Liebes SRF-Fussballteam, wir haben eine kleine Bitte

Unseren Autor plagt der ständige Gebrauch eines doofen Wortes – er empfiehlt Franz Kafka als Vorbild.

Andreas Kunz@sonntagszeitung

Beim SRF Fussball machen sie einen grossartigen Job. Wie grossartig genau, bewies der geschwätzige neue Konkurrent Teleclub in dieser Champions-League-Saison eindrücklich.

Trotzdem haben wir eine kleine Bitte: Hört mit dem «gleichwohl» auf. Niemand, der schönes Deutsch spricht, sagt «gleichwohl». Im gesamten deutschsprachigen Fernsehen sagen sie das Wort vielleicht zweimal pro Jahr – bei euch hörte man es an einem Fussballabend schon zehnfach. «Gleichwohl Messi in Topform ist, hat Barcelona noch nicht gewonnen.» Oder: «Die Spieler sind müde, gleichwohl stürmen sie nach vorn.» Wem tut das nicht in den Ohren weh?

Sascha Ruefer hatte damit angefangen. Schon vor Jahren sagte er stets «gleichwohl» – er moderierte mitunter regelrecht daraufhin – statt dass er das weit gebräuchlichere, aber halt gewöhnliche «obwohl» benutzte.

«Fussball-Kommentatoren wollen mit ihrer Sprache auffallen.»

Von Ruefer ist das Wort übergesprungen zu Dani Kern und Peter Knäbel. Ausgerechnet Knäbel, sonst der beste TV-Experte überhaupt, verwendet «gleichwohl» mittlerweile sogar am häufigsten. Die machen bei Schalke 04, wo er als Technischer Direktor arbeitet, sicher bereits Witze über ihn, weil er das ständig sagt. Und denken, wir Schweizer würden das doofe «gleichwohl» genauso oft sagen, weil Knäbel es von hier mitgebracht hat. Das ist rufschädigend.

Fussball-Kommentatoren wollen mit ihrer Sprache auffallen, sich Persönlichkeit verleihen, das ist lobenswert. Aber hier geht es um Wichtigeres, es geht um die deutsche Sprache.

Franz Kafka zum Beispiel, der unter den besten Schriftstellern als der Grösste gilt, benutzte auffallend oft «trotzdem». Sein teils sonderlicher Gebrauch des Wortes, häufig am Satzanfang, klingt zuerst ebenfalls manieriert. Im Gegensatz zu «gleichwohl», das schon zu Kafkas Lebzeiten niemand benutzte, wird «trotzdem» irgendwann aber: ziemlich cool.

«Trotzdem Fussball-Kommentatoren originell sein wollen, gebrauchen sie stets das falsche Wort», hätte Kafka geschrieben.



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