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Kalte Dusche für YB

YB verliert das Startspiel in der Champions League gegen Manchester United 0:3. Der Schweizer Meister überzeugt nur eine halbe Stunde lang. Danach stösst er an seine Grenzen.

Fabian Ruch
Knisternde Atmosphäre vor dem Anpfiff zum ersten Gruppenspiel der Young Boys in der Champions League.
Knisternde Atmosphäre vor dem Anpfiff zum ersten Gruppenspiel der Young Boys in der Champions League.
Christian Pfander
YB startete frech und kam in der ersten halben Stunde zu einigen guten Abschlussmöglichkeiten. Hier scheitert Christian Fassnacht an der United-Verteidigung.
YB startete frech und kam in der ersten halben Stunde zu einigen guten Abschlussmöglichkeiten. Hier scheitert Christian Fassnacht an der United-Verteidigung.
Christian Pfander
United-Goalie David de Gea musste einige Male eingreifen, tat dies aber über 90.Minuten sicher.
United-Goalie David de Gea musste einige Male eingreifen, tat dies aber über 90.Minuten sicher.
Alessandro della Valle, Keystone
Paul Pogba schockte YB kurz vor der Pause. Der Weltmeister traf mit einer schönen Einzelaktion zum 0:1
Paul Pogba schockte YB kurz vor der Pause. Der Weltmeister traf mit einer schönen Einzelaktion zum 0:1
Reuters
Wenig später traf der United-Captain per Penalty zum 0:2.
Wenig später traf der United-Captain per Penalty zum 0:2.
Raphael Moser
Auch im zweiten Durchgang probierte YB die Gäste-Defenisve zu knacken. Roger Assalé hatte gegen diese aber Mühe und kam zu selten durch.
Auch im zweiten Durchgang probierte YB die Gäste-Defenisve zu knacken. Roger Assalé hatte gegen diese aber Mühe und kam zu selten durch.
Christian Pfander
Die Red Devils brauchten indes nur wenige Chancen. Anthony Martial zieht ab.
Die Red Devils brauchten indes nur wenige Chancen. Anthony Martial zieht ab.
Christian Pfander
Das dritte Tor: Camara lenkt den Schuss unglücklich ab, von Ballmoos hat keine Chance mehr.
Das dritte Tor: Camara lenkt den Schuss unglücklich ab, von Ballmoos hat keine Chance mehr.
Christian Pfander
Kevin Mbabu behauptet sich gegen Pogba.
Kevin Mbabu behauptet sich gegen Pogba.
Raphael Moser
Vorwiegend enttäuschte Gesichter bei den YB-Akteuren nach der Startniederlage.
Vorwiegend enttäuschte Gesichter bei den YB-Akteuren nach der Startniederlage.
Raphael Moser
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Am Ende ist alles so, wie es sich viele vorgestellt haben. Der haushohe Favorit Manchester United gewinnt das erste Gruppenspiel der Champions League beim Schweizer Vertreter YB nach einer soliden Vorstellung 3:0. Und die Young Boys haben bei ihrem ersten Auftritt der Vereinsgeschichte in der Königsklasse Lehrgeld bezahlt.

Die starke Startphase

Vorerst ist es noch ein aufregender Abend im Stade de Suisse, und das liegt nicht nur an der knisternden Ambiance mit einem lautstarken Publikum in einer Arena im Sternenkleid. Die mythische Champions-League-Hymne bildet den Vorspann zu einer Begegnung, in der die Young Boys in der Startphase alles das umsetzen, was sie sich vorgenommen haben.

Mutig sein und frech, in den Zweikämpfen Präsenz markieren, den Favoriten mit einer offensiven Spielweise überraschen. Es sind die Aussenverteidiger Loris Benito und Kevin Mbabu, die mit Sturmläufen Emotionen entfachen, Benito mit breiter Brust, Mbabu mit Dynamik. Sie spenden Energie, die Teamkollegen legen nach.

Djibril Sow stibitzt Weltmeister Paul Pogba den Ball, der junge Innenverteidiger Mohamed Ali Camara schaltet sich forsch in die Angriffe ein und prüft Torhüter David de Gea mit einem kernigen Schuss aus über 20 Metern, Miralem Sulejmani präsentiert seine Aussenristfertigkeiten, Guillaume Hoarau setzt einen Kopfball nach Mbabus Flanke Zentimeter neben das Tor, Christian Fassnacht verstolpert in aussichtsreicher Situation den Ball.

