FC Thun: Mahnfinger und Kampfansage

Die Partie am Sonntag zwischen dem FC Thun und dem FC Basel ist überraschend zum Verfolgerduell geworden. Die Thuner geben sich selbstbewusst, wissen aber auch, was besser werden muss.

Formstark: Grégory Karlen hat in den letzten beiden Partien getroffen. Reüssiert er auch in Basel?

Formstark: Grégory Karlen hat in den letzten beiden Partien getroffen. Reüssiert er auch in Basel?

(Bild: Keystone)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Fünf Spiele, sieben Punkte. Der Saisonstart des FC Thun ist geglückt, hätte aber, und das erwähnen die Verantwortlichen immer wieder, noch besser ausfallen können. Wenn die Auftaktpartie gegen den FCZ nicht verloren gegangen wäre oder wenn am letzten Sonntag Lugano besiegt worden wäre. «Es wäre mehr drin gelegen», sagt denn auch Thun-Trainer Marc Schneider, dem bei seiner Mannschaft in einzelnen Phasen die Überzeugung gefehlt hat, eine Aktion konsequent und erfolgreich zu Ende zu spielen.

Dass die Welt des FC Thun dieser Tage dennoch positiv gefärbt ist, hat vorab mit der Spielweise der Oberländer zu tun; offensiv, attraktiv, mit schnellen Gegenstössen und aktivem Verteidigen. Das Onlineportal Leading-sport.com hat vor kurzem ausgerechnet, dass die Thuner am meisten Schüsse in der Super League verzeichnen, und sie deshalb zum dominantesten Team der ganzen Liga gekürt. Alles eitel Sonnenschein also?

Fehlende Balance

Captain Dennis Hediger, das personifizierte Gewissen der Thuner, hebt den imaginären Mahnfinger. «Wir müssen die Balance finden zwischen Offensive und Defensive. Es bringt nichts, wenn wir viele Torchancen kreieren, aber gleichzeitig hinten auch viel zulassen.»

Tatsächlich haben es die Oberländer in dieser Saison noch nie geschafft, zu null zu spielen – ein Manko, dass sie bisweilen mit ihrer starken Offensivreihe um Marvin Spielmann, Matteo Tosetti und Dejan Sorgic aufzufangen wissen, immer vermag die Offensivkraft die defensiven Unzulänglichkeiten nicht auszugleichen. «Wir wissen, dass wir nach vorne viel Qualität haben, und das gibt uns viel Selbstvertrauen», sagt Hediger.

«Wir wissen, dass wir nach vorne viel Qualität haben, und das gibt uns viel Selbstvertrauen.»Dennis Hediger

Selbstvertrauen, das sie auch ins Auswärtsspiel am Sonntag (16 Uhr) in Basel mitnehmen. Die Reise in den St.-Jakob-Park war in den letzten Jahren selten eine, die für ebendieses Selbstvertrauen besonders erbaulich gewesen wäre – das letzte Aufeinandertreffen ging Ende April dieses Jahres gleich mit 1:6 verloren.

Es gibt jedoch etwas, das dieses Mal anders ist als bei den meisten anderen Partien der jüngeren Vergangenheit: Der FC Thun hat momentan nur einen Punkt weniger auf dem Konto als der FC Basel. Es ist aus Sicht der Berner Oberländer eine schöne Momentaufnahme, die eine Begegnung, in der sich in den letzten Jahren stets zwei punktemässig klar getrennte Teams gegenübergestanden waren, unverhofft zum Verfolgerduell um Platz 2 werden lässt. Während die Thuner im letzten Jahr nach fünf Spieltagen nämlich vier Punkte Rückstand auf die Basler aufwiesen, waren es in den Jahren zuvor sogar zehn beziehungsweise zwölf.

«Die einzige ­Tabelle, die zählt, ist diejenige am ­Saisonende.»Andres Gerber

«Die einzige Tabelle, die zählt, ist diejenige am Saisonende», sagt Andres Gerber. «Wir dürfen uns nicht täuschen lassen.» Der Sportchef weiss, wie schnell sich im Fussball die Kräfteverhältnisse ändern können. Er war als Spieler dabei, als die Thuner im September 2004 nach einem Heimsieg gegen den FCB auf dem Rathausplatz Läckerli verteilten. Eine Aktion, die heute unvorstellbar ist. Der FC Thun gehört zwar nach wie vor zu den kleinen Clubs der Super League, hat sich aber in der höchsten Liga so etabliert, dass ein Sieg gegen den FCB nicht mehr als Sensation gelten würde – selbst wenn der letzte Thuner Vollerfolg in Basel knapp acht Jahre her ist.

Zweites Ausrufezeichen

Mit dem umfassenden Umbruch, den die Basler im letzten Jahr vollzogen haben, seien sie gewissermassen der Gegenentwurf zum FC Thun, sagt Gerber und ortet in der Kontinuität, die im Verein herrsche, einen Grund dafür, dass sich die Thuner Jahr für Jahr in der höchsten Liga halten oder sich eben jetzt gar in der Spitzengruppe etablieren können.

Die Saison wird gewiss nicht am Sonntag in entscheidende Bahnen gelenkt, und doch sehen die Oberländer eine Chance, nach dem 5:1 in Neuenburg ein zweites Ausrufezeichen in dieser Saison zu hinterlassen. «Das ist nicht dasselbe Basel wie früher», sagt Grégory Karlen. Es tönt wie eine Kampfansage.

Thuner Tagblatt

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