M wie Meisterwerk und Mailand

Die Young Boys siegen munter weiter. Gegen GC setzen sie sich verdient 3:1 durch. Und weil Verfolger Basel am Sonntag erneut verliert, rückt der Titel in greifbare Nähe.

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Fabian Ruch

GC-Trainer Murat Yakin sagt am Sonntag in Bern: «Man darf YB zum Titel gratulieren.» Basels Coach Raphael Wicky meldet gleichzeitig in Luzern: «Wir müssen nicht von Rang 1 reden, sondern sollten mal wieder ein Spiel gewinnen.» Und Adi Hütter, Trainer der Young Boys, sagt entspannt: «Wir wollen Meister werden, und heute hat sich einiges zu unseren Gunsten geändert.»

Nach dem 3:1-Sieg gegen GC beträgt der Vorsprung von YB auf den Verfolger FCB, der in Luzern 0:1 verliert, 17 Punkte – wobei ­Basel noch zwei Nachtragsspiele (in Lausanne, gegen Zürich) austragen darf. Im Meisterkampf spricht spätestens seit gestern ­alles für YB. Genau genommen ist es derzeit kein Kampf, sondern ein Berner Solo mit Statisten.

Glück mit den Spielleitern

Beim 3:1 gegen GC starten die Young Boys stark, aber nicht ganz so energisch und kraftvoll wie in den Partien zuvor. Das liegt vielleicht auch an der Absenz von Sékou Sanogo. YB legt keinen Rekurs ein gegen die 2-Spiele-Sperre Sanogos, er wird am Ostermontag gegen Basel wieder dabei sein.

Am Sonntag ist Roger Assalé nach einer Reihe vergebener YB-Chancen in der 27. Minute mit einem herrlichen Schuss aus 18 Metern der Dosenöffner. Doch die anständig organisierten Gäste schlagen nur kurz Zeit später nach einem Eckball überraschend zurück. Kenan Kodro trifft mit dem Kopf zum 1:1.

Nach dem Seitenwechsel hat YB weiter vieles im Griff, benötigt aber einen eher streng gepfiffenen Handelfmeter zur 2:1-Führung. Guillaume Hoarau verwertet den Penalty in der 67. Minute souverän. Und wenn die YB-Protagonisten wie Djibril Sow erklären, die Young Boys hätten einen Lauf, so gilt das derzeit eben auch bezüglich Schiedsrichterentscheidungen. Im Cuphalbfinal gegen Basel (2:0) führte sie ein ähnlicher Handelfmeterpfiff auf die Siegesstrasse, vor Wochenfrist in Lugano (4:2) hätten Sanogo und Steve von Bergen die Rote Karte sehen können.

Sows Traumtor

Das stilsichere, überzeugende YB verdient sich dieses Glück. «Wir waren das bessere Team», sagt Adi Hütter am Sonntag. Und Murat Yakin ist beeindruckt vom Selbstverständnis bei den Young Boys. «Sie sind einfach sehr stark. Es braucht eine absolute Topleistung, um hier zu punkten.»

Den Schlusspunkt in einer relativ einseitigen Begegnung setzt am Sonntag Sow mit seinem ersten Saisontor. Der seit Wochen überragende Mittelfeldspieler trifft mit einem herrlichen Volleyschuss nach einem Freistoss zum 3:1. Es ist ein Meisterwerk. «Es passt einfach bei uns», sagt Sow, «und wir wissen, dass wir stets ein Tor erzielen können.» Sinnbild für die YB-Umschaltqualitäten ist der erste Treffer, als Sow den Ball am eigenen Fünfmeterraum nach einer GC-Flanke erobert – und das Tor Assalés einen Doppelpass mit Hoarau später 80 Meter entfernt vorbereitet.

Djibril Sow packt den Hammer aus. Quelle: SRF

Gestern fällt es auch nicht ins Gewicht, muss Abwehrchef Steve von Bergen kurz nach der Pause und einem Kopfballduell mit Numa Lavanchy verletzt ausgewechselt werden. Beide Köpfe werden genäht, Lavanchy geht sogar ins Spital, von Bergen bekommt sechs Stiche in der Kabine. «Das war schmerzhaft», sagt er, «aber spielt keine Rolle. Wichtig sind der Sieg und die Tabelle.» Gregory Wüthrich ersetzt von Bergen tadellos, er lobt die tolle Ambiance im Team, im Verein, auf den Rängen und sagt lachend, er nehme das M-Wort gerne ins Wort. «Zudem gehen ein paar Spieler von YB nach dem Spiel in Zürich in der Länderspielpause für ein paar Tage nach Mailand. Das ist ja auch ein schönes M-Wort.»

Bald historische Siegesserie?

Es wäre unglaubwürdig, würden sich die Young Boys immer noch hinter Phrasen verstecken. Das wissen sie, deshalb sagt Djibril Sow: «Wenn wir so weitermachen, müssen wir nicht auf andere Teams schauen.» Das belegt ein Blick auf die letzten Wochen. YB hat achtmal in Serie in der Super League und alle 8 Pflichtspiele 2018 gewonnen, inklusive der Testspiele sind es sogar 14 siegreiche Partien nacheinander!

Das nimmt alles historische Dimensionen an. Die Chefstatistiker vom Blog «Zum Runden Leder» haben herausgefunden, dass die längste Liga-Siegesserie der Vereinsgeschichte ins Jahr 1960 zurückgeht, als die Young Boys 10 Begegnungen en suite gewannen. Diese Marke würden sie bei zwei Erfolgen in Zürich und gegen Basel erreichen. Spätestens dann würden die Titelgratulanten ­Spalier stehen.

Sämtliche Höhepunkte des YB-Jubiläumsspiels gegen GC. Quelle: Youtube/BSC Young Boys

Berner Zeitung

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