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Mit Kampf und Leidenschaft

Die Schweiz trifft in den WM-Playoffs auf Nordirland. Sie wird klar favorisiert sein, muss sich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 gegen einen bissigen, robusten Gegner aber erarbeiten.

Fabian Ruch
Die zwei grössten Figuren Nordirlands: Trainer Michael O'Neill und sein Captain Steven Davis von Southampton.
Die zwei grössten Figuren Nordirlands: Trainer Michael O'Neill und sein Captain Steven Davis von Southampton.
Getty Images
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Die Schweiz kann Losglück.

Gleich in der ersten Paarung der WM-Playoffs wurde das Nationalteam am Dienstag Nordirland zugelost. Dem schwächsten der vier möglichen Gegner. Nordirland also, der Aussenseiter, dessen Personal vornehmlich bei zweit- und drittklassigen Vereinen in England engagiert ist. Nicht Irland, das eine Spur kompetitiver als Nordirland ist und auf Dänemark trifft. Und nicht das defensivstarke Griechenland, das in einer feurigen Affiche gegen Kroatien antritt.

Und schon gar nicht die sehr soliden Schweden, die Italien fordern. Das Los meinte es am Dienstag besonders gut mit den Schweizern, die am 9. November um 20.45 Uhr zuerst in Belfast antreten dürfen, ehe sie drei Tage später ab 18 Uhr zu Hause im Basler St.-Jakob-Park die WM-Teilnahme 2018 sicherstellen können.

Petkovics Warnung

Natürlich warnten die Schweizer Protagonisten sofort vor der letzten Hürde auf dem Weg an die WM. Auf «50:50» bezifferte Vladimir Petkovic die Chancen, was für den Nationaltrainer spricht, weil er bei den Seinen keinerlei Überheblichkeit zulassen darf. Seine Rechnung entspricht aber nicht ganz der Wahrheit, weil die Schweizer als Beinahe-Stammgast an grossen Turnieren seit 2004 selbstredend der klare Favorit sind gegen einen Gegner, der letztmals 1986 an der WM dabei war. Und dessen Team grösstenteils aus Akteuren besteht, die in der Schweiz niemals für die Auswahl selektioniert würden.

Der Marktwert des Kaders Nordirlands beträgt knapp ein Fünftel von jenem der Schweizer, die fast ausnahmslos in grossen Ligen engagiert sind – und von sich selber erwarten, an einer WM den Achtelfinal zu überstehen. Petkovic rechnet gegen die Nummer 23 der Fifa-Weltrangliste mit einer tückischen Auseinandersetzung. «Wir müssen vergessen, was war», sagte Petkovic, «es geht bei null los.» Die bis auf den bitteren Abschluss in Portugal makellose Qualifikationsphase seines Teams interessiert nicht mehr. Vielleicht hat es sich damit aber immerhin das Losglück verdient.

Auch die Nordiren legten eine beeindruckende Kampagne hin. In einer deutlich besser und ausgeglichener besetzten Gruppe als die Schweizer holten sie zwar nur 19 und nicht 27 Punkte, aber sie liessen kriselnde Nationen wie Tschechien und Norwegen hinter sich. Die robusten Defensiv­experten erhielten in sieben Partien keinen Treffer, einzig Weltmeister Deutschland gelang es, ein Tor gegen Nordirland zu erzielen. Beim 0:1 in Norwegen unterlief den Nordiren ein Eigentor. Spielerisch sind sie bieder, ihrem Fussball fehlt es an Kreativität, aber sie agieren kampfstark und emsig. «Mit der Spielweise, die sie pflegen, können sie unangenehm sein», sagte Petkovic.

Physisch, mit langen Bällen

Vor einem Jahr erreichte Nordirland an der ersten EM-Teilnahme wie die Schweiz immerhin den Achtelfinal, scheiterte dort am späteren Halbfinalisten ­Wales 0:1. Trainer Michael O’Neill hat die Abwehrarbeit seines Ensembles stark verfeinert, zudem sind die Nordiren bei Standardsituation gefährlich. Insbesondere im Windsor Park in Belfast dürfte auf die Schweiz vor lauter Kulisse ein anstrengender Abend warten. O’Neill lieferte am Dienstag schon mal verbal einen Vorgeschmack auf bestimmt unterhaltsame Begegnungen: «Die Schweiz wird in Belfast leiden müssen. Wer neunmal gewonnen hat und sich nicht für die WM qualifiziert hat, für den werden die Playoffs hart sein.»

Für diese talentierte helvetische Mannschaft werden die Duelle mit Nordirland zur Reifeprüfung. Sie müssen sich das WM-Ticket erarbeiten und beweisen, auch mental jenes Spitzenteam zu sein, dass sie sein wollen. «Das werden zwei tolle Spiele», meinte Granit Xhaka. Und der Schweizer Stratege weiss genau, was auf sein Team wartet: «Ich habe das Spiel Nordirlands gegen Deutschland gesehen. Sie agieren sehr physisch, mit vielen langen Bällen.»

Die Erinnerung an 2005

In der Premier League trifft Xhaka mit Arsenal selten nordirische Fussballer an. Für die Premiumklasse Englands ist deren Qualität zu gering. Nordirland überzeugt als Kollektiv, unterstützt von begeisterungsfähigen Fans.

Bei ihrer bisher einzigen WM-Playoff-Teilnahme 2005 setzte sich die Schweiz übrigens in zwei legendären, umstrittenen Begegnungen gegen die Türkei durch (2:0 in Bern, 2:4 in Istanbul). Die Schweiz kann also WM-Playoffs.

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