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«Letztes Interview mit Vladimir Petkovic»

Vladimir Petkovic, ab Sommer 2014 Schweizer Nationaltrainer, arbeitete fast drei Jahre bei YB. Die Zusammenarbeit mit dem Coach war äusserst abwechslungsreich.

Vladimir Petkovic arbeitete fast drei Jahre lang – von August 2008 bis Mai 2011 – für YB.
Vladimir Petkovic arbeitete fast drei Jahre lang – von August 2008 bis Mai 2011 – für YB.
Keystone

Es ist der 17.Mai 2010 und der Morgen nach der Finalissima, die YB gegen den FC Basel im Stade de Suisse 0:2 verloren hat. Die Nacht war auch für Vladimir Petkovic kurz, der YB-Trainer erscheint im Stadion zum Gespräch – und wirkt erstaunlich gefasst. Er ist elegant gekleidet wie fast immer und hält sich nicht lange mit dem unglücklichen Saisonverlauf und dem verspielten Meistertitel auf. Lieber preist er die Aussichten und sagt: «Nächste Saison werden wir noch stärker sein.»

Blick über die Cornerfahne

Vladimir Petkovic arbeitete fast drei Jahre lang – von August 2008 bis Mai 2011 – für YB und führte die Berner in der Saison nach der verlorenen Finalissima beinahe in die Champions League, begeisterte mit ihnen in der Europa League, schaffte in der Liga aber den Turnaround nicht. Dennoch bescherte er Fussballbern wunderbare Momente. Die Männer liebten ihn für die attraktive, offensive, lange Zeit erfolgreiche YB-Spielweise, die Frauen wegen seines guten Aussehens («George Clooney des Fussballs»). Der gross gewachsene, schlanke Petkovic ist eine smarte Erscheinung. Und weil YB im speziellen 3-4-3-System mit dem überragenden Stürmer Seydou Doumbia unter Petkovic lange Zeit brillierte, genoss der Coach einen ausgezeichneten Ruf. Die Young Boys waren seine erste Station als Profitrainer, vorher hatte Petkovic im Tessin hauptberuflich als Sozialarbeiter sein Geld verdient. «Die Jobs sind sehr ähnlich», sagte Petkovic einmal, «man muss als Sozialarbeiter wie als Trainer unterschiedliche Persönlichkeiten coachen und führen.»

Vladimir Petkovic hatte während seiner Zeit in Bern zwangsläufig viel mit dieser Zeitung zu tun. Die Interviews mit ihm waren interessant, er blickt über die Cornerfahne hinaus und kann ein unterhaltsamer Gesprächspartner sein. Wenn er Lust hat. In unangenehmen Zeiten reagiert Petkovic zuweilen unwirsch, er kann dann seine Souveränität verlieren und patzig sowie launisch sein. Zudem ist er ein misstrauischer Mensch, der gerne vieles kontrolliert. Man muss sich sein Vertrauen erarbeiten.

Gerne im Tessin

Vladimir Petkovic hat ein souveränes, gewinnendes Auftreten. Und er weiss, was er mit seiner tiefen Stimme wann sagen muss. Im ersten Interview in Bern meinte er: «Ich will mit YB Meister werden.» Nach verlorenem Cupfinal 2009 gegen Sion (2:3 nach 2:0-Führung) wie nach der bitteren Finalissima ein Jahr später gegen Basel sprach er selbstbewusst von seiner Arbeit und meinte, das Problem bei YB seien die fehlenden Leaderfiguren. Später meldete er aus der Türkei, wo er bei Samsunspor chaotische Verhältnisse antraf: «Ohne Druck ist das Leben doch langweilig.»

Bei Lazio Rom fand Petkovic eine Stelle mit viel Druck. Er wurde letzte Saison Cupsieger, steht aber nach erneut schwacher Ligabilanz jetzt vor dem Rauswurf. Er ist immer noch gerne im Tessin. Bei YB hielt sich ja der bösartige Vorwurf hartnäckig, wonach die Trainingsgestaltung so ausgelegt sei, dass sich der Coach möglichst lange – oft von Donnerstagmittag bis Samstagmittag – im Tessin aufhalten könne. Petkovic ist ein Geniesser, der humorvoll sein kann. Kurz vor seiner Entlassung sagte er vor Beginn eines Gesprächs: «Also, letztes Interview mit Vladimir Petkovic als YB-Trainer.» Um philosophisch anzufügen: «Aber es geht immer weiter, irgendwie, irgendwo.»

Im nächsten Sommer kommt der 50-Jährige auf grosser Bühne als Nachfolger des Nationaltrainers Ottmar Hitzfeld zurück in die Schweiz.

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