Runde, beim 0:0 in Zürich beim FCZ.

YB ist derzeit nur schwer zu schlagen, vielmehr ist es momentan schwierig, gegen die Berner überhaupt zu punkten. In diesem Jahr gelang das erst Thun und Basel – und der entthronte Meister tut gut daran, das im anstehenden Duell am Auffahrtsdonnerstag noch einmal zu versuchen, denn YB ist drauf und dran, den FCB als Punkterekordhalter für die Super League aus der letzten Saison schon wieder abzulösen.

Ein Rekord ist schon gebrochen

Mit derzeit 78 Punkten ist die vereinseigene Bestmarke von 77 Zählern aus der Saison 2009/2010 schon übertroffen. 86 Punkte sind der Basler Ligarekord – gewinnen die Berner die drei restlichen Partien in Basel, gegen Lugano und bei GC noch, kommen sie auf genau einen Zähler mehr. «Natürlich haben wir solche Marken jetzt im Hinterkopf», sagt Trainer Hütter. «Aber im Moment läuft es einfach gut, wir brauchen wenig Spielanteile für einen Sieg.»

Volles Tourbillon mit Bernern

Das aufopfernd kämpfende, aber immer ärger vom Abstieg bedrohte Sion war am Samstag aktiver, gemessen an den Chancen auch besser. In der Krise wenden sich den Wallisern die verloren geglaubten Anhänger zu, 13 800 Zuschauer waren gestern im fast ­vollen Tourbillon, natürlich waren viele aus Bern dabei. Ein bisschen Luft hat Sion noch, denn Lausanne bleibt nach dem 1:1 gegen Zürich Letzter. Und Mitkonkurrent Lugano, derzeit 5 Punkte vor Sion, muss nächsten Sonntag nach Bern. Die rotierenden Rekordjäger der Young Boys ziehen weite Kreise – bis in den Abstiegskampf.

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