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Klinsmann und der lange Schatten von Löw

Deutschlands Weltmeister Jürgen Klinsmann wurde als Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft vorgestellt. In einer Woche muss er sich bereits beweisen.

Neuer Job für Jürgen Klinsmann: Der Deutsche wird Trainer der US-amerikanischen Fussballnationalmannschaft.
Neuer Job für Jürgen Klinsmann: Der Deutsche wird Trainer der US-amerikanischen Fussballnationalmannschaft.
Keystone
Vorstellung von Klinsmann: Verbandspräsident Sunil Gulati präsentiert den neuen Trainer.
Vorstellung von Klinsmann: Verbandspräsident Sunil Gulati präsentiert den neuen Trainer.
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Nachdem der US-amerikanische Verband am Freitag bereits angekündigt hatte, dass der Deutsche Jürgen Klinsmann in Zukunft die Nationalmannschaft der USA betreuen wird, folgte gestern die Vorstellung des Schwaben in Diensten der USA.

Überraschend musste zuvor der bisherige Trainer Bob Bradley seinen Hut nehmen. Die Nordamerikaner versuchen schon seit 2006 Jürgen Klinsmann zu verpflichten – bis letzte Woche erfolglos. Bob Bradley blieb aus Sicht des Verbandes der zu ersetzende Notnagel. Zu Unrecht: Nicht nur führte Bradley das US-Team beim Confederations Cup 2009 zu einem Sieg über Spanien und an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zum Gruppensieg vor England, auch zeigte die US-amerikanische Nationalmannschaft am diesjährigen Gold Cup eine respektable Leistung. Zwar verloren die USA den Final im heimischen Pasadena gegen Mexiko mit 4:2, aufgrund der momentanen Stärke Mexikos ist die Leistung aber doch zu würdigen.

Europa als Gradmesser

Dennoch, die Erwartungen der US-amerikanischen Fussballfunktionäre sind höher. Die Finalniederlage am Gold Cup gegen die Mexikaner ist wie die Achtelfinalniederlage an der WM 2010 gegen Ghana nicht gern gesehen. Die USA messen sich lieber mit Europa als mit spielstarken afrikanischen oder lateinamerikanischen Mannschaften: Klinsmann soll den amerikanischen Traum, auf Augenhöhe mit den europäischen Nationalmannschaften zu spielen, erreichen.

Das nächste Ziel für den Deutschen, der als Stürmer 1990 in Italien Weltmeister wurde, ist klar. Die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien ist Pflicht. Doch schon nächste Woche am 10. August wartet Mexiko als nächster Gegner in einem Testspiel auf. Vom grossen Motivator Klinsmann wird bereits für dieses Spiel viel erwartet. Doch die Aufgabe dürfte eine längerfristige sein. Den USA fehlt eine starke Liga, um abgesehen von Spielerkonserven aus Europa gute Spieler ins Land zu holen. Auch konnten sich Talente wie Landon Donovan in den europäischen Topligen nicht durchsetzen.

Reicht Motivation aus?

Jürgen Klinsmann, der bereits einige Jahre in den USA lebt, kennt diese Probleme, weswegen er auch in der Juniorenausbildung mitreden will. Dass dem Schwaben dieser Umbruch in wenigen Jahren gelingt, ist wegen der Strukturschwäche im US-Fussball infrage zu stellen. Und falls Erfolge ausbleiben, wird die Aufgabe nicht einfacher werden, die Funktionäre vom Erfolg eines langfristigen Projektes zu überzeugen. Stimmen, welche seine Arbeit für die deutsche Nationalmannschaft und den FC Bayern München kritisch betrachten, schreiben Klinsmann zwar zu, dass er ein guter Motivator sei.

Aber im taktischen und technischen Bereich habe Klinsmann Defizite. So schrieb die «Wiener Zeitung online» zum Engagement Klinsmanns bei der deutschen Nationalmannschaft: «Klinsmann mag der Initiator des deutschen Sommermärchens gewesen sein, Löw aber war dessen Autor. Nach der Heim-WM bekam der heimliche Stratege, der schon damals für die Taktik zuständig war, die Chefrolle, längst ist er unumstritten.» Dies wurde bei Bayern München deutlich. In seiner einzigen Saison mit einer Klubmannschaft verfehlte er alle Ziele der Bayern und holte keinen einzigen Titel. Viel wird also davon abhängen, auf welchen Staff Jürgen Klinsmann zurückgreifen kann. Im Spiel von nächster Woche wird er sich bereits ein erstes Mal beweisen müssen.

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