Neue Spieler, neue Hoffnung

Der Abgang von Simone Rapp zu Lausanne war in der Winterpause das grosse Gesprächsthema rund um den FC Thun. Dass die Oberländer dennoch zuversichtlich auf die zweite Saisonhälfte blicken, hängt auch mit den vier Zuzügen zusammen.

Das neue Quartett beim FC Thun: Mittelfeldspieler Karlen, Goalie Nikolic, Verteidiger Joss und Stürmer Schwizer (von links).

Das neue Quartett beim FC Thun: Mittelfeldspieler Karlen, Goalie Nikolic, Verteidiger Joss und Stürmer Schwizer (von links).

(Bild: Patric Spahni)

Dominic Wuillemin

Gregory Karlen: Der Rat des Bruders

Als Gregory Karlen vom Interesse des FC Thun hört, fragt er den Bruder nach Rat: Der Xamax-Stürmer Gaëtan, knapp zwei Jahre älter, war vor drei Jahren für eine halbe Saison im Oberland engagiert, ehe er fortzog, weil er keine Perspektive sah. Dennoch wusste er Gregory nichts Schlechtes zu berichten. Im Gegenteil: Er habe ihm den Wechsel empfohlen, sagt Thuns Nummer 8. Auch weil sein Bruder nur Gutes vom damaligen Assistenten Marc Schneider zu erzählen wusste.

Schneider ist jetzt der Chef und der jüngere Karlen ein Hoffnungsträger, er soll im 4-3-3-System aus dem Zentrum heraus für Torgefahr sorgen. «Ich bin überzeugt, Thun war genau der richtige Schritt», sagt Karlen. Im Wallis hatte er letzte Saison zu den grossen Aufsteigern gehört, Trainer Peter Zeidler setzte auf ihn, unter dem aktuellen Coach Gabri hingegen spielte er keine Sekunde. «Es war eine schwierige Zeit», sagt Karlen. Er ist froh, ist sie vorbei.

«Ich bin überzeugt, Thun war genau der richtige Schritt.»Gregory Karlen

Trainer Marc Schneider sagt: «Vor kurzem wäre seine Verpflichtung für uns utopisch gewesen. Doch als er bei Sion nicht mehr zum Zug kam und ich hörte, es bestehe die Möglichkeit, ihn zu holen, sagte ich: Wir müssen sofort zugreifen. Gregory hat mir stets gefallen, er ist ein sehr intelligenter Spieler, er hat feine Füsse, ein gutes Auge. Er ist prädestiniert für eine der offensiveren Positionen im Dreiermittelfeld.»


Djordje Nikolic: Die Erinnerung an Jakupovic

Djordje Nikolic muss nicht lange überlegen: Ja, er kenne die Geschichte von Eldin Jakupovic, sagt er. Jakupovic hatte 2005 als junger Goalie seine Karriere beim FC Thun lanciert, sie führte ihn bis in die englische Premier League, derzeit ist er bei Leicester engagiert. Geht es nach Nikolic, schlägt er dereinst einen ähnlichen Weg ein.

Das Potenzial dazu wird ihm nachgesagt. 195 Zentimeter gross und breit gebaut, ist der 20-jährige Serbe eine eindrückliche Erscheinung. Zudem sei er für sein Alter schon erstaunlich reif, sagt Goalietrainer Patrick Bettoni. Obwohl Nikolic beim FC Basel erst eine Partie in der Super League bestritten hat, zweifelt niemand daran, dass er die Oberländer auf der Torhüterposition verstärken wird. «Als sich die Möglichkeit ergab, zu Thun zu wechseln, zögerte ich keine Sekunde. Für mich ist es perfekt, dass ich die Möglichkeit erhalte, eine Liga höher zu spielen», sagt Nikolic.

«Als sich die Möglichkeit ergab, zu Thun zu wechseln, zögerte ich keine Sekunde.»Djordje Nikolic

In der Vorrunde war der Goalie vom FC Basel an den FC Schaffhausen verliehen worden, am Montagabend wurde er bei den SFL-Awards ins «Challenge League Dream Team 2017» gewählt. Es soll für den Goalie die erste Auszeichnung von vielen sein.

