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Mit King Roger zum Tennisresultat

Die Young Boys verabschieden sich beim 6:1-Heimsieg gegen St. Gallen mit einer Galavorstellung in die Länderspielpause. Roger Assalé ist beim Tabellenführer die grosse Figur.

Was für glanzvoller Sieg: Die Young Boys schicken am Sonntag (1.10.2017) St. Gallen mit einem Tennisresultat nach Hause.
Was für glanzvoller Sieg: Die Young Boys schicken am Sonntag (1.10.2017) St. Gallen mit einem Tennisresultat nach Hause.
Christian Pfander
YB zementiert damit seine Leaderposition und führt nun mit sechs Punkten Vorsprung in der Tabelle.
YB zementiert damit seine Leaderposition und führt nun mit sechs Punkten Vorsprung in der Tabelle.
Christian Pfander
Freude bei YB: Kevin Mbabu und Jean-Pierre Nsame.
Freude bei YB: Kevin Mbabu und Jean-Pierre Nsame.
Christian Pfander
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Darf man nach einem 6:1-Sieg mit fünf verschiedenen Torschützen einen Spieler herausheben? Man darf. Gestatten: Roger Assalé, ivorischer Wirbelwind, St. Galler Albtraum, Berner Überfigur. Kurz: King Roger.

Vor dem Spitzenduell am Sonntag gegen St. Gallen hat der 23-Jährige in sechs von sieben Partien getroffen. Einzig beim 1:1 im Heimspiel gegen Partizan Belgrad blieb er ohne Torerfolg. Gegen St. Gallen läuft die dritte Minute. Assalé übernimmt am Flügel den Ball, er macht eine Finte, eine zweite, eine dritte, der Stürmer lässt zwei Verteidiger stehen und schiesst den Ball wuchtig ins rechte Toreck.

Ein Traumtor gleich zu Spielbeginn: Roger Assalé markiert das 1:0. Quelle: SRF

Der Treffer ist aussichtsreicher Kandidat für das Tor des Jahres. Und ein passender Auftakt zu einer enorm spektakulären Partie, die zuweilen begeistert, oft mitreisst und nie langweilt. Als Christian Fassnacht 73 Spielminuten später für YB herrlich zum 6:1 trifft, erheben sich die meisten der 20'098 Zuschauer nicht zum ersten Mal zu stehenden Ovationen.

Der Schlusspunkt in der 76. Minute: Christian Fassnacht trifft von der Strafraumgrenze zum 6:1. Quelle: SRF

Es ist ein Resultat wie im Tennis, eine Machtdemonstration. Die Young Boys liegen nach zehn Runden sechs Punkte vor dem FC Zürich und bereits acht vor dem FC Basel. Die vier Super-League-Partien seit der letzten Länderspielpause haben die Berner mit einem Gesamtskore von 14:2 gewonnen. Sie befinden sich in meisterlicher Form.

Mbabus Bewerbung

Hätte Christian Fassnacht zuvor ähnlich zielsicher agiert wie beim 6:1, ein Stängeli – also zehn Tore – wäre im Bereich des Möglichen gelegen. Und das im Spiel Erster gegen Zweiter. «Ein Supertag für uns, den Klub, die Fans. Wir können sehr zufrieden sein», sagt Rechtsverteidiger Kevin Mbabu. Der 22-Jährige trat einmal mehr dominant auf, kurz nach der Pause erzielte er das 2:0, eine Viertelstunde später bereitete er das 4:1 von Jean-Pierre Nsame vor. Mbabus Bewerbungsschreiben für Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist um einige Argumente länger worden.

Gleich nach dem Seitenwechsel staubt Kevin Mbabu nach einem Corner zum 2:0 ab. Quelle: SRF

Das 4:1 in der 61. Minute durch Jean-Pierre Nsame. Quelle: SRF

Darf man dennoch Roger Assalé herausheben? Man darf.

Assalés Aufgedrehtheit

Als Steve von Bergen nach der Partie gefragt wird, ob dieses Resultat Trainer Adi Hütters intensive Rotation beim 1:1 am Donnerstagabend in Albanien gegen Skënderbeu rechtfertige, sagt der Captain: «Roger hatte ja offensichtlich gute Beine.» Von Bergen meint dies nicht als Kritik am Trainer. Er will damit sagen, dass alles auf verschiedene Weisen interpretiert werden kann.

Denn: Roger Assalé war einer der wenigen YB-Stammspieler, die schon in der Europa League in der Startelf standen. Doch von Müdigkeit ist beim Ivorer am Sonntag nichts zu sehen, er agiert wie aufgedreht. In fast jeder Berner Offensivaktion hat er seine kleinen Füsse im Spiel. Assalé erzielt in der 55. Minute das 3:1, nachdem die St. Galler kurz zuvor nach einem Elfmetertor von Danijel Aleksic zum Anschlusstreffer gekommen sind. Schiedsrichter Fedayi San taxierte eine Intervention Mbabus fälschlicherweise als Foul.

Da witterten die St. Galler kurz Morgenluft: Danijel Aleksic verwandelt den geschenkten Penalty zum 2:1. Quelle: SRF

Starke Reaktion von YB: Zwei Minuten nach dem St. Galler Anschlusstreffer stellt Roger Assalé die Zwei-Tore-Führung wieder her. Quelle: SRF

Das 3:1 Assalés ist wegweisend, erneut sehr sehenswert und der Auftakt zum YB-Schaulaufen. Während der nächsten 20 Minuten spielen die Berner die Gäste an die gelb-schwarze Wand. Nsame, Kasim Nuhu und Fassnacht verdoppeln in dieser Zeitspanne die Torausbeute. «Es war beeindruckend, wie wir in dieser Phase spielten», sagt Hütter. Der Sieg sei auch in dieser Höhe verdient, meint der YB-Coach.

Mit einer Eckballvariante kommt YB zum 5:1 – es ist der zweite Saisontreffer für Verteidiger Kasim Nuhu. Quelle: SRF

Continis Einwand

Neben ihm sitzt St. Gallens Trainer Giorgio Contini. In seiner Zeit beim FC Vaduz hat der 43-Jährige gelernt, hohe Niederlagen zu erklären. Am Sonntag kommt er bald einmal auf die «Schlüsselszenen» zu sprechen. Er meint das 2:0 Mbabus, dem ein nicht absichtliches Handspiel von Assalé vorausgegangen war. Contini wertet den Treffer als irregulär. Zu reden gibt zudem eine Aktion aus der ersten Halbzeit, als Assalé seinem Gegenspieler Alain Wyss den Arm ins Gesicht schlug. «Da hatten wir Glück, dass es der Schiedsrichter bei einer Gelben Karte beliess», sagt Adi Hütter.

Hätte der Schiedsrichter die Szene als Tätlichkeit taxiert, Roger Assalé wäre nun womöglich der Depp. Und nicht King Roger.

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