Mvogo ist nicht nur virtuell bereit zum Sprung

Yvon Mvogo absolviert eine starke Saison. Der 22-jährige YB-Torhüter dürfte im Sommer ins Ausland wechseln. Doch wohin? Der Transfer muss mit Bedacht geplant werden.

YB-Goalie Yvon Mvogo über die Cup-Blamage, ärgerliche Gegentore und seine Zukunft im Klub. Video: Michael Bucher
Fabian Ruch

Manchmal vergisst man, wie jung der Kerl ist. Mit 22 stehen Torhüter, die ja bis ins Fussballseniorenalter Topklasse verkörpern können, am Anfang ihrer Karriere. Mit 22 hatte Yann Sommer leihweise Engagements in Vaduz und bei GC absolviert. Bei Basel war noch kein Platz für ihn. Mit 22 hatte Roman Bürki leihweise Engagements bei Thun, Schaffhausen und GC absolviert. Bei YB war kein Platz für ihn. Mit 22 wechselte Diego Benaglio vom zweiten Team Stuttgarts zum portugiesischen Kleinklub Funchal. Bei Stuttgart war kein Platz für ihn.

Yvon Mvogo ist mit 22 weiter als die drei besten Schweizer Torhüter der Neuzeit. Er ist seit drei Jahren Fixkraft beim Schweizer Spitzenklub YB, verfügt dank Partien im Europacup und mit Auswahlteams über jede Menge internationale Erfahrung, ist als Gesamtpaket einer der spektakulärsten, besten Jungkeeper weltweit.

Mvogo ist konstanter geworden, mental stark, stabil, athletisch überragend, mit tollen Reflexen, ein Schrank von einem Sportler. Und er sagt: «Ich habe Fortschritte gemacht, fühle mich dank der wirkungsvollen Arbeit in unserem Goalieteam viel weiter als vor einem Jahr. Vor allem das Positionsspiel ist besser geworden.»

Viele Interessenten

Und so stellt sich für Yvon Mvogo erneut die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Wechsel in eine grosse Liga? Stand heute muss man ihm antworten: Ende Saison! Mvogo ist bereit für den nächsten Schritt in seiner Karriere. «Ich bin immer noch ein junger Torhüter», sagt er, «und lasse alles in Ruhe auf mich zukommen.»

Als man sich erkundigt, ob er mit den Young Boys einen Titel wird feiern können, schmunzelt Mvogo: «Gute Frage. Diese Saison wird das schwierig.» Die Interessenten stehen Schlange bei ihm, wenn man den Gerüchten glauben darf, die zuweilen auch von eifrigen Beratern gestreut werden. «Es gibt immer wieder Angebote», sagt Mvogo dazu.

Der hohe virtuelle Wert

Yvon Mvogo ist immer noch ein freundlicher junger Mann, aber er tritt selbstbewusster auf, im Wissen, welch grandiose Zukunft vor ihm liegt. Als versierter Playstation-Fussballer weiss er, dass er zu den grössten Goalietalenten des Sports zählt. Mvogo erzählt, wie er sich selber einmal im ­Manager-Fifa-Karrieremodus zu Schalke transferiert und gesehen habe, wie er sich ständig verbesserte.

Und Freunde hätten ihm erzählt, sein Spielerwert sei von 75 im Verlauf der Jahre auf 88 gestiegen. «Das ist ein sehr hoher Wert», sagt er. Es bedeutet Weltklasse, besser als 88 sind im Fifa-Game einzig Manuel Neuer, Mvogos Vorbild David de Gea, Hugo Lloris und Thibaut Courtois.

Mvogo möchte die virtuelle Entwicklung real vollziehen. Man spürt im Gespräch, dass der Torhüter das Gefühl hat: Ich bin so weit! Einmal sagt er: «Ich bin nun recht lange die Nummer 1 hier.» Später meint er: «Wir müssen die beste Lösung finden für alle. YB soll finanziell profitieren, wenn ich gehe.» Und schliesslich: «Ich denke, ich bin reif und gut genug für eine grosse Liga.»

Zwischen Freiburg und Arsenal

Junge Fussballer müssen sich einen Wechsel ins Ausland reiflich überlegen, manch einer ging zu früh und scheiterte. Insbesondere für Torhüter ist die Situation noch komplizierter, weil sie im Reifeprozess stehen – und auf ihrer Position nur einer spielt. Es gilt, den nächsten Arbeitgeber mit Bedacht auszuwählen.

Mvogo begegnet dieser Ausgangslage mit einer Mischung aus Selbstvertrauen und Demut. Der oft gehandelte SC Freiburg sei zwar ein «interessanter, starker, gut geführter Klub», meint der 22-Jährige. «Aber ist YB schwächer? Zumal wir regelmässig im Europacup spielen.» Das sei auch in Zukunft sein Anspruch.

Doch Mvogo ist vernünftig genug, zu wissen, wo seine Grenzen liegen. «Zu einem Klub wie Arsenal zu gehen, wäre heikel, falls ein Angebot überhaupt kommen würde», sagt er. «Ich bin realistisch. Dort wäre ich kaum die Nummer 1.» Möglicherweise, schiebt Mvogo nach, sei er in drei, vier Jahren bei entsprechender Entwicklung bereit für einen europäischen Topklub.

Yvon Mvogo weiss genau, dass er nach einem Wechsel ins Ausland nicht mehr der Klubjunior wäre, der auch mal einen Fehler begehen darf. Vermutlich wäre ein sehr gehobenes Mittelklasseteam ideal für ihn, spontan fällt einem RB Leipzig ein. Zumal dort nächste Saison wohl sogar die Champions-League-Hymne zu hören sein wird.

Das aussergewöhnliche und ambitionierte Leipziger Projekt, mit jungen, talentierten Akteuren das Establishment herauszufordern, würde zu Mvogo passen. Und RB-Goalie Peter Gulacsi ist kaum stärker. «Klar könnte das spannend sein. In Leipzig wird hervorragend gearbeitet», sagt er. Mvogo holt den grossen Fussball nicht nur auf der Playstation in seine kleine Wohnung im Breitenrain, wo er allein lebt, sondern auch am TV.

Ziel: Schweizer Nummer 1

Vorerst aber, das ist Mvogo sehr wichtig zu betonen, gehe es mit YB darum, Rang 2 zu verteidigen. Er sei immer noch schockiert, wie die Young Boys im Cup-Viertelfinal gegen Winterthur verloren hätten. «Das war richtig schmerzhaft.» Die vielen Gegentore seit der Winterpause ärgern ihn, es gelte, die individuellen Fehler abzustellen. Die patzernden Vorderleute haben Mvogo immerhin ermöglicht, die eine oder andere hübsche Parade zu zeigen.

Nach einem Transfer ins Ausland könnte zudem Mvogos grosser Wunsch in Erfüllung gehen, Nummer 1 im Nationalteam zu sein. «Ich habe mich für die Schweiz und gegen Kamerun entschieden, obwohl die Konkurrenz besser ist.» Er schwärmt von Klasse und Konstanz der Bundesligagrössen Yann Sommer (Gladbach) und Roman Bürki (Dortmund) und sagt: «Sie haben sich bei Topklubs bewiesen.» Mvogo, heisst es in der Branche, besitze noch mehr Potenzial als die besten Schweizer Keeper.

Wenn Yvon Mvogo ins Ausland wechselt, stünden bei YB schon drei Torhüter in den Startlöchern, um den Posten zu übernehmen:

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Berner Zeitung

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