Trainer Marc Schneider sagt: «Er ist ein Prügel, wenn er kommandiert, hört jeder hin. Er hat viel Potenzial, er muss sich aber beweisen. Das Feedback aus Schaffhausen war sehr gut, er ist lernwillig. Wir erhoffen uns viel von ihm.»


Sven Joss: Die Vermutung des Trainers

Die Antwort kommt sofort und mit Nachdruck: «Ich bin sehr froh, zurück zu sein», sagt Sven Joss. Beim FC Thun startete er vor zwei Jahren durch, in der Rückrunde zählte er zu den Leistungsträgern. Der Lohn: Er wurde von den Young Boys zurückgeholt. Doch in Bern lief es dem 23-Jährigen nicht wie erhofft. «Ich hatte viel Pech, verletzte mich zweimal im dümmsten Moment», sagt er.

Und obwohl er YB bereits im Herbst gern verlassen hätte und in der Vorrunde fast nie spielte, betrachtet er die Zeit nicht als verloren. «So muss ich nicht bereuen, es nicht probiert zu haben», sagt er. Joss kann sowohl hinten rechts wie links spielen, in Thun ist er aber für die linke Seite vorgesehen. Der Wechsel vom Tabellenführer zurück nach Thun erachtet Joss nicht als Rückschritt. «Hier habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden. Das ist schön», sagt er.

«Ich hatte viel Pech, verletzte mich zweimal im dümmsten Moment.»Sven Joss

Trainer Marc Schneider sagt: «Als er uns damals in Richtung Bern verliess, glaubte ich nicht, dass er sich durchsetzen würde. Und zwar nicht seines Potenzials wegen, das ist gross genug für einen Klub wie YB. Aber Sven ist ein zurückhaltender Typ, YB eine andere Welt, da wird mit anderen Bandagen gekämpft. Bei uns blüht er nun wieder auf, er passt vom Typ her perfekt nach Thun. Er muss nun wieder seinen Rhythmus finden, die Freude am Fussball zurückbekommen. Dann wird er uns weiterhelfen, davon bin ich überzeugt.»


Dominik Schwizer: Das Malheur bei der Premiere

Der Auftakt geht gründlich in die Hosen: Gleich in seinem ersten Training beim FC Thun verletzt sich Dominik Schwizer, er fällt mit einer Muskelverletzung den Grossteil der Wintervorbereitung aus. «Ich war nervös, vielleicht verkrampfte ich mich», sagt der 21-Jährige. Mittlerweile ist die Anspannung beim Flügelspieler gelöst. Und nun ist er auch wieder fit, seinem ersten Einsatz in der Super League steht nichts mehr im Weg. Es wäre die vorläufige Krönung seines Aufstiegs.

Vor einem Jahr hatte Schwizer mit Rapperswil-Jona in der Pro­motion League gespielt, im Sommer folgte der Aufstieg in die Challenge League. Bei seinem Stammklub hätte der Zürcher eigentlich noch diese Saison absolvieren sollen, doch nach dem Abgang von Stürmer Simone Rapp zu Lausanne sahen sich die Thuner in der Offensive zum Handeln gezwungen. Es sei im letzten Jahr rasant vorwärtsgegangen, sagt Schwizer, immer noch ein wenig erstaunt. Er soll die Liste von Thuns in den tieferen Ligen eingekauften Trouvaillen verlängern.

«Ich war nervös, vielleicht verkrampfte ich mich.»Dominik Schwizer

Trainer Marc Schneider sagt: «Er hat sich sofort integriert, obwohl er erst nicht mit dem Team trainieren konnte. Dominik arbeitet gut, er hat unheimliches Potenzial. Er erinnert mich in seiner Spielweise an Christian Fassnacht und Renato Steffen. Er ist griffig, abschlussstark. Ich bin überzeugt, wir werden viel Freude an ihm haben.»

Berner Zeitung

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