Das ungewohnte Problem

GC spielt gegen St. Gallen erstmals zu null. Bloss die Chancenverwertung ist beim 2:0 ein Makel. Thun schlägt Vaduz 1:0.

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Sechs Tore, sieben oder sogar acht? Es war eine Frage, welche nach der Partie in den Katakomben oft diskutiert wurde, jene, wie viele Treffer der Grasshopper Club in der Ostschweiz hätte erzielen können, ja müssen. Tatsächlich hatten sich die Zürcher Möglichkeit um Möglichkeit erspielt, waren immer wieder gefährlich vor Daniel Lopar aufgetaucht, der sich drei Tage nach seiner Hochzeit gewiss einen ruhigeren Arbeitsnachmittag erhofft hatte.

Am Schluss standen aber nur zwei GC-Treffer zu Buche, das unfreiwillige, verspätete Geschenk an den St. Galler Goalie. «Vor dem Tor hat es uns heute an Entschlossenheit gefehlt», gab Mittelfeldspieler Marko Basic zu, selber dreifacher Sünder, «aber immerhin haben wir uns viele Chancen erarbeitet.»

Pierluigi Tami lobte die ganze Mannschaft: «Es war, über 90 Minuten gesehen, unsere beste Saisonleistung. Es fehlte einzig an Effizienz.» Möglich, dass der Trainer bei dieser Aussage innerlich ein wenig schmunzeln musste. Erst sechs Monate ist es erst her, dass GC ganz andere Probleme hatte, näher am Abstieg als an einem gesicherten Mittelfeldplatz stand.

Konter aus dem Lehrbuch

Der optimale Start – das 1:0 fiel nach einer einstudierten Cornervariante nach 100 Sekunden durch Caio – kam den Qualitäten der Grasshoppers entgegen. Es folgte ein fast 90-minütiges Lehrstück in Konterfussball: Die Zürcher waren schneller, physisch und mental, schwärmten bei jeder sich bietenden Gelegenheit überfallartig aus und führten Gegenangriffe im Höchsttempo.

Ein ums andere Mal kreierten sie so Überzahlsituationen, sogar doppelte oder dreifache. So wie beim 2:0 durch Munas Dabbur (49.), nach einem exemplarischen Konter über Yoric Ravet und Moritz Bauer. Basic machte danach kein Geheimnis daraus, wieso sein Team derzeit so konterstark auftritt: «Wir erkennen sehr früh, wann wir umschalten können. Zudem sind wir alle topfit und können diese Spielweise durchziehen.»

Zu den Siegern zählte auch Goalie Joël Mall. Der ehemalige Aarauer, erstmals in der Liga Vaso Vasic vorgezogen, überzeugte mit starken Reflexen, verhinderte den möglichen Ausgleich durch Albert Bunjaku aus fünf Metern (16.). Leichte Schwächen beim Spiel mit dem Fuss fielen da weniger ins Gewicht.

Wie wichtig die erste Partie ohne Gegentor für GC war, brachte Dabbur auf den Punkt: «Die Defensive ist der Schlüssel. Vorne werden wir unsere Tore sowieso machen.» Der Israeli hat seit seiner «Abschiedsankündigung» vor zwei Wochen vier Tore erzielt und bewiesen, dass er noch nicht ganz in Palermo ist. Eine Woche vor Schluss des internationalen Transferfensters gibt er sich bedeckt: «Wir werden sehen, was passiert. Im Moment bin ich zu 200 Prozent bei GC.»

St. Galler Stürmerprobleme

Bei St. Gallen kann man von einem Stürmer wie Dabbur (oder Caio oder Ta¬rashaj) nur träumen. Jeder dieses Trios hat in dieser Saison mindestens gleich viele Tore erzielt, wie alle St. Galler zusammen: vier. Die Ostschweizer haben die schlechteste Offensive der Liga und sind spürbar verunsichert. Trainer Jeff Saibene wollte nichts beschönigen: «Uns geht der Killerinstinkt ab.» Besserung ist kaum in Sicht. Yannis Tafer fehlte im Aufgebot, ihm werden atmosphärische Störungen mit dem Trainer nachgesagt. Bunjaku agierte unglücklich, Dzengis Cavusevic ist weit von seiner Bestform entfernt, und Danei Aleksic, der einzige Doppeltorschütze, blieb auf der Bank.

Thun siegt dank Penaltytor

Im Duell zwischen dem Tabellenzehnten und dem -neunten feierte Thun gegen Vaduz einen verdienten 1:0-Heimsieg. Frontino verwertete in der 27. Minute einen Handspenalty, der nicht hätte gepfiffen werden dürfen. Dem Vaduzer Grippo sprang der Ball ausserhalb des Strafraums an die Hand. Vaduz ist nach der Niederlage mit drei Punkten ans Tabellenende zurückgefallen, der FC Zürich ist neu Vorletzter (5 Zähler).

St. Gallen - Grasshoppers 0:2 (0:1) 13'700 Zuschauer. - SR Erlachner. Tore: 2. Caio (Källström) 0:1. 50. Dabbur (Bauer) 0:2. St. Gallen: Lopar; Mutsch, Wiss, Gelmi, Facchinetti; Tréand (62. Lang), Janjatovic (46. Cavusevic), Everton, Aratore; Mathys, Bunjaku (88. Gotal). Grasshoppers: Mall; Bauer, Gülen, Barthe, Antonov; Basic, Källström; Ravet (68. Lüthi), Tarashaj (79. Alpsoy), Caio (86. Kamberi); Dabbur. Bemerkungen: St. Gallen ohne Russo und Lässer (beide verletzt), Tafer, Dziwniel, Eisenring und Scherrer (alle nicht im Aufgebot) und Salli (nicht spielberechtigt). GC ohne Pnishi und Kubli (beide verletzt). 25. Tor von Bunjaku wegen abseits aberkannt. Verwarnungen: 32. Everton. 34. Gülen. 79. Alpsoy (alle Foul).

Thun - Vaduz 1:0 (1:0) 5071 Zuschauer. - SR Fähndrich. Tore: 27. Frontino (Handspenalty) 1:0. Thun: Faivre; Bigler, Sulmoni, Schindelholz, Wittwer; Hediger, Nicola Sutter (51. Zino); Ferreira (61. Zarate), Frontino, Rojas; Buess (72. Rapp). Vaduz: Jehle; von Niederhäusern (73. Kamber), Bühler, Grippo, Aliji; Untersee (46. Burgmeier), Ciccone, Hasler; Costanzo, Kukuruzovic (80. Cecchini); Messaoud. Bemerkungen: Thun ohne Glarner, Wieser, Peyretti, Siegfried (alle verletzt) und Reinmann (nicht im Aufgebot). Vaduz ohne Neumayr, Muntwiler, Manuel Sutter, Schürpf und Caballero (alle verletzt). Lattenschuss: 54. Rojas. Verwarnungen: 26. Grippo (Hands), 39. Bühler (Foul), 40. Aliji (Foul), 44. Kukuruzovic (Foul), 57. Bigler (Foul).

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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