Marc Schneider: «Der ganze Klub ist erleichtert»

Das 1:1 als Interimscoach 2015 gegen Vaduz und die drei Niederlagen in dieser Saison waren Marc Schneiders (37) Bilanz als Super-League-Trainer – bis zum 4:0 in Bern.

Marc Schneider über das «Husarenstück» seiner Schützlinge.
Peter Berger@PeterBerger67

Wie haben Sie geschlafen?Marc Schneider:Ich schlafe immer gut, das war schon als Spieler so. Ein einziges Mal konnte ich kein Auge zumachen – als wir im Cuphalbfinal mit dem FCZ 5:2 führten und am Ende noch 5:6 gegen GC verloren haben.

Wie gross ist die Erleichterung? Gross, der ganze Klub ist erleichtert, steht die Null nicht mehr, und haben wir endlich die ersten Punkte auf dem Konto.

Für Sie ist es der erste Sieg als Super-League-Trainer. Umso schöner fühlt es sich an, dass er gleich bei einem Derby in Bern zustande kam, wo wir seit gefühlten 25 Jahren nicht mehr gewonnen hatten.

Es war der erste Thuner Sieg in Bern seit April 2013, aber es ist der höchste Sieg über YB in der Geschichte, bisher war das 3:0 aus dem Jahr 2004 die Best­marke. Das ist speziell und uns allen bewusst. Deshalb dürfen wir uns den ganzen Donnerstag darüber freuen. Aber dann reicht es. Schliesslich wissen wir alle, dass es ein Sieg war, nicht mehr und nicht weniger.

Verteidiger Nicolas Bürgy sprach von einer kleinen Sensation, stufen Sie den Erfolg auch als solche ein? Man darf das schon so bezeichnen, weil es noch nie ein 4:0 gab. Dazu in Bern, wo YB zuletzt derart hervorragend aufgetreten ist.

Sie haben nach der Niederlage gegen Basel die Spieler in die Pflicht genommen, das hat gewirkt. Die Mannschaft hat das hervor­ragend umgesetzt. Ich muss den Spielern ein Kompliment machen, denn letztlich stehen sie auf dem Feld und müssen es richten. Sie spielten mit grosser Leidenschaft. Sie jubelten sogar zweimal, als ein Gegentreffer verhindert werden konnte. Solche Szenen zeigen mir, dass da eine gesunde Truppe am Werk ist.

Nach Ihrem umgesetzten Appell haben Sie nun den Beweis, dass Sie die Mannschaft als Trainer im Griff haben? Daran zweifelte ich schon vorher nicht. Vielmehr ist es ein Beweis für die Spieler. Sie haben gesehen: Wenn wir unsere Werte leben, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance; auch auswärts beim starken YB, das zuvor neun Punkte und 9:0 Tore aufwies.

Sie sagen, Sie hätten nie gezweifelt. Wurden Ihnen kritische Stimmen zugetragen? Das muss ich nicht hören. Ich weiss doch, dass es viele gibt, die sagen, was wollen die denn mit einem so jungen und unerfahrenen Trainer. Diese Stimmen werden bei Niederlagen auch immer wieder auftauchen.

Zurück zum Spiel. Haben Sie gewusst, wie die erste Corner­variante aussehen wird? Ja, das wusste ich. Man muss zur YB-Kopie jedoch sagen, dass wir die Ausführung schon in der Vorbereitung geübt haben. Matteo Tosetti hatte die Variante bei Napoli abgeschaut. Er ist der Kopf einer Gruppe von fünf, sechs Spielern, die den Auftrag hat, nach Standardvarianten Ausschau zu halten. Deshalb freut es mich umso mehr, hat diese Variante nun geklappt.

Ihre Arbeit dürfte nach diesem viel beachteten Coup nicht einfacher werden, Sie müssen die Spieler auf dem Boden behalten. Die Gefahr, dass wir abheben, ist klein, wir haben ja erst drei Punkte. Wenn wir gegen Lausanne nicht nachlegen können, war dieser Sieg nicht viel wert. Aber er kann die Messlatte sein und hat gezeigt, zu was wir fähig sind, wenn wir alles in die Waagschale werfen. Ich habe schon vorher gesagt, dass die ungenügende Halbzeit gegen Basel ein Schlüssel­moment sein könnte, wenn wir die Lehren daraus ziehen.

Vor der Meisterschaftspartie gegen Lausanne steht die Cuppartie gegen Payerne aus der 2. Liga interregional an. Diese Mannschaft werden wir ­bestimmt nicht unterschätzen, schliesslich wissen wir noch sehr gut, was im letzten Jahr passiert ist, als wir in der ersten Runde gegen Kriens verloren haben.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt