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Petkovics Charmeoffensive im Tessiner Dauerregen

Am Mittwoch erklärte Vladimir Petkovic in seiner Heimat Tessin, wie seine Planungen für die Euro 2016 im Sommer aussehen. Der Schweizer Nationaltrainer warb dabei bei den Medien um eine gute Stimmung.

Mutig: Vladimir Petkovic.
Mutig: Vladimir Petkovic.
Keystone

Mehrere Wochen hat man nicht mehr viel gehört von Vladimir Petkovic. Am Mittwoch sprach der Fussball-Nationaltrainer erstmals seit Ende März und den sehr schwachen Testspielleistungen der Schweizer Auswahl in Irland (0:1) und gegen Bosnien-Herzegowina (0:2) wieder zu ausgewählten Medien. Petkovic, seit vielen Jahren im Tessin wohnhaft, startete in seiner Heimat regelrecht eine Charmeoffensive, verteilte kleine Präsente und empfing die Journalisten zum Essen in der prächtigen Herberge Villa Sassa in Lugano. Draussen regnete es in Strömen, das passte vielleicht zur allgemeinen Stimmung rund ums Nationalteam zuletzt, und drinnen erklärte Petkovic wortreich und zuweilen humorvoll ausführlich seine Planungen für die Euro 2016 – und wie er sich die Zusammenarbeit mit den Medien vorstellt.

Inler kaum an EM dabei

Der oft misstrauische Petkovic beschwerte sich zwar auch wieder über die seiner Meinung nach oft zu polemische Berichterstattung einiger Zeitungen, legte den Fokus aber auf die EM. Er kreierte dabei das Bild einer Einheit, die «im gleichen Boot» sitze, mit den Fans – und den Pressevertretern. «Schliesslich möchte die ganze Schweiz, dass wir Erfolg haben.»

Die Basis für eine tolle Europameisterschaft soll seine Mannschaft ab dem 23. Mai bis zum 3. Juni im Trainingslager im Tessin legen. Logieren wird der SFV-Tross in der Villa Sassa, das Wetter dürfte deutlich besser sein als am Mittwoch, und vorbei sein sollen dann auch die Diskussionen darüber, warum wer an der EM dabei sein muss. «Zu 90 Prozent» habe er sein 23-Mann-Kader im Kopf, sagte Petkovic. Er wollte nicht auf Einzelfälle eingehen und sagte beispielsweise zu Herthas Captain Fabian Lustenberger, der bisher keine grosse Rolle bei ihm spielte, kryptisch, «alle Fussballer» hätten immer noch eine Chance, sich aufzudrängen.

Doch wenn man ihn richtig verstand, dürfte Gökhan Inler an der Euro definitiv nicht dabei sein. Alles andere hätte auch überrascht, nachdem der langjährige Schweizer Spielführer zuletzt im März von Petkovic nicht mehr aufgeboten worden war, weil er beim englischen Sensationsmeister Leicester bloss dritte Wahl ist. «Ich habe mich nun einmal für Regeln entschieden», sagte Petkovic, der Spielpraxis seiner Akteure im Klub verlangt, am Mittwoch. Und dann: «Ich muss konsequent bleiben. Leider hat sich Inlers ­Situation im Klub in den letzten Wochen nicht verändert.»

Mvogo früh in Lugano?

Und so sprach Vladimir Petkovic am Mittwoch zuerst im Gruppengespräch und später in Einzelinterviews stundenlang zur Lage der Fussballnation. Er wird in den nächsten Wochen im Fokus stehen und dabei öfter auf Italienisch reden, weil er sich in dieser Sprache besser ausdrücken kann – und weil es ihm missfiel, wie teilweise öffentlich über seine Deutschkenntnisse geurteilt wurde. Seinen nächsten Auftritt hat der Nationaltrainer am kommenden Mittwoch in Zürich, wenn er vorerst ein rund 28 Spieler umfassendes EM-Kader bekannt geben wird. Fast die Hälfte aller Akteure wird aber am 23. Mai noch im Einsatz stehen (in der Super League) oder nach Cupfinals (Stephan Lichtsteiner mit Juventus, Roman Bürki mit Dortmund) und Saisonabschlussreisen in die Schweiz (die Akteure von Gladbach) und China (Ricardo Rodriguez mit Wolfsburg) noch ein paar freie Tage geniessen.

Hinter den Kulissen bemüht sich der Schweizerische Fussballverband deshalb, die Akteure von Basel, GC sowie YB früher vom Meisterschaftsbetrieb loszubekommen. Je nachdem kann das klappen, weil beispielsweise die Young Boys in der letzten Runde am 25. Mai in Thun antreten und es für beide Teams um nicht mehr viel gehen wird. Zumindest der junge Goalie Yvon Mvogo könnte im Tessin früh dabei sein, zumal YB in den letzten Partien Routinier Marco Wölfli einsetzen möchte. Auch Steve von Bergen sowie die jungen Denis Zakaria und Florent Hadergjonaj sind YB-Kandidaten für die Auswahl. «Für talentierte Spieler sind solche Tage im Kreis des Nationalteams sehr wertvoll», sagte Petkovic.

Nach zwei Spielen weiter

An der Euro will der Trainer «Geschichte schreiben», ohne näher darauf einzugehen, ob es dazu beispielsweise einen Halbfinaleinzug brauche. Vladimir Petkovic erneuerte seine recht mutige Ansage, wonach er bereits nach den ersten zwei Partien im Achtelfinal der EM stehen möchte – dazu benötigt es Siege gegen Albanien und Ru­mänien.

BZ/fdr

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