Mianis Kraftakt im Brutofen

Ein Treffer in der allerletzten Minute hat das Derby in der Promotion League zwischen Köniz und Breitenrain entschieden. Ein Kraftakt von Cristian Miani brachte Köniz einen 2:1-Sieg.

Schuss ins Glück: Cristian Miani erzielt in der Nachspielzeit das 2:1 für Köniz.

Schuss ins Glück: Cristian Miani erzielt in der Nachspielzeit das 2:1 für Köniz.

(Bild: Manuel Zingg)

Adrian Lüpold

So sieht der pure Siegeswille aus: Nochmals pressen, auch wenn es sinnlos erscheint. Ein letztes Mal den inneren Schweinehund überwinden und den gegnerischen Verteidiger attackieren, um ihn doch noch zu einem Fehler zu verleiten.

Die 94. Minute im Derby zum Auftakt der Promotion League zwischen Köniz und Breitenrain brach an, als der Könizer Einwechselspieler Cristian Miani einen letzten Kraftakt vollbrachte und seine Siegermentalität zur Schau stellte. Mit kleinen, schnellen Schritten verfolgte er Loris Lüthi. Und tatsächlich verlor Breitenrains Aussenverteidiger die Kontrolle. Er versuchte zwar zu klären, vertändelte den Ball aber leichtfertig. Im Stil einer Wühlmaus schnappte sich Miani, der in den letzten Jahren meistens zum Stamm beim FCK gehört hatte, die verwaiste Kugel, rannte auf und davon. Er drang in den Sechzehner ein, umkurvte noch einen Breitenrain-Verteidiger und markierte mit Nachdruck aus kurzer Distanz den umjubelten 2:1-Siegtreffer in einem Derby, das lange Zeit von der Spannung und der schönen Kulisse (950 Zuschauer) gelebt hatte.

«Da war eine gehörige Portion Wut dabei», sagte Miani nach Spielschluss, «denn natürlich hätte ich viel lieber von Anfang an gespielt.» «Immerhin», erzählte der 25-jährige Italoschweizer, «machte mir die Hitze nichts aus, weil ich zuvor lange auf der Bank sass. So konnte ich auch am Schluss ohne Probleme pressen.»

Brutofen Liebefeld

Die derzeit viel diskutierte Hitzewelle: Je länger das Spiel dauerte, desto mehr schien sie das Geschehen auf dem stumpfen Rasen zu beeinflussen. Denn was flott und aus Sicht von Breitenrain verheissungsvoll mit dem Führungstor durch Miroslav Konopek (6.) begonnen hatte, verkam im zweiten Halbzeit im Brutofen Liebefeld – verständlicherweise – zu einem müden Kick mit fast keinen Torchancen. Die Musik hatte nur in der ersten Halbzeit gespielt, und da konnte Köniz zunächst nicht kaschieren, dass gewisse Automatismen im stark veränderten Team noch nicht stimmten.

Der FC Breitenrain, bei dem der Ex-Thuner Enrico Schirinzi im linken Couloir ein diskretes Debüt zeigte, agierte eine Spur vifer als die Gastgeber und hätte mit mehr Effizienz auch 2:0 führen können. «Die erste halbe Stunde spielten wir gut, darauf können wir aufbauen», sagte FCB-Neosportchef Roland Truog, den der 1:1-Ausgleich kurz vor der Pause noch mehr ärgerte, als der späte Fehler, der zu Mianis Siegtreffer führte. «Der Ausgleich nach einem Eckball sollte so nicht passieren», meinte Truog.

Einen Corner für Köniz (41.) konnte der FCB nur ungenügend klären, und auch bei der zweiten Flanke wirkte die Abwehr unkonzentriert. Über Umwege landete der Ball beim Könizer mit dem schillerenden Namen Adjej Luther-King. Und der Zuzug von La Chaux-de-Fonds hämmerte den Ball zum 1:1 fast schon pastoral ins Netz. Ein Ausgleich, der lange Bestand hielt – bis zu Mianis Exploit.

«So ein Sieg kann viel Positives auslösen, ist fürs Selbstvertrauen super», sagte Matchwinner Miani. Obgleich bei den Vorstädtern noch nicht alles klappte: Es war ein Sieg, der letzlich auch mit der Qualität im Kader zu tun hatte. Denn längst nicht jede Equipe in der Promotion League verfügt über Spieler mit der Klasse und dem Siegeswillen eines Cristian Miani.

Berner Zeitung

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