Kosmopolit aus dem Aargau

Loris Benito spricht Deutsch und Spanisch, Französisch und Italienisch, Englisch und Portugiesisch. Er lebte in Zürich und Lissabon, er spielte bei Benfica und ist heute bei YB.

Aargauer Sportler des Jahres: Loris Benito.

Aargauer Sportler des Jahres: Loris Benito.

(Bild: Alexander Wagner)

Fabian Ruch

Loris Benito ist Kosmopolit und Buddhist, Marderjäger und Maturand. Und er ist Aargauer, wie der Sohn von spanischen Eltern mit tiefer Überzeugung sagt: «Das werde ich immer sein, meine Familie und viele Freunde leben dort.»

Loris Benito ist der Stolz des Sportkantons Aargau. Am Freitag, einen Tag vor dem 1:0 der Young Boys gegen Sion, wurde der Defensivspieler an einer grossen Gala in der Go-Easy-Arena in Siggenthal zum Aargauer Sportler des Jahres 2018 gewählt. «Das hat mich sehr stolz gemacht», sagt der 27-Jährige, «weil es als Teamsportler schwierig ist, solche Auszeichnungen zu gewinnen. Und weil die Konkurrenz wie Radprofi Silvan Dillier ganz schön stark war.»

Ablösefreier Wechsel

Die Auszeichnung ist eine Belohnung für einen der konstantesten YB-Fussballer. Und es ist der Lohn für einen, der bei Benfica scheiterte, später durch Verletzungen wie einen Kreuzbandriss zurückgeworfen wurde, sich aber immer wieder zurückgekämpft hat – und heute Schweizer Meister und Nationalspieler ist. «Ich habe viel erlebt», sagt Benito, «und bin gelassener geworden.»

Ein bisschen allerdings stört es den Linksverteidiger manchmal schon, stehen bei YB andere deutlich stärker im Fokus. Kevin Mbabu beispielsweise, der Abwehrspieler auf der anderen Seite. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass beide Aussenverteidiger die Young Boys im Sommer verlassen werden. Mbabu ist längst viel zu gut und zu gross für die Super League geworden, er wird von zahlreichen Vereinen beobachtet. Und Benito sagt offen: «Ich möchte noch einmal ins Ausland, das ist eine riesige Herausforderung.»

Benitos Wunsch ist nachvollziehbar, er ist 27 und wie einige Mitspieler reif für den Schritt in eine grössere Liga. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus, und eigentlich darf es einem Schweizer Verein nicht passieren, eine Stammkraft ablösefrei zu verlieren. Die Young Boys können das verschmerzen, sie nehmen auf dem Transfermarkt in diesen Jahren viel Geld ein. Für Benito wiederum ist die Perspektive auch wirtschaftlich reizvoll, weil er bei einem Wechsel ein ordentliches Handgeld verdient. Es gebe noch keine konkreten Angebote, sagt Benito, und derzeit konzentriere er sich auf YB.

Die smarte YB-Planung

Weil die Zukunft von Captain Steve von Bergen offen ist, könnten nächste Saison also gleich drei Stammverteidiger nicht mehr bei YB sein. Wie smart der Club seine Planungen vorantreibt, unterstreicht die Tatsache, dass mögliche Nachfolger des Trios schon verpflichtet sind oder bereits im Kader stehen. Fabian Lustenberger kehrt nach zwölf Jahren bei Hertha Berlin zurück in die Schweiz und dürfte bei YB die Rolle von Bergens als Leader, Spielführer und Sicherheitschef übernehmen.

Der immer noch erst 20-jährige Jordan Lotomba, eines der grössten Schweizer Talente, steht nach langer Knieverletzungspause endlich vor der Rückkehr – und besitzt ausgezeichnete Chancen, hinten rechts Mbabu zu ersetzen. «Wir wissen, über welche aussergewöhnlichen Qualitäten Lotomba verfügt», sagt Trainer Gerardo Seoane. «Und wir freuen uns alle sehr, wird er bald wieder eingesetzt werden können.»

Jordan Lotomba war in der Meistersaison in der Vorrunde übrigens hinten links gesetzt, seinen letzten Match bestritt er im verlorenen Cupfinal gegen Zürich letzten Mai als Rechtsverteidiger, weil Kevin Mbabu gesperrt fehlte. Er ist also vielseitig einsetzbar. Wie Benito. Oder wie Ulisses Garcia, am Samstag Last-Minute-Torschütze beim 1:0 gegen Sion. Es ist gut vorstellbar, dass Garcia ab Sommer als Linksverteidiger erste Wahl bei den Young Boys sein wird. Er könnte der nächste Fussballer sein, der nach frühem und missglücktem Auslandsaufenthalt (bei Bremen) seine Karriere in Bern frisch lanciert. Wie zum Beispiel Mbabu. Und wie Benito.

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