Nach Rassismus-Skandal: «Deshalb habe ich so emotional reagiert»

Die Diskriminierung von Hertha-Spieler Jordan Torunarigha schlägt weiter hohe Wellen. Der 22-Jährige meldet sich in einem emotionalen Statement erstmals zu Wort.

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Knapp zwei Tage nach dem Rassismus-Eklat im Cupspielzwischen Schalke und Hertha hat sich erstmals der Betroffene selbst geäussert. Berlin-Verteidiger Jordan Torunarigha meldete sich in einem emotionalen Post auf Instagram zu Wort. Er könne solche Äusserungen «von einigen Idioten» in keinster Weise verstehen, schreibt der 22-Jährige.

«Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen», so der Chemnitzer. Im Cupspiel war er unter anderem mit Affenlauten rassistisch beleidigt worden und hatte auf dem Feld anschliessend Tränen in den Augen. Er kenne solche diskriminierenden Situationen aus seiner Jugendzeit, auch seine Eltern seien schon oft beleidigt worden. «Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und darum habe ich so emotional reagiert», schreibt Torunarigha weiter.

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Ich wollte mich zu den Ereignissen nicht aus der Emotion heraus äussern, aber jetzt möchte ich das gerne nachholen. Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äusserungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keinster Weise verstehen. Viele können nicht nachvollziehen, was das bedeutet und was sie damit bei den Menschen anrichten. Ich bin froh, dass ich das Glück habe, so einen Rückhalt durch meine Familie meine Mitspieler und den Verein zu haben! Das haben vielleicht nicht alle in einer solchen Situation. Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt. Meine Eltern wurden beleidigt. Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und deshalb habe ich so emotional reagiert. Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein. Genauso selbstverständlich wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!

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Der Vorfall wirft in der ganzen deutschen Fussball-Welt hohe Wellen. Zahlreiche Clubs und Spieler haben sich inzwischen mit dem 22-Jährigen solidarisiert. «Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!», schreibt beispielsweise Bayern Münchens Jérôme Boateng auf Twitter. «#F%** Racism I am with you my man», teilte dessen älterer Bruder Kevin-Prince mit. Auch Torunarighas früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Bremen spielt, schrieb auf Instagram: «Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism»

Derweil haben verschiedene Instanzen mit der Aufarbeitung des Falls begonnen. Auch die Polizei hat sich eingeschaltet. «Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet», sagte ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen. Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung. Eine Anzeige des Berliner Spielers liege nicht vor, so der Polizeisprecher. Der DFB-Kontrollausschuss hat ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet.

Die beiden Clubs Hertha und Schalke meldeten sich in aller Deutlichkeit zu Wort. «Wir verurteilen jegliche Form von Rassismus auf das Schärfste», wird Sportchef Michael Preetz auf der Hertha-Homepage zitiert. «Wir alle sind in der Pflicht, Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art aus unserer Gesellschaft zu verbannen.»

Die Verantwortlichen bei Schalke versprechen eine lückenlose Aufdeckung der rassistischen Vorfälle. Der Club hat angekündigt, alle Kamera- und Tonaufnahmen aus dem Achtelfinal intensiv zu sichten. Zudem bat der Bundesligist «alle Besucher, die das Spiel aus der Südkurve verfolgt und rassistische Aussagen und Laute vernommen haben, sich zu melden». Aufsichtsratschef Clemens Tönnies versprach, dass man alles daran setze, die Angelegenheit aufzuklären.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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dpa/lai

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