Nach dem Fettnäpfchen ein Glas Rotwein

Lucien Favre begeht nach dem Triumph gegen die Bayern einen kleinen Fauxpas und freut sich auf seine Belohnung.

«Wer ist auf Platz 3?», fragt Lucien Favre die Reporter nach dem Sieg gegen die Bayern und löst damit Gelächter aus. (Video: BVB)
Sebastian Rieder@RiederSebastian

Er konnte es einfach nicht lassen. Immer wieder dieses Grinsen. Lucien Favre genoss das 3:2 gegen die Bayern in vollen Zügen. Weltweit wurde der BVB für einen «magischen Moment» in der deutschen Meisterschaft gewürdigt. «Es war ein verrücktes Spiel – super Werbung für die Bundesliga», sagte Favre, warnte im gleichen Atemzug aber vor zu hohen Erwartungen.

«Wir haben in der Defensive noch viel zu tun. Wir müssen noch viele Sachen korrigieren – auch in der Offensive.» Dass Favre selbst nach einem Triumph gegen den deutschen Rekordmeister nicht in Euphorie verfällt und auf die Bremse tritt, ist typisch. «Wir sind sehr zufrieden, aber vom Titel träumen wir jetzt nicht.» Tag für Tag bis ins Detail versessen und in ständiger Vorsicht – das ist Lucien Favre.

Er unterscheidet sich von seinen Vorgängern wie Peter Bosz, der in Dortmund keinen Zugang zum Team fand und verschlossen wirkte. Er ist trotz seines akribischen Schaffens nicht so steif und steril wie Peter Stöger. Er hat nicht diese Triebhaftigkeit wie Thomas Tuchel, und er ist erst recht kein Sprücheklopfer wie Jürgen Klopp, der den BVB 2011 und 2012 zum Gewinn der Meisterschaft führte.

Aussetzer an der Pressekonferenz

Seit sechs Jahren dominieren die Bayern mit sechs Titeln. Eine Serie, die zu Ende gehen könnte. Sieben Punkte Vorsprung hat Dortmund nach einem Drittel der Meisterschaft, aber dieses Polster ist Favre zu wenig. Der 61-jährige Schweizer bleibt seiner Philosophie treu und bedient die beliebte Sportfloskel: «Wir nehmen Spiel für Spiel.»

Favre kann allerdings auch unterhaltsam sein – wenn auch unfreiwillig. Vor dem geistigen Auge hat er die Tabelle und will an diesem Samstag auf die starken Verfolger des BVB verweisen. «Wir sind Tabellenerster, Gladbach ist Nummer 2», erklärt er und vergisst, wer zu diesem Zeitpunkt auf Platz 3 ist. «Die Bayern», antwortet ein Reporter, während Favre mit seinem Fettnäpfchen ein kleines Gelächter auslöst.

Unangenehm ist ihm dieser Fauxpas nur kurz. Er will an diesem Abend die Bayern nicht noch einmal ärgern, sondern viel lieber auf den Sieg anstossen. «Ich werde heute noch ein Glas Rotwein trinken», sagt Favre und verschwindet später in die Dortmunder Nacht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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