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«Das ist eine harte Landung»

Urs Fischers Premiere in der Bundesliga misslingt, der Zürcher Trainer verliert mit Union Berlin gegen Leipzig 0:4. Bange Frage: Wie viel Steigerung ist möglich?

Moritz Marthaler
Nachdenklicher Urs Fischer nach dem 0:4 zuhause gegen Leipzig. Ist die Bundesliga für Union Berlin eine Schuhnummer zu gross – oder das Resultat erst einmal nicht mehr als eine Momentaufnahme?
Nachdenklicher Urs Fischer nach dem 0:4 zuhause gegen Leipzig. Ist die Bundesliga für Union Berlin eine Schuhnummer zu gross – oder das Resultat erst einmal nicht mehr als eine Momentaufnahme?
Keystone
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Vor jedem Sturm die Ruhe. 15 Minuten dauerte es am Sonntagabend im Stadion an der Alten Försterei in Köpenick, bis alles losbrach. Der Lärm, das Wetter, das Spiel. 15 Minuten lang schwiegen die Fans des FC Union Berlin am Sonntagabend aus «Protest gegen das Konstrukt RB Leipzig», wie man das gemeinhin kommunizierte.

15 Minuten lang tat sich wenig in der ersten Bundesliga-Partie der Berliner mit Urs ­Fischer, ihrem Trainer, der schon viel ­gesehen hat, Champions League mit Basel, Europa League mit dem kleinen Thun, aber eben auch er noch nie: Bundesliga. 15 Minuten lang blieb alles trocken. Dann brüllten sie los, die Berliner, als hätten sie tatsächlich den ganzen Sommer über geschwiegen, seit den tumultartigen Jubelszenen nach den erfolgreichen Aufstiegsspielen gegen Stuttgart.

Manuel Akanji (Dortmund): Eine fixe Grösse in der Innenverteidigung, wenn auch etwas verletzungsanfällig. Seit Februar 2018 in der Bundesliga.
Manuel Akanji (Dortmund): Eine fixe Grösse in der Innenverteidigung, wenn auch etwas verletzungsanfällig. Seit Februar 2018 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Nico Elvedi (Gladbach): Ist zum Schlüsselspieler gereift. Seit November 2015 in der Bundesliga.
Nico Elvedi (Gladbach): Ist zum Schlüsselspieler gereift. Seit November 2015 in der Bundesliga.
Laurens Lindhout/Getty Images
Breel Embolo (Gladbach): Nach einer verkorksten Saison mit Schalke ein neuer Anlauf in einem neuen Umfeld. Doch die Konkurrenz in der Offensive ist gross. Seit August 2016 in der Bundesliga.
Breel Embolo (Gladbach): Nach einer verkorksten Saison mit Schalke ein neuer Anlauf in einem neuen Umfeld. Doch die Konkurrenz in der Offensive ist gross. Seit August 2016 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Edimilson Fernandes (Mainz): Der Neuzuzug (links) soll eine tragende Rolle im zentralen Mittelfeld einnehmen.
Edimilson Fernandes (Mainz): Der Neuzuzug (links) soll eine tragende Rolle im zentralen Mittelfeld einnehmen.
TF-Images/Getty Images
Gelson Fernandes (Frankfurt): Der Routinier ist der verlängerte Arm von Trainer Adi Hütter und gibt immer Vollgas. Seit August 2013 in der Bundesliga.
Gelson Fernandes (Frankfurt): Der Routinier ist der verlängerte Arm von Trainer Adi Hütter und gibt immer Vollgas. Seit August 2013 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Marwin Hitz (Dortmund): Steht trotz guten Leistungen in den Testspielen hinter Bürki an. Seit Februar 2010 in der Bundesliga.
Marwin Hitz (Dortmund): Steht trotz guten Leistungen in den Testspielen hinter Bürki an. Seit Februar 2010 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Michael Lang (Gladbach): Wird es schwer haben, auf Einsätze zu kommen. Steht noch ein später Transfer an? Seit Juli 2018 in der Bundesliga.
Michael Lang (Gladbach): Wird es schwer haben, auf Einsätze zu kommen. Steht noch ein später Transfer an? Seit Juli 2018 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Stephan Lichtsteiner (Augsburg): Die vierte Topliga für den 35-jährigen Verteidiger. Er soll die Defensive verstärken.
Stephan Lichtsteiner (Augsburg): Die vierte Topliga für den 35-jährigen Verteidiger. Er soll die Defensive verstärken.
Molly Darlington - AMA/Getty Images
Kevin Mbabu (Wolfsburg): Der Bundesliga-Neuling kämpft gegen William um die Nummer 1 auf der rechten ­Aussenbahn der Wölfe.
Kevin Mbabu (Wolfsburg): Der Bundesliga-Neuling kämpft gegen William um die Nummer 1 auf der rechten ­Aussenbahn der Wölfe.
TF-Images/Getty Images
Admir Mehmedi (Wolfsburg): Muss sich unter dem neuen Trainer Glasner wieder neu behaupten. Zuletzt im Cup war er nur Ersatz. Seit August 2013 in der Bundesliga.
Admir Mehmedi (Wolfsburg): Muss sich unter dem neuen Trainer Glasner wieder neu behaupten. Zuletzt im Cup war er nur Ersatz. Seit August 2013 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Yvon Mvogo (Leipzig): Kommt bei RB nicht weiter. Seine Einsatzchancen sind ­gering, mögliche Transfers haben sich bisher zerschlagen. Seit September 2017 in der Bundesliga.
Yvon Mvogo (Leipzig): Kommt bei RB nicht weiter. Seine Einsatzchancen sind ­gering, mögliche Transfers haben sich bisher zerschlagen. Seit September 2017 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Yann Sommer (Gladbach): Ein Topgoalie der Liga und Leader seines Teams. Seit August 2014 in der Bundesliga.
Yann Sommer (Gladbach): Ein Topgoalie der Liga und Leader seines Teams. Seit August 2014 in der Bundesliga.
Christian Verheyen/Getty Images
Djibril Sow (Frankfurt): Muss nach seiner Verletzung erst wieder 100 Pozent fit werden, bevor er seinen zweiten Angriff auf die Bundesliga startet. Von 2015 bis 2017 in der Bundesliga.
Djibril Sow (Frankfurt): Muss nach seiner Verletzung erst wieder 100 Pozent fit werden, bevor er seinen zweiten Angriff auf die Bundesliga startet. Von 2015 bis 2017 in der Bundesliga.
Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Renato Steffen (Wolfsburg): Auf ihn wartet wie in der Vorsaison ein harter Kampf um einen Platz in den Top 11. Seit Januar 2018 in der Bundesliga.
Renato Steffen (Wolfsburg): Auf ihn wartet wie in der Vorsaison ein harter Kampf um einen Platz in den Top 11. Seit Januar 2018 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Ruben Vargas (Augsburg): Eine Fussverletzung hat seine Saisonvorbereitung gestört. Vorerst wohl in der Joker-Rolle. Neu in der Bundesliga.
Ruben Vargas (Augsburg): Eine Fussverletzung hat seine Saisonvorbereitung gestört. Vorerst wohl in der Joker-Rolle. Neu in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
Denis Zakaria (Gladbach): Wegen seines Speeds gute Aussichten auf einen Stammplatz, den er letzte Saison zwischenzeitlich verloren hatte. Seit August 2017 in der Bundesliga.
Denis Zakaria (Gladbach): Wegen seines Speeds gute Aussichten auf einen Stammplatz, den er letzte Saison zwischenzeitlich verloren hatte. Seit August 2017 in der Bundesliga.
TF-Images/Getty Images
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Eine gute Minute hielt das Hoch an. Dann traf Halstenberg für Leipzig, vom Himmel fielen dicke Tropfen, noch vor dem Pausenpfiff war es ein Platz-­regen, und nach den Toren von Sabitzer und Werner war klar: Union zahlt in der Bundesliga erst einmal Lehrgeld. «Das ist eine harte Landung», sagte ­Fischer nach dem Spiel, «jetzt müssen wir uns zurechtfinden.»

Unions heikle Balance

Pausenlos geflogen ist dieser 1. FC Union Berlin vor seiner Premiere in der Bundesliga indes nicht. Man hat sich beim Neuling in den rot-weissen Festwochen immer wieder gegenseitig zur Ruhe ermahnt, was nicht einfach war, zwischen dem märchenhaften Aufstieg, dem rauschhaften Fest mit Booten auf der Spree und Testspielen vor 20 000 Zuschauern.

Es gab Transfers, nicht eben wenige, und damit die Befürchtung eines Ausverkaufs, es war durch das Interesse aus dem ganzen Land auch mal hektisch. Mit Trainingsbeginn verkündete die Vereinsführung den neuen Trikotsponsor, ein Immobilienunternehmen aus Luxemburg, das die vielen Berliner Brachen derzeit mit kaum bezahlbaren ­Luxuswohnungen bebaut. Es waren bei Union Wochen, in denen die heikle Balance dieses Vereins zwischen Tradition und Moderne, zwischen Romantik und Realität gestört wurde wie vielleicht noch nie zuvor. In der Stadt wurde die Eigenvermarktung als Aussenseiter unterschiedlich diskutiert, ein Kolumnist des «Tagesspiegels» schrieb von einer «unausstehlichen Verklärung».

Geduld mit den immer gleichen Fragen

Und es waren Wochen, die dem Stoiker Urs Fischer einmal mehr Gelegenheit gaben, seine Beständigkeit zu beweisen. Geduldig ­beantwortete er die immer gleichen Fragen, noch Minuten vor Anpfiff bezeichnete er gestern den Stimmungsboykott als «eine Sache der Fans», die es «zu respektieren» gelte. Ja, der Club sei vielleicht keiner wie jeder andere. Nein, in der Vorbereitung habe er nichts anders gemacht.

Wenig überraschend war dann, wie der 53-jährige Zürcher sein Team spielen liess. Die Berliner hielten die Reihen dicht beieinander, 14-mal waren sie in der vergangenen Saison ohne Gegentor geblieben, und die solide Defensive scheint auch eine Stufe höher das oberste Gebot. Aber gegen Leipzig prallten da schon mal Klassen aufeinander. Nationalstürmer Werner zog an Unions Bülter vorbei, der noch vor 13 Monaten in der Regionalliga gespielt hat.

Eine schwere Spielzeit erwartet

Auf Union kommt eine schwere Spielzeit zu, das wurde gestern überdeutlich. Und doch ist dieser Club mit seinem fast naiven Gerechtigkeitssinn eine Bereicherung für die Bundesliga. Für das Heimspiel in zwei Wochen gegen Borussia Dortmund kauften die Fans ohne Dauerkarte keine ­Tickets, sie kauften Lose für vielleicht ein ­Ticket. Und vor dem Anpfiff gestern waren im ganzen Rund riesige Porträts von verstorbenen Anhängern zu sehen – ein Versuch, den historischen Moment tatsächlich für die Ewigkeit festzuhalten.

Für die irdischen Unioner, für Fischer und seine Fussballer, hat die Bundesliga begonnen. Die Frage bleibt: Ist da noch was drauf, auf dem Lehrgeldkonto?

Union Berlin - RB Leipzig 0:4 (0:3) 22'012 Zuschauer. – Tore:16. Halstenberg 0:1. 31. Sabitzer 0:2. 42. Werner 0:3. 69. Nkunku 0:4. – Bemerkung: Leipzig ohne Mvogo (Ersatz).

Eintracht Frankfurt - Hoffenheim 1:0 (1:0) 50'200 Zuschauer. – Tor: 1. Hinteregger 1:0. – Bemerkungen: Eintracht Frankfurt mit Fernandes (verwarnt), ohne Sow (verletzt). Hoffenheim mit Zuber.

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