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Mit frischem Blut und neuem Mut

Der FC Zürich verpflichtete einen Abwehrchef sowie einen Torjäger und setzt auf die Fortschritte seiner jungen Spieler. Das Ziel bleibt der Europacup.

Zwei Neue mit grossen Zielen vor Augen: Armando Sadiku (l.) und Ivan Kecojevic beim Training in Schwamendingen.
Zwei Neue mit grossen Zielen vor Augen: Armando Sadiku (l.) und Ivan Kecojevic beim Training in Schwamendingen.
TA/Dieter Seeger

Urs Meier ist bestens gelaunt in diesen Tagen. Er lacht und spasst, wirkt locker und entspannt. Dem heutigen Start in die Rückrunde schaut er erwartungsfroh entgegen. Er sagt: «Für den FCZ ist in diesem Frühling sehr viel möglich.»

Für den Moment ist Meier ein Trainer ohne grössere Sorgen. Einzig der Ausfall der langzeitverletzten Nef, Chermiti und Maurice Brunner passt ihm nicht ins Konzept. Aber: Das Trainingslager an der türkischen Riviera war ein Erfolg, die Mannschaft arbeitete hart und konzentriert, die Stimmung war durchwegs gut, in den fünf Testspielen gab es nur Siege. Meier hat daraus eine Erkenntnis gewonnen: «Wir sind bereit für die Meisterschaft – und in viel besserer Verfassung als vor einem Jahr.»

Damals hatte der FCZ eine ernüchternde Hinrunde hinter sich, mit der fristlosen Entlassung von Trainer Rolf Fringer und dem Abgang des langjährigen Sportchefs Fredy Bickel zu YB. Meier erinnert sich: «Ich übernahm kurz vor der Winterpause eine völlig verunsicherte Mannschaft.» Es gelang ihm innert kürzester Frist, sie zu stabilisieren, der FCZ wurde zur Überraschung der Rückrunde, er gewann nur einen Punkt weniger als Meister Basel und verbesserte sich vom 9. auf den 4. Rang. Nun erklärt Meier: «Der 4. Platz liegt für uns auch in dieser Saison noch drin.» Er würde zur Teilnahme an der Europa League berechtigen, die bereits zu Saisonbeginn als Ziel deklariert wurde. «Davon rücken wir nicht ab», sagt Meier, «auch nicht nach dieser doch eher mässigen Vorrunde.»

Die Gründe des Auf und Ab

Die Zürcher liegen nur auf Platz 7, aber wenigstens haben sie fünf Punkte mehr als vor einem Jahr. Meier glaubt, die Ursachen zu kennen für die bisher mangelnde Konstanz. Der FCZ konnte nie zwei Spiele hintereinander gewinnen und zu Hause insgesamt nur drei von neun, er stellte die drittschwächste Abwehr der Liga. Der Trainer sagt: «Mit Nef und Benito schleppten sich zwei Schlüsselspieler für die Defensive über Wochen angeschlagen von Spiel zu Spiel, dazu fiel Rikan zweieinhalb Monate verletzt aus.» Für Meier ist der Israeli im Mittelfeld unverzichtbar, ein Leader, den er martialisch auch schon als «Krieger» bezeichnet hat, an dem sich alle anderen orientieren könnten.

Ein Hüne und ein Goalgetter

Rikan und Benito starten heute gegen Sion beschwerdefrei in die Rückrunde, Nef aber wird nach seiner Operation an der Achillessehne diese Saison kaum mehr zum Einsatz kommen. Seine Stelle nimmt Ivan Kecojevic ein, der zuletzt in der höchsten türkischen Liga bei Gaziantepspor spielte. Für den Technischen Direktor Marco Bernet ist der 25-jährige Nationalspieler aus Montenegro «eine Persönlichkeit mit beeindruckender Präsenz und Ausstrahlung». Meier sieht in ihm den neuen Abwehrchef. Und Kecojevic, ein Hüne von 1,91 m, sagt: «Auf dem Platz rede ich gern und viel, daneben aber bin ich ein ruhiger Typ.»