Die Young Boys sind eine halbe Stunde lang das bessere Team, sie sind furchtlos, beherrschen das Geschehen, aber aus Sicht des abgeklärten Gastes aus Manchester lässt sich eben auch festhalten: Alles easy, wir haben die Sache im Griff.

Die United lässt den Aussenseiter austoben, sie wankt (zumindest ein bisschen), aber sie leidet nicht und hinterlässt nie den Eindruck, besonders beunruhigt zu sein. Und sie schlägt zu, als sich die erstbeste Gelegenheit bietet. Es ist Pogba, der mit einem herrlichen Linksschuss von der Strafraumgrenze in den Torwinkel das 1:0 für den Premier-League-Giganten erzielt. Camara, für den verletzten Grégory Wüthrich ins Team gerutscht, lässt sich zu leicht düpieren.

Paul Pogba trifft aus dem Nichts zum 1:0. Video: Webvideo Tamedia/SRF

Der strenge Handelfmeter

Der Treffer Pogbas kappt den Young Boys den Strom, Manchester hat den Schweizer Meister genau dort, wo es ihn haben wollte – ohne viel Aufwand betrieben zu haben. Draussen an der Linie steht Trainer José Mourinho mit strengem Blick ganz vorne in der Coachingzone, nach dem Führungstor erstmals nicht mit verschränkten Armen.

Es ist ein Abend ganz nach seinem Geschmack, routiniert und beinahe zynisch hat sein Team den Charakter der Partie entscheidend verändert. Mourinho kombiniert übrigens eine schwarze Jogginghose, die manche zu Hause auf dem Sofa tragen, mit einem bequemen weissen Trainerpulli. Es ist auch ein Statement, der Match in Bern ist für ihn keine festliche Veranstaltung, einen Anzug trägt er im ersten Gruppenspiel nicht.

Gerardo Seoane dagegen ist in edlen Kleidern gewandet, wie es in der Champions League die meisten Trainer praktizieren. Und was der YB-Coach nach dem 0:1 sieht, kann ihm nicht gefallen. Noch vor der Pause erleidet sein Team einen zweiten Rückschlag.

Das zweite Tor für Manchester United. Pogba netzt den Penalty in der hohen rechten Ecke ein. Video: Tamedia Webvideo/SRF

Der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin entscheidet nach einer Flanke Luke Shaws auf Elfmeter, weil er ein Handspiel von Kevin Mbabu gesehen haben will. Es ist sehr strenger Entscheid, die Berner empfinden ihn gar als Witz, weil Mbabu aus wenigen Metern angeschossen wird und den Arm sogar noch wegzieht. Paul Pogba kümmert das wenig, er erzielt sein zweites Tor des Abends vom Elfmeterpunkt aus.

Nach der Pause überfordert

Die Young Boys werden gegen Ende der ersten Halbzeit kalt geduscht. Und nach der Pause stossen sie an ihre Grenzen, sie sind phasenweise gar überfordert, Courage und Aggressivität der ersten halben Stunde sind weit weg.

Manchester United verwaltet die Führung geschickt, in der 66. Minute fälscht der zuweilen unbeholfene Camara einen Schuss Anthony Martials zum 0:3 ins eigene Tor ab, und die gute Nachricht für YB ist, dass der prominente Gast kein Interesse daran hat, die Offensive mehr als unbedingt nötig zu forcieren.

Als die Begegnung zu Ende ist, bleibt den Young Boys die Erkenntnis, dass überzeugende 30 Minuten, die in der Super League in den meisten Fällen zum Sieg reichen würden, gegen Manchester United bei weitem nicht gut genug sind.

Am 2. Oktober geht das Abenteuer Champions League für die Berner bei Juventus Turin, das am Mittwoch 2:0 in Valencia gewann, weiter. Es ist ein schwacher Trost für sie, wird Weltfussballer Cristiano Ronaldo wegen einer Roten Karte gestern gesperrt fehlen.

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