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«Nie zurückziehen, nie aufgeben»

Mit seinem markanten Stil hat Sékou Sanogo das YB-Spiel auf Anhieb geprägt. Heute um 20 Uhr, Stade de Suisse, trifft der Ivorer in der Partie gegen Basel auch auf Serey Die, Landsmann und Bezugsperson.

Moritz Marthaler
Ohne lange Anlaufzeit: Sékou Sanogos Einfluss aufs YB-Spiel ist schnell sichtbar geworden.
Ohne lange Anlaufzeit: Sékou Sanogos Einfluss aufs YB-Spiel ist schnell sichtbar geworden.

Der Knall war so laut, er scheint noch heute nicht verhallt. Thuns Captain Dennis Hediger erlief also an der Seitenlinie diesen Ball, und YB-Puncher Sékou Sanogo stellte sich ihm in den Weg. Der muskelbepackte 80-Kilo-Mann Hediger fand sich nach dem Zusammenstoss am Boden wieder, Sanogo zog unbeeindruckt ab und verteilte weiter präzis Ball um Ball. Die Szene im Derby Anfang August umschreibt den Spielstil des Ivorers bei YB nicht schlecht, die Kombination von physischer Präsenz und technischem Geschick sucht in der Super League ihresgleichen. «Nie zurückziehen, nie aufgeben», so umschreibt Sanogo seine Vorstellung von Fussball.

Lausanner Lernphase

Damit ist er bei YB auch in eine Lücke gestossen, jene, die Christoph Spycher nach seinem Abgang im Sommer hinterliess. Auf einen Ballverteiler mit der Zweikampfstärke Sanogos vermag kaum ein Team zu verzichten, und YB-Trainer Uli Forte erinnert sich noch gut an ein Treffen mit Fans im Vorfeld der Saison, wo man mit Sanogo als wichtigstem Transfer nicht so richtig warm werden mochte. «Was er vorher für einen Namen hatte, ist egal. Den Wert, den er heute für uns hat, ist unverkennbar.» Nach zwei nachgezogenen Spielsperren Anfang Saison hat der 25-Jährige in der Meisterschaft keine einzige Minute verpasst.

Von seinen Trainern in der Schweiz vermochten die meisten ähnlich wenig auf ihn zu verzichten. Sein erster Profiklub war Africa Sports in Abidjan, von dort kam er 2011 zum FC Thun, alles war neu, alles war anders, aber der damalige Trainer Murat Yakin erkannte sein Talent und liess ihn spielen. Als er unter Yakins Nachfolger Bernard Challandes nicht mehr zum Zug kam, wurde er nach Lausanne ausgeliehen – ein Knackpunkt in Sanogos Karriere. «Ich merkte erstmals so richtig, dass ich mich anpassen muss, in ein Team integrieren und dass es eine Taktik gibt, nach der sich alle richten», sagt er heute. Sanogo musste Experimente mitmachen, kam links und rechts auf dem Flügel zum Einsatz, «wo ich meine Qualitäten natürlich nicht gleich ausspielen kann».

Der Lernprozess zeigte Wirkung, nach eineinhalb Jahren wurde Sanogo zurück ins Oberland beordert. Jetzt stand dort Urs Fischer an der Seitenlinie, der wiederum war sehr angetan von Sanogo. Der Ivorer verpasste kaum mehr ein Spiel, war mit seinen starken Auftritten in der Europa League auch ein Kandidat fürs Ausland, vollzog aber schliesslich den Wechsel zu YB.

Afrikanische Akzente

Mit seinem Stil, der unnachgiebigen Art und seinen Fähigkeiten am Ball ist Sékou Sanogo eigentlich wie geschaffen für die englische Premier League. Sanogo bezeichnet denn auch Manchester Citys Yaya Touré, Rekordspieler der Elfenbeinküste, als Vorbild. «An sein Niveau möchte ich auch einmal herankommen.» Dafür wäre ein Auftritt in der Nationalmannschaft sicher förderlich, die ivorische Auswahl zählt aber zu den stärksten auf dem afrikanischen Kontinent und ist gerade im zentralen Mittelfeld herausragend besetzt – noch wartet Sanogo auf den Anruf von Nationalcoach Hervé Renard.

Zum Anwärterkreis auf einen Mittelfeldplatz in der Nationalmannschaft zählt auch Serey Die. Der Basler Vorkämpfer gleicht Sanogo in vieler Hinsicht, heute (20 Uhr, Stade de Suisse) stehen sich die beiden im Direktduell gegenüber. «Wir haben regen Kontakt, von ihm kann ich viel lernen», sagt Sanogo über den vier Jahre älteren Serey Die. Woher aber kommt die Härte, welche Spieler von diesem Schlag auszeichnet, woher die gleichzeitige technische Beschlagenheit? Wo hat Sékou Sanogo gelernt, einzustecken, wo auszuteilen? «In Abidjan», sagt Sanogo bestimmt. Dort, wo er auch mal dem späteren YB-Akteur Thierry Doubai begegnete, seien die Plätze oft holprig: «Du lernst den Ball unweigerlich besser kontrollieren.» Gleichzeitig wird in Afrika sehr hart gekämpft, etwas, was Sanogo hierzulande auch schon in die Quere kam. «Ich tue mich oft noch schwer mit Entscheiden des Schiedsrichters.» Die eine oder andere Gelbe Karte wegen Reklamieren hat ihm das schon eingebracht. Primär aber setzt Sanogo die Akzente im Spiel. Dort, wo er nie zurückzieht, nie aufgibt.

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