Mit dem FCZ will er «nach oben», wie er sich ausdrückt. Gleiches hat Armando Sadiku im Sinn, der zweite Zuzug, der mit Locarno und Lugano zweimal bester Torschütze der Challenge League war. «Er ist ein Strafraumspieler, ein Knipser», sagt Meier, «beidfüssig, mit einem guten Schuss, stark im Abschluss.» Allerdings habe er noch Probleme mit dem höheren Rhythmus in der Super League. «Das wird sich mit der Zeit geben», entgegnet Sadiku. Das Ziel des 22-Jährigen aus Albanien, auch er Nationalspieler, ist klar: «Einen Stammplatz erarbeiten.»

Das Kader steht

Mit den beiden Zuzügen sind die Transferaktivitäten beendet. «Das Kader steht», sagt Bernet. Es umfasst 28 Spieler, dazu gehören nach wie vor Chikhaoui, Teixeira und Kukuruzovic, deren im Sommer auslaufende Verträge nicht erneuert werden. Falls sie vorzeitig einen neuen Verein finden sollten, würde ihnen der FCZ keine Steine in den Weg legen. Es käme dem Club sogar gelegen, die Grossverdiener Chikhaoui und Teixeira schnell loszuwerden. Noch nicht entschieden ist, was mit Glarner und Brunner geschieht. Auch ihre Verträge laufen im Juni aus. Bernet sagt: «Wir wollten eine massvolle Blutauffrischung einleiten, aber wir streben keine radikale Veränderung an.» Die Substanz des Kaders hält auch er für gut genug, um sich in der Rückrunde nach vorne arbeiten zu können.

Acht Punkte beträgt der Rückstand auf GC und Platz 4. «Das ist viel, aber wir können das aufholen», sagt Meier. Er ist von der Qualität seiner Mannschaft angetan und stellt bei vielen Spielern markante Fortschritte fest. Einige der Jungen wie Mariani oder Djimsiti hätten an Persönlichkeit und Statur gewonnen und im Verlauf des letzten Jahres einen Schritt nach vorn gemacht; und Buff werde seinem Renommee als U-17-Weltmeister allmählich doch gerecht.

Buff dürfte mit Kukeli um den Posten im zentralen defensiven Mittelfeld kämpfen und vorerst klar im Vorteil sein. Der Albaner hat nach einem Beinbruch und einjähriger Pause seine beste Verfassung noch nicht wieder erlangt. Kukelis Zeit komme noch, ist Meier überzeugt. Genau wie jene von Chiumiento, der in der Vorrunde unter Wert spielte; oder von Gavranovic, der aus der Rückversetzung in den Nachwuchs wegen eines Ausrasters gegen Assistenztrainer Rizzo offenbar gelernt hat. Meier sagt: «Gavranovic will an die WM, er muss sich mit guten Leistungen im Club bei Hitzfeld aufdrängen. Es könnte sein Jahr werden.»

Der Cup als grosse Chance

Meier ist zuversichtlich, er sieht nach seinem ersten Amtsjahr eine positive Entwicklung, eine Aufwärtstendenz. «Der FCZ lebt, die Mannschaft ist gewachsen und gereift.» Auch deshalb ist er überzeugt, dass sie gut genug ist, um die Europa League zu erreichen – falls nicht über die Meisterschaft, dann über den Cup. Am 26. März heisst der Gegner im Halbfinal im Letzigrund Thun. «Dann ist nur der Sieg gut genug», sagt Meier.

Er will in den Final, unbedingt. Doch für den Moment zählen für ihn nur die Gegenwart, die Super League und der erste Gegner Sion. Meier fordert von seiner Mannschaft einen überzeugenden Auftritt. «Drei Punkte sind Pflicht», sagt er – und lächelt entspannt.

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