Nsame bestraft Stergious Fehler

Der formstarke Jean-Pierre Nsame schiesst den Meister in einer packenden Begegnung zum 3:2-Auswärtssieg in St. Gallen.

  • loading indicator
Fabian Ruch

Man kann den YB-Sieg in St. Gallen als glückhaft bezeichnen. Oder als logisch. Eines ist der 3:2-Erfolg der Young Boys am Samstagabend im Kybunpark allerdings nicht: souverän. Trainer Gerardo Seoane gibt zu, dass ein Remis verdient gewesen wäre: «Es war das erwartet schwierige Spiel mit vielen Zweikämpfen.» Sein Gegenüber Peter Zeidler meint, er könne es nicht glauben, habe seine Mannschaft verloren: «Leider war YB sehr effizient.»

Am Ende stehen in der Statistik 15:10 Schüsse für St. Gallen, beide Teams zielen dabei nur dreimal aufs Tor. So gesehen ist fast jeder Schuss ein Treffer. Was natürlich nicht den Tatsachen entspricht und der packenden Veranstaltung nicht gerecht wird. Der Aussenseiter unterstreicht von der ersten Minute an sein Bestreben, mutig und aggressiv zu sein, leistet sich in der Defensive aber viele Nachlässigkeiten. Es ist zuweilen grob fahrlässig, wie die jugendlichen Vertreter der Abwehrviererkette (Durchschnittsalter 19,75) vorgehen. Innenverteidiger Yannis Letard (20) läuft mehrmals riskant durchs Mittelfeld, wirkt in der Startphase unsicher und fehlerhaft. Sein hoch begabter Partner Leonidas Stergiou, im März 17 geworden, patzt derweil zweimal stümperhaft.

Und so sind es die Young Boys, die in der Startphase zu guten Gelegenheiten gegen vogelwild verteidigende St. Galler kommen. Roger Assalé lässt zweimal die nötige Entschlossenheit vermissen. Nach 12 Minuten aber kombinieren sich die Gäste über Saidy Janko, Nicolas Ngamaleu und Jean-Pierre Nsame zum 0:1. Und nach rund einer halben Stunde ist es Ulisses Garcia, der einen Fehlpass Stergious übernimmt und eine erneut präzise, rasante Ballstafette über Nsame und Michel Aebischer abschliesst.

Die leidenschaftlichen St. Galler sind nach dem Zweitorerückstand geschockt, aber sie finden einen Weg zurück. Unerwartet, weil YB bis kurz vor der Pause vieles im Griff hat. Und doch nicht unerwartet, weil YB gleichfalls nicht immer saubere, stilsichere Abwehrarbeit präsentiert. Kurz vor der Pause spedieren die Gäste den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Christopher Martins leistet sich ein Foul an Jérémy Guil­lemenot, Jordi Quintillà versenkt den Freistoss herrlich via Lattenunterkante. Und gleich nach der Pause lassen sich die Young Boys von aufsässigen St. Gallern erwischen. Cédric Ittens 2:2 zählt wegen einer Abseitsposition nicht, Cédric Ittens 2:2 kurz darauf durch einen Elfmeter aber belohnt den wackeren Gastgeber.

Es sind die stürmischen St. Galler, die nun dem Sieg näher stehen. Aber es ist Nsame, der in der 80. Minute das 3:2 erzielt. Weil Stergiou einen hohen Ball nicht kontrollieren kann. Weil der eingewechselte Marvin Spielmann blitzschnell reagiert. Weil Ngamaleu wie beim 0:1 mustergültig Nsame bedient. Und weil Nsame eiskalt bleibt und YB zum Auswärtssieg schiesst. Glückhaft. Und doch irgendwie logisch.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt