Zum Hauptinhalt springen

Lachsbrötchen, Läckerli, YB-Würste?

Am Sonntag empfängt YB den FC Thun zum Derby. Einst stellte für die Oberländer fast jedes Spiel in der Super League einen Höhepunkt dar. Nun will Trainer Marc Schneider die Siege gegen YB nicht überbewerten.

Verkehrte Welt? Jubelnde Thuner und ein frustrierter YB-Captain. In dieser Saison gewannen die Oberländer beide Derbys.
Verkehrte Welt? Jubelnde Thuner und ein frustrierter YB-Captain. In dieser Saison gewannen die Oberländer beide Derbys.
Patric Spahni

Als der FC Thun 2002 die Vorrunde als Aufsteiger auf dem dritten Rang abschloss, stellte Trainer Hanspeter Latour im letzten Training vor der Winterpause Champagner und Lachsbrötchen bereit. Die Botschaft: Wir haben allen Grund zu feiern.

Bei Wiederaufnahme des Trainings nach dem Jahreswechsel standen an gleicher Stelle Wasser und Schwarzbrot. Die Botschaft diesmal: Der Ernst des Lebens hat wieder begonnen. In der folgenden Finalrunde fiel der FC Thun zwar noch auf den siebten Rang zurück, mit dem ersten Sieg gegen YB auf höchster Stufe brachte sie dem Club aber immerhin eine denkwürdige Partie.

2003: Der damalige Trainer Hanspeter Latour deckt seine Spieler mit trockenem Brot ein. Bild: Patric Spahni
2003: Der damalige Trainer Hanspeter Latour deckt seine Spieler mit trockenem Brot ein. Bild: Patric Spahni

Die ersten Jahre in der Super League waren für den FC Thun eine aufregende und unbeschwerte Zeit: Die Oberländer waren die Kleinen, für die fast ­jedes Spiel einen Höhepunkt ­darstellte. Als der FC Thun zwei Saisons später den FC Basel bezwang und die Tabellenspitze übernahm, schrieb diese Zeitung vom «grössten Sieg der Club­geschichte». Und Latour verteilte mit seinen Spielern im Berner Oberland Basler Läckerli.

2004: Mario Raimondi und Nelson Ferreira verteilen auf dem Thuner Rathausplatz Basler Läckerli. Bild: Patric Spahni
2004: Mario Raimondi und Nelson Ferreira verteilen auf dem Thuner Rathausplatz Basler Läckerli. Bild: Patric Spahni

Man stelle sich vor, Trainer Marc Schneider hätte nach einem der beiden Siege gegen die Young Boys mit seiner Mannschaft in der Thuner Innenstadt YB-Würste unters Volk gebracht. Unwahrscheinlich? Unvorstellbar!

Die Zeiten haben sich ge­ändert: Die Thuner sind zwar immer noch die Kleinen, im Konzert der Grossen spielen sie aber schon lange mit. Als es kürzlich darum ging, die Höhepunkte seines ersten Halbjahres als Cheftrainer zu benennen, machte Schneider fast vorwurfsvoll die Bemerkung, man denke sicher an die Derbysiege. Und meinte weiter, dass diese zwar schön und wichtig gewesen seien. Er gewichtete in seiner Erfolgsbilanz aber unter anderem die Weiterentwicklung des Teams höher.

Sorgic fehlt

Dementsprechend erachtet Schneider die Ereignisse beim 4:0 in Bern Mitte August sowie beim 3:1 Anfang Dezember in Thun im Hinblick auf das dritte Derby am Sonntag im Stade de Suisse als vernachlässigbar. «Die zwei Siege geben uns zwar das Vertrauen, dass wir YB schlagen können. Aber sie haben keinen Einfluss auf die Spielvorbereitung», sagt Schneider.

Den Trainer beschäftigt derzeit eher, wie er Stürmer Dejan Sorgic ersetzen kann. Der 28-Jährige, der nach dem Abgang von Simone Rapp nach Lausanne im Sturmzentrum als Fixpunkt vorgesehen ist, dürfte mit einer Oberschenkelzerrung sechs Wochen fehlen. Sein Ausfall ist für die Thuner ein herber Verlust, Ersatz Nicolas Hunziker wusste bisher nicht zu überzeugen.

Sulejmani wieder fit

Solche Sorgen kennen die Young Boys nicht. Beim souveränen Leader ist der formstarke Miralem Sulejmani nach Schulterprellung wieder einsatzbereit, Zudem kehrt Roger Assalé nach Sperre zurück, einzig der grippeerkrankte Christian Fassnacht ist für das Derby fraglich. Sein Ersatz Nicolas Ngamaleu zeigte in Lausanne seine vielleicht stärkste Darbietung im YB-Trikot

Seit 2002 und dem Aufstieg des FC Thun trafen die Teams ­55-mal aufeinander, 27 Partien gewann YB, 11 der FC Thun. ­Dreimal in Folge vermochten die Oberländer aber nie zu gewinnen. «Wir haben zwei Rechnungen offen», sagte der linke YB-Verteidiger Loris Benito am Sonntag nach dem Sieg in Lausanne. Und Innenverteidiger Steve von Bergen meinte: «Wir sind gewarnt. Thun versteht es immer, uns das Leben schwer zu machen. Aber», sagt der Captain mit dem Selbst­bewusstsein des Tabellenführers, «wir werden diesmal ganz sicher anders auftreten.